Oberstaatsanwalt als Kinder-Uni-Dozent
Von Gesetzen und dem Leben hinter Gittern

Ascheberg -

Diesem Dozent lauschten die jungen „Studenten“ der Kinder-Uni gebannt: Wolfgang Schweer, pensionierter Staatsanwalt, gewährte Einblicke in das Leben hinter Gittern und erklärte die gesetzlichen Grundlagen dafür, dass jemand in die Zelle muss. Die jungen Zuhörer löcherten den Juristen darüber hinaus mit Fragen.

Mittwoch, 26.09.2018, 15:50 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 23.09.2018, 14:24 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 26.09.2018, 15:50 Uhr
VHS-Chef Dr. Christoph Hantel zeigte den „Studenten“ in der Kinder-Uni in Ascheberg die passenden Bilder auf dem Tablet zu den Ausführungen des pensionierten Oberstaatsanwaltes.
VHS-Chef Dr. Christoph Hantel zeigte den „Studenten“ in der Kinder-Uni in Ascheberg die passenden Bilder auf dem Tablet zu den Ausführungen des pensionierten Oberstaatsanwaltes. Foto: Tina Nitsche

„Wer von euch war denn schon einmal im Gefängnis?“ Viele Hände schnellten am Samstagmorgen in die Höhe, als Staatsanwalt a. D. Wolfgang Schweer im Bürgerforum des Rathauses seinen jungen „Studenten“ diese Frage stellte. Allerdings, und das sei an dieser Stelle gleich vorweg genommen, ist noch niemand dieser Kinder dort „eingefahren“. Vielmehr haben sie sich bei unterschiedlichen Gelegenheiten eine Haftanstalt schon einmal angeschaut. Doch wie kommt man überhaupt ins Gefängnis? Dieser Frage gingen Wolfgang Schweer und seine rund 50 kleinen Studenten im Rahmen der von der VHS Lüdinghausen, der Fabi Lüdinghausen, den WN sowie der Bürgerstiftung initiierten Bildungs-Reihe „Kinder-Uni“ nach.

Die gute Nachricht vorweg: Kinder kommen, auch wenn sie etwas angestellt haben, nicht ins Gefängnis. „Nein, erst wenn sie 14 Jahre alt sind“, meinte die kleine Hilde zu wissen. „In der Tat, für 14 bis 18-Jährige wird es dann schon ernster, denn die gelten als Jugendliche“, bestätigte der Oberstaatsanwalt im Ruhestand. Jugendliche kommen zwar nicht gleich ins Gefängnis, allerdings droht ihnen, je nachdem was sie angestellt haben, Freizeitarrest. „Wir haben dazu immer gesagt Affenmüll wegmachen“, verdeutlichte Schweer und erklärte, dass mit Freizeitarrest gemeinnützige Arbeit gemeint ist, die dann durchaus auch mal im Zoo absolviert werden muss. Doch wer erwachsen (ab 21 Jahre) ist, der kommt ins Gefängnis, wenn er eine schwere Straftat begangen hat. „Ohne Handy und Nintendo“, machte Schweer deutlich.

Ohne Handy und Nintendo: Wolfgang Schweer erklärte, mit welchen Einschränkungen das Leben im Kittchen verbunden ist.

Ohne Handy und Nintendo: Wolfgang Schweer erklärte, mit welchen Einschränkungen das Leben im Kittchen verbunden ist. Foto: Tina Nitsche

Vincenz gewann dem Arrestaufenthalt eine positive Seite ab: „Dann hat man bei Dauerarrest ja keine Schule!“ Doch weit gefehlt! Schweer erzählte viel aus seinem spannenden Berufsleben, führte an, dass das Höchststrafmaß bei Jugendlichen bei zehn Jahren, bei Erwachsenen bei 15 Jahren liegt.

Je nach Straftat, zum Beispiel Mord, der nie verjährt, müssen auch alte Menschen ins Gefängnis. Ob man dort Insassen einfach besuchen kann, wollten einige der jungen „Studenten“ weiter wissen. Einfach so funktioniere das nicht, erklärte Schweer. „Denn dafür benötigt man eine Besuchserlaubnis.“

Es war ein munteres Wechselspiel aus Fragen und Antworten, die diesen kurzweiligen Morgen ausmachten. Dr. Christoph Hantel (VHS) untermalte einige der Antworten dabei sogar bildtechnisch via Tablet. Eine Aktion, die bei den Kindern besonders gut ankam. „Das ist eine echt spannende Sache und Oberstaatsanwalt ein wirklich spannender Beruf!“, befand der kleine Niklas völlig begeistert. Schweer zeigte kindgerecht die Beförderung ins Gefängnis auf. Wie man da hinkommt? „In der grünen Minna“, erklärte Schweer grinsend, „so wird das Transportfahrzeug heute noch genannt“.

Geduldig beantwortete der 72-jähige, der 37 Jahre lang Richter und Staatsanwalt war, auch die Fragen der Kleinen. „Was war die schlimmste Tat die Sie erlebt haben?“ Hier nannte er einen Dreifachmord und einen Fallschirmmord.

Der vierte und letzte Teil der Kinder-Uni-Reihe begeisterte alle Zuhörer. „Das war ein richtig spannender Morgen“, resümierte die kleine Hanna.

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