Wie aus Liebesliedern intensive Gebete werden
„Amore Mio“ in der St. Benedikt-Kirche

Ascheberg -

Wenn das Evangelium gelesen ist, tönt es mit den Sportfreunden Stiller aus den Boxen „Applaus, Applaus“. Für einige ist das Blödsinn, andere glauben, so falsch wäre das gar nicht.

Dienstag, 19.03.2019, 18:00 Uhr
Dr. Marga Voss nahm die Besucher in der St. Benedikt-Kirche mit auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise in die Welt der Liebeslieder.
Dr. Marga Voss nahm die Besucher in der St. Benedikt-Kirche mit auf eine ungewöhnliche Entdeckungsreise in die Welt der Liebeslieder. Foto: hbm

Die Frohe Botschaft während des Gottesdienstes ist verkündet und schließt nicht mit dem üblichen „Lob sei dir Christus“, sondern mit „Applaus, Applaus für deine Art, mich zu begeistern.“ Das würde manchen Kirchenbesucher nach dem Evangelium verwundern. Wundern durften sich die Besucher eines Angebots – besonders für Paare – am Montagabend in der St. Benedikt-Kirche in Herbern. Denn die alternative Version steht nicht im Gotteslob. Dr. Marga Voss hat sie in einem Lied der Sportfreunde Stiller aus dem Jahr 2013 gefunden. Einem Liebeslied. Darum drehte sich ihr Vortrag „Amore Mio“, Liebeslieder von Salomo bis Silbermond, im Rahmen der dekanatsweiten Veranstaltungsreihe „Ein Jahr für uns“.

Liebeslied oder Gebet? Diese Frage zog sich durch den Multimedia-Vortrag, bei dem zahlreiche Gesangsstücke per Video eingespielt wurden. Zwei Stücke trug die Referentin selbst vor. „Der Geliebte ist mein“ aus dem Hohen Lied der Liebe und „You Bring the Sun Out“ von Randy Crawford aus dem Jahr 1981. Von den Mystikerinnen im 12. bis 14. Jahrhundert landete Voss immer wieder bei der Jazz-, Soul- und vorwiegend in der Popmusik. Und das wirkte: Ganz persönliche Liebeslieder erhalten im Gotteshaus mit den einleitenden Worten ganz andere Bedeutungen. Simon & Garfunkel haben bei ihrem Song „Bridge over troubled water“ sicher andere Gedanken im Kopf gehabt als die Besucher in St. Benedikt. Schließlich heißt es dort: „Wenn du erschöpft bist und dich klein fühlst, wenn deine Augen voller Tränen sind, werde ich sie alle trocknen. Ich bin an deiner Seite, wenn die Zeiten rau werden und Freunde einfach nicht zu finden sind. Wie eine Brücke über unruhiges Wasser, werde ich mich niederlegen.“

Einige Liebeslieder haben den Wandel fast selbst vollzogen. 1963 trällerte die 15-jährige Peggy March „I will follow him“. Jahre später wurde dieses Lied zu einer Hymne des Erfolgsfilms „Sister Act“, gesungen als Gospel in der Kirche.

Marga Voss öffnete Augen und Ohren für ein anderes Hinhören und Hinschauen. Die Entdeckungsreise von ganz anderen Interpretationen der Liedtexte, sei mit dem einen Vortrag nicht beendet, verriet Pastoralreferent Ralf Wehrmann den Besuchern: „Ich habe den Vortrag ein zweites Mal gehört und wieder Neues entdeckt.“

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