Historische Kneipentour durch Ascheberg
Begegnung am Tresen ist rar geworden

Ascheberg -

Über viele Jahrzehnte war die Begegnung am Tresen beim Feierabendbier ein fester Bestandteil des dörflichen Lebens. Wo diese Kultur in früheren Jahren gepflegt wurde, erfuhren rund 40 Teilnehmer bei einem historischen Kneipenrundgang, zu dem die Kolpingsfamilie Ascheberg eingeladen hatte.

Montag, 01.10.2018, 09:20 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 30.09.2018, 14:36 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 01.10.2018, 09:20 Uhr
Eine Rarität auf der Wanderung: An der Herberner Straße stießen die Männer an ihrer ersten Station mit Surmann’s Hof auf eine noch existierende Kneipe in Ascheberg. Eine, die seit 1966 dort angesiedelt ist und vorher mitten im Dorf ihren Platz hatte.
Eine Rarität auf der Wanderung: An der Herberner Straße stießen die Männer an ihrer ersten Station mit Surmann’s Hof auf eine noch existierende Kneipe in Ascheberg. Eine, die seit 1966 dort angesiedelt ist und vorher mitten im Dorf ihren Platz hatte. Foto: Tina Nitsche

Früher gingen der Schiedsrichter, der Hausmeister, der Anstreicher oder der Friedhofsgärtner nach Dienstschluss gerne mal auf ein Feierabendbierchen. Ja – früher. Heute ist das alles anders. Denn die Kneipen sind rar geworden. Und das, obwohl es in Ascheberg davon mal jede Menge gab, wie viele Herren am Samstag auf der Kolping-Männerwanderung lernten. Da ging es zurück zu den Wurzeln, in längst vergangenen Zeiten.

Anke Richter-Weiß sei Dank. Denn sie mischte sich als kundige historische Kneipenführerin als einzige Frau unter die Männertruppe, bei der alle Generationen und unterschiedlichste Berufe vertreten waren. Zur Ausrüstung gehörte ein Bollerwagen, randvoll gefüllt mit den Sachen, die normalerweise am Tresen zu ergattern sind. Doch „davon gibt es in Ascheberg ja leider nicht mehr allzu viele“, bedauerten nicht nur Roland Pelster und Gunnar Westhoff unisono.

Erster Stopp war an der Herberner Straße. Und da gibt es sie noch: eine der letzten Kneipen Aschebergs – Surmann’s Hof. „Seit 1966 ist sie hier ansässig. Früher war sie dort, wo heute Geiping ist“, so Richter-Weiß. Überhaupt war früher am Kirchplatz so etwas wie ein echtes Kneipen-Szeneviertel. Richter-Weiß erinnerte an den Gasthof Michel, besser bekannt als „Bauernschänke“. Heute ist dort der Ascheberger Hundefriseur. Nebenan gab es die Gaststätte Hillmann, auf der anderen Seite die Gaststätte Forsthoff. Unweit entfernt auf der Sandstraße war zunächst das Alte Gasthaus Soddemann, woraus später „Surmann’s Hof“ wurde.

Die lebendige Kneipenkultur in der Mitte des Dorfes wurde überdies ergänzt durch die Brauerei Dieninghof und die Brennerei Heydt. „Um 1800 gab es in Ascheberg sogar vier Bierbrauer und zwei Branntweinbrenner“, hatte Richter-Weiß weitere Zahlen parat. Absolutes Markenzeichen war das Jagdschlösschen, das Ascheberg weit über die Ortsgrenzen bekannt machte. Und das gerade dabei ist, wieder in neuem Glanz zu erstrahlen. Auf der Steinfurter Straße erinnerte Richter-Weiß an die ehemalige Gaststätte Fälker in der Osterbauer, an die noch existierende Kneipe Brüggemann und die einstige Gaststätte Klaverkamp.

An der Bultenstraße stand die muntere Truppe dann vor gänzlich neuen Mauern, die sich mitsamt Baugerüst gen Himmel schrauben. Dort stand bis vor ein paar Jahren noch die Gaststätte Geismann. „Ganz früher war da sogar im hinteren Zimmer die Fahrschule Huesmann untergebracht“, erinnerte sich Max Olbrich. Doch heute, das wurde auf der Männerwanderung „Historische Kneipentour“ ganz deutlich, ist eben alles anders. Kneipen sind rar geworden.

Ein Feierabendbierchen können der Fotograf, der Musiker und der Schiedsrichter in Ascheberg allenfalls noch im Erdbüsken in der Westerbauer, in der Breilklause (früher „Zur dicken Eiche“) oder aktuell noch im Goldenen Stern am Kirchplatz von St. Lambertus genießen.

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