Landwirte verlieren die Lust – sechs Prozent der Sauenhalter im Kreis haben aufgegeben
Profis sollen das Image verbessern

Ascheberg -

Für „Landwirtschaft live“ dürfen sie sich auf die Schultern klopfen, aber reicht das für ein besseres Image?

Dienstag, 12.02.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 13.02.2019, 16:14 Uhr
Mit dem Image der Landwirtschaft ist es nicht zum besten bestellt, das wurde auf der Generalversammlung beklagt. Über einen freiwilligen Obolus wollen die Landwirte nun profihafte Werbekampagnen finanzieren, um auf diese Weise mehr Rückhalt in der breiten Bevölkerung zu gewinnen.
Mit dem Image der Landwirtschaft ist es nicht zum besten bestellt, das wurde auf der Generalversammlung beklagt. Über einen freiwilligen Obolus wollen die Landwirte nun profihafte Werbekampagnen finanzieren, um auf diese Weise mehr Rückhalt in der breiten Bevölkerung zu gewinnen. Foto: ure

„Landwirtschaft live“ war ein wichtiger Baustein. Und ein gelungener, „wofür wir uns alle selbst auf die Schultern klopfen dürfen“, wie es Vorsitzender Bernd Mersmann auf der Generalversammlung des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes in der Gaststätte Frenking in seinem Rückblick sagte. Mit etwa 4500 Besuchern „von zwei bis 80 Jahren“ habe die neuartige Konzeption eines Tages der offenen Hoftore, die sich im vergangenen Sommer mit Herbern zusammen auf 18 Betriebe verteilt hatte, vollends bewährt. Doch es bedarf weiterer umfangreicher Anstrengungen, um „einen größeren Teil der Bevölkerung hinter uns zu bekommen“, wie es Kreislandwirt Georg Silkenbömer am Montagabend deutlich machte. Solange das nicht gelinge, „wird sich auch die Politik nicht ändern“.

Und die verheiße den Bauern momentan nichts Gutes, wie aus mehreren Wortmeldungen aus der Versammlung beklagt wurde. In den Medien permanent angeklagt und vom Gesetzgeber mit immer mehr Daumenschrauben geknebelt zu werden, das führe zu einem immer schärferen Klima, „in dem die Berufskollegen einfach keine Lust mehr an ihrem Job haben und resigniert das Handtuch werfen“, so der stellvertretende Kreislandwirt Dirk Schulze Pellengahr. Josef Samberg von der Landwirtschaftskammer in Coesfeld untermauerte dies mit Zahlen. In 2018 hätten sechs Prozent der Sauenhalter im Kreisgebiet aufgehört. „Und das waren alles relativ große Betriebe mit durchschnittlich 293 Sauen“. In den letzten acht Jahren habe sich die Zahl der Sauenhalter sogar halbiert.

Ob denn bei den besonders im Fokus stehenden Nitratgehalten des Grundwassers wohl immer an den richtigen Stellen gemessen werde, wurde von Anton Füchtling kritisch hinterfragt. Silkenbömer wie auch Samberg erklärten hierzu, dass die maßgeblichen Kriterien von der Politik immer weiter heruntergeschraubt würden. Sinngemäß stellten sie das so dar: Wurde man früher noch bei einer vier versetzt, müsse man heute eine drei haben. Vor diesem Hintergrund sei es höchste Eisenbahn, schlagkräftige Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die jetzt vom Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) ergriffene Initiative, einer von den Landwirten bezahlten und von Profis ausgeführten Imagekampagne, sei da genau der richtige Weg, so Silkenbömer. Die Idee dabei ist, dass die Bauern für das beim Raiffeisen oder dem sonstigen Landhandel bezogene Futter freiwillig einen Obolus abführen, von dem dann Werbespots in Radio, Fernsehen und Blogs in sozialen Medien finanziert werden. Pro Mastschwein „macht sich diese Abgabe nur mit 24 Cent bemerkbar“, hat Bernd Mersmann ausgerechnet, was weniger als die Hälfte von dem sei, was bis 2009 einbehalten wurde. Schulze Pellengahr warnte davor, die jetzt angestrebte Neuauflage „kaputt zu reden“, bevor sie überhaupt gestartet sei. „Wenn wir diese Kampagne jetzt beerdigen, dann können wir das Thema Landwirtschaft auf Dauer ganz beerdigen“. Sicherlich laufe hier nicht alles optimal, „aber wir haben keine Alternative“. Mit einem Appell, dass das Mitmachen für alle Berufskollegen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, schloss Mersmann die leidenschaftlich geführte Aussprache.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6386787?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Zoff um Osterfeuer im Naturschutzgebiet
Das umgeschichtete Osterfeuer in Gimbte lockte viele Besucher an. Fast wäre die Traditionsveranstaltung ausgefallen.
Nachrichten-Ticker