16. August 1993 - heute vor 25 Jahren
Autobahnpolizei verlässt Ascheberg

Ascheberg -

Die Ascheberger waren verunsichert, „ihre“ Polizei verabschiedete sich nach Münster: Am 16.August 1993 wurde die Polizeiautobahnstation Ascheberg ein letztes Mal abgeschlossen.

Donnerstag, 16.08.2018, 08:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 16.08.2018, 08:00 Uhr
Franz Knuth schraubt das Schild der Polizeiautobahnstation Ascheberg ab. Der Wachdienstführer schloss am 16. August 1993 auch ein letztes mal das Gebäude ab. Holk Opitz und Jürgen Bauland starteten vor 25 Jahren zum letzten Mal aus Ascheberg zu einer Streifenfahrt. Währenddessen wird der Umzugswagen gepackt: Die Autobahnpolizei verlässt Ascheberg in Richtung Münster.
Franz Knuth schraubt das Schild der Polizeiautobahnstation Ascheberg ab. Der Wachdienstführer schloss am 16. August 1993 auch ein letztes Mal das Gebäude ab. Holk Opitz und Jürgen Bauland starteten vor 25 Jahren zum letzten Mal aus Ascheberg zu einer Streifenfahrt. Währenddessen wird der Umzugswagen gepackt: Die Autobahnpolizei verlässt Ascheberg in Richtung Münster. Foto: WN-Archiv/Bergmann

„Die Menschen waren verunsichert. Aber es gab keine Möglichkeit, unsere Vorzugsstellung weiter zu beanspruchen.“ Bernhard Thyen , 1993 Gemeindedirektor in Ascheberg, erinnert sich noch gut an die Dienststelle der Autobahnpolizei . Oft genug waren die Beamten eingesprungen, wenn die Polizei in Lüdinghausen gerade kein Fahrzeug frei hatte. Dieser „Luxus“ endete am 16. August 1993. Vor 25 Jahren schloss Franz Knuth die Baracke ein letztes Mal ab. 48 Autobahnpolizisten zogen vom Rastplatz Mersch an die Hammer Straße in Münster um. Als alle Umzugkartons gepackt waren, setzten die Beamten sich bei Würstchen, Salaten und einem alkoholfreien Bier – das hieß damals noch Kelts – zu einer Abschlussrunde zusammen.

Die Abschlussrunde in Ascheberg: Das alkoholfreie Bier heißt damals noch „Kelts“.

Die Abschlussrunde in Ascheberg: Das alkoholfreie Bier heißt damals noch „Kelts“. Foto: WN-Archiv

„Es gab einen großen Wachraum mit Theke, zwei Schreibräume, einen Sozialraum, Umkleide und Dusche“, beschreibt Ludwig Wolter, 1993 Leiter der Dienststelle Ascheberg, das Standard-Raumangebot für Polizei-Dienststellen an der Autobahn. Nach 28 Jahren war die Baracke in einem bedauernswerten Zustand. „Es regnete durch, das ganze Gebäude hätte saniert werden müssen“, nennt Wolter einen Grund für das Ende der Ascheberger Dienststelle. Grund zwei: Die Beamten mussten nicht mehr – wie i n den ersten Jahren – nur die A1 betreuen, sondern auch die A 43. Das ging von Münster aus schneller. Deswegen wanderten die Umzugskartons aus Ascheberg an die Hammer Straße 234 in Münster.

Wachdienstführer Franz Knuth schloss nach der letzten Schicht am Montagmorgen nicht

Und Schluss, Franz Knuth schließt ab.

Und Schluss, Franz Knuth schließt ab. Foto: WN-Archiv

nur das Gebäude zu, er schraubte auch das Schild ab: „Ich weiß nicht, wo es geblieben ist.“ Er erinnert sich beim Stichwort Ascheberg an den Geruch der Fischfabrik Nadler und an das Jagdschlösschen: „Dahin haben wir manchmal Leute begleitet.“ Die Bauern im Umfeld des Rastplatzes waren gute Bekannte. Knuth spricht auch von einem sehr guten Verhältnis zur Feuerwehr, mit der manche schlimme Situation gemeistert wurde. Und er erinnert sich daran, dass der Zahn der Zeit an der Dienststelle genagt hatte: „Einmal ist uns bei einem Sturm ein Teil des Daches über die Autobahn weggeflogen.“

Zu denen, die den letzten Tag in Ascheberg erlebt haben, gehört auch Albert Frie, der 1965 auch den ersten Dienst geleitet hatte. Die Fahrten zur Imbissbude im Dorf gehörten für ihn und seine Kollegen zum Alltag. Die schlimmsten Erinnerungen hat er an Unfälle, bei „denen es auf der Autobahn aussah wie im Krieg“. Besonders schlimm war die Zeit, in der das Anlegen der Gurte noch keine Pflicht war. „Wer ihn angelegt hatte, konnte selbst aussteigen. Andere hat es oft übel erwischt“, berichtet Frie. Für ihn gehört Ascheberg übrigens auch 25 Jahre nach dem Ende der Dienststelle und 17 Jahre nach dem Wechsel in den Ruhestand weiter zum Alltag: Albert Frie wohnt in Münster an der Ascheberger Straße.

Holk Opitz und Jürgen Bauland starteten letztmals von Ascheberg aus zu einer Streifenfahrt.

Holk Opitz und Jürgen Bauland starteten letztmals von Ascheberg aus zu einer Streifenfahrt. Foto: WN-Archiv

Und die Ascheberger haben sich schnell daran gewöhnt, dass „ihre“ Autobahnpolizei nicht mehr vor Ort präsent war. „Die Sorgen haben sich schnell gelegt“, erinnert sich Ex-Gemeindedirektor Thyen.

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