Theaterprojekt trägt zur Integration bei
Humor hilft über Barrieren hinweg

Ascheberg -

Integration muss die Sprachbarriere überwinden. Doch welche Tücken sich dabei ergeben und dass Humor hilft, die Hürden zu meistern, machte das Theaterstück deutlich, bei dem mehrere Flüchtlinge zu den Akteuren zählten.

Montag, 22.10.2018, 15:50 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 21.10.2018, 16:20 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 22.10.2018, 15:50 Uhr
Theaterpädagogin Gabi Sutter (3.v.l.) studierte mit den Flüchtlingen und den deutschen Akteuren die Darbietung ein, die im Pfarrheim auf ein großes Publikum stieß.
Theaterpädagogin Gabi Sutter (3.v.l.) studierte mit den Flüchtlingen und den deutschen Akteuren die Darbietung ein, die im Pfarrheim auf ein großes Publikum stieß. Foto: Tina Nitsche

Frauen und Männer sprechen manchmal eben eine unterschiedliche Sprache. Das fängt schon bei Kleinigkeiten wie der Auswahl des Urlaubsziels an. Was also tun? „Da fahre ich doch besser alleine nach Ägypten, da verstehe ich zwar die Landessprache nicht, aber ich kann mich irgendwie immer verständigen“, hatte Caja Homann einen passenden Tipp für Freundin Gaby Sommer . „Wo wohnst Du?“ will Rashid zeitgleich von Mustafa wissen. „Ich wohne in Ascheberg.“ Die Antwort kommt in klarem Deutsch. Sprache ist das eine, worum es sich auf der Bühne im Pfarrheim St. Lambertus am Samstagabend gedreht hat. Dass die deutsche Sprache schwer ist, das machen die Flüchtlinge, die gemeinsam mit deutschen Akteuren auf den Brettern stehen, den Zuschauern auf humoristische Weise klar. Zeitgleich zeigen sie mit ihrem Auftritt, dass sie diese schon ganz gut beherrschen.

Theater in Ascheberg: Als Beitrag zur Integration

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  • Musik darf auf einer Party nicht fehlen.

    Foto: Tina Nitsche
  • Impressionen von der Theaterwerkstatt der Flüchtlinge

    Foto: Tina Nitsche
  • Wie können Flüchtlinge Einheimische kennenlernen? Ganz einfach: Indem sie eine Kennenlernparty veranstalten.

    Foto: Tina Nitsche
  • Auch für Politiker ist eine Kennenlernparty gar nicht so schlecht, schließlich lassen sich dort ganz einfach neue Wähler rekrutieren.

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  • Das Kinderlied „Aramsamsam“, das auf Mallorca zum Hit avancierte, wurde auch auf die Bühne gebracht.

    Foto: Tina Nitsche
  • An Humor wurde auf der Bühne nicht gepart, was beim Publikum bestens ankam.

    Foto: Tina Nitsche
  • Ein Thema des Theaters: An der Bürokratie kommt in Deutschland niemand vorbei.

    Foto: Tina Nitsche
  • Eine Einladung zur Kennenlernparty präsentiert Caja Homann (l.).

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  • Gaby Sommer (l.) sprang spontan ein beim Pallau-Theater, das von Anna Frank (r.) initiert wurde.

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  • Viele Besucher hatten am Samstagabend den Weg ins Pfarrheim St. Lambertus gefunden.

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  • Impressionen von der Theaterwerkstatt der Flüchtlinge.

    Foto: Tina Nitsche
  • Weitere Bühnen-Impressionen.

    Foto: Tina Nitsche
  • Mit Humor über Sprachbarrieren hinweg: Die Tücken des Deutschen und der Bürokratie wurden thematisiert. Foto: Tina Nitsche
  • Uozma Butt (M.) schlüpfte in die Rolle der suchenden Ehefrau. Ihren Mann fand sie dann letztendlich musizierend auf der Kennenlernparty.

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  • Maria Schumacher, Vorsitzende der Flüchtlingshife St. Lambertu, bedankte sich mit Blumen beziehungsweise Pralinen bei den Akteuren.

    Foto: Tina Nitsche

Dass sie in der Fremde trotz alledem nicht sofort heimisch sind, das wird bei dem ungewöhnlichen Theaterstück schnell deutlich.

Inszenierung ohne festes Drehbuch

Eine Inszenierung, die nicht über ein Drehbuch verfügt, sondern vielmehr selbst ein ungewöhnlicher Schritt der Integrationsarbeit ist. Einer, der die Lachmuskeln der vielen Zuschauer im Saal mehr als nur einmal gewaltig strapaziert. Denn was tut eine Bürgermeisterin nicht alles, um an Wählerstimmen zu kommen? Sie nutzt ihre Möglichkeiten. Und dafür nimmt sie dann auch nach anfänglicher Skepsis und typischen Vorurteilen – „Da sind Flüchtlinge? Oh, da wird man überfallen!“ die Einladung zur Kennenlernparty der Flüchtlinge an. Schließlich könnten da ja potenzielle Wähler warten. Auch beim Jobcenter, wo man zweifelsfrei so einiges erleben kann, macht die geplante Party schnell die Runde. Und sicherlich ist mittels Formularen und der typisch deutschen Bürokratie dort auch irgendwie an eine Einladung zu kommen. Anna Frank, die in unterschiedliche Rollen geschlüpft ist und die Theaterwerkstatt als Integrationsprojekt auch initiiert hat, Caja Homann, Gaby Sommer, Uzma Butt, Rashid, Mustafa, Hussein und Baktasch haben nicht sehr viel Zeit gehabt, um ihr Stück einzustudieren. „Gerade einmal sechs Wochen“, verriet Maria Schumacher, Vorsitzende der Flüchtlingshilfe St. Lambertus Ascheberg, eingangs bei der Begrüßung. Bei der sie sich vor allem über das große Publikum im Saal freute. Die Gäste waren dabei sogar von nah und fern angereist.

Aber sie wurden belohnt. Mit einem unvergleichlichen Auftritt, bei dem die Sprache im Mittelpunkt stand. Eine Aufführung, die mit einer großen Prise Humor daherkam und das Miteinander von Einheimischen und Flüchtlingen wechselseitig aufzeigte. Mal durch „die deutsche Brille“ und mal durch die Perspektive der Flüchtlinge.

Tosender Applaus als Lohn

Tosender Applaus war dann abschließend das größte Dankeschön für die Akteure und Theaterpädagogin Gabi Sutter, die für diese Theaterwerkstatt engagiert worden war. Eine Werkstatt, die deutlich gemacht hat, das Integration auf vielfältige Weise passieren kann. Manchmal eben auch über die künstlerische Schiene. Denn hier sind die vielen Stolpersteine und Probleme, die natürlich auch in der Sprache begründet liegen, auf ganz humoristische Weise verarbeitet worden.

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