Kinderbetreuung im Flüchtlingsheim
Die Breiler Weltentdecker

Ascheberg -

Loslassen fällt allen Eltern schwer, wenn die Kinder in die Kita oder zur Schule gehen. Bei Flüchtlingen, die oft Teile der Familie verloren haben, sind die Verlustängste noch größer. Trotzdem gibt es einen Weg, auch Frauen Integration zu ermöglichen.

Dienstag, 02.04.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 16:46 Uhr
Die „Breiler Weltentdecker“ sind auch schon einmal unterwegs.
Die „Breiler Weltentdecker“ sind auch schon einmal unterwegs.

Eltern von ihren Kindern zu lösen, ist ein schwieriges Kapitel. Wenn sie gemeinsam eine Flucht hinter sich haben, Krieg und Zerstörung kennen, fällt dieser Prozess noch schwerer. Deswegen waren es beim Blick auf Flüchtlinge, die in Ascheberg leben und noch nicht Teil von Sprach- oder Integrationskursen sind, vor allen Dingen Frauen und Mütter, die außen vor blieben. Am Breil ist ein sanfter Weg gefunden worden, sie mit der deutschen Sprache und mehr vertraut zu machen.

Kathrin Mühlenbäumer, die für das Bildungsinstitut Münster in Ascheberg verschiedenste Kurse organisiert, geht noch einen Schritt weiter zurück: „Die ersten Angebote waren im Pfarrheim. Als die Unterkunft Breil eröffnet worden ist, hatten wir neue Möglichkeiten.“ Als dann der Blick auf Frauen gefallen sei, die nicht teilnehmen, habe man sich um Rahmenbedingungen bemüht. Gemeinsam mit Flüchtlingshelferin und ÜBM-Vorsitzende Martina Eissa sowie mit den nötigen Anträgen, sei dann ein Doppelpack geschaffen worden: Kurse für Frauen, deren Kinder betreut werden. Anfangs leisteten Iris Zabel und Britta Arntzen die Arbeit. Für Arnzten ist inzwischen Franziska Langner eingestiegen. Kristina Bauer übernimmt die Krankheitsvertretung. Dazu gesellen sich im Wechsel Hadil Atri und Medya Mahmoud.

„Wer Teile der Familie verloren hat, spürt die Verlustängste viel stärker“, hat Iris Zabel während der Arbeit festgestellt. Einfach mal in einer Pause vorbeizuschauen oder auch nur durchs Fenster hineinzublicken, sei für die Mütter wichtig gewesen. Im Laufe der Zeit sei dann Vertrauen entstanden. Die „Breiler Weltentdecker“, wie sich das besondere Angebot getauft hat, sind im Februar 2018 gestartet und leben mit einem Wechsel von Kindern. Die größte Bruchstelle war der Sommer 2018 als Kinder in die reguläre Kita wechselten. Aktuell werden die Steppkes aus zwei Sprachkursen betreut. „Wir haben hier acht U 3- und zwei Ü 3-Kinder. Die Kinder kommen aus sechs Ländern. Es werden ebenso viele Sprachen gesprochen. Es gibt drei Glaubensrichtungen“, stellt Zabel die Gruppe vor.

Die Breiler Weltentdecker werden von Kristina Bauer, Franziska Langner, Iris Zabel, Hadil Atri und Medya Mahmoud betreut.

Die Breiler Weltentdecker werden von Kristina Bauer, Franziska Langner, Iris Zabel, Hadil Atri und Medya Mahmoud betreut. Foto: hbm

Möglich gemacht haben das Spenden und Landesmittel. Aber, darauf weist Mühlenbäumer ausdrücklich hin, „ganz viel Eigeninitiative und Herzblut.“ Da die Kinder zudem von Fachkräften betreut werden, wissen die Eltern sie auch in guten Händen.

Letztlich trägt auch die Kinderbetreuung zur Integration bei. Da gibt es eine WhatsApp-Gruppe der Eltern, in der die Nachrichten auf deutsch ausgetauscht werden. Und von der Tafel wird wöchentlich Obst und Gemüse bereitgestellt. Es trägt zur gesunden Ernährung bei. „Die Großen schnibbeln schon mit“, schmunzelt Zabel.

Ungewisse Zukunft

Gestern Morgen stellte sich in einer Runde mit Flüchtlingssozialarbeiter Mohammed El Gharrafi, Sozialassistentin Yasmin Horow und Fachbereichsleiter Thomas Stohldreier auch die Zukunftsfrage. „Es ist ein ganz, ganz tolles Angebot. Ich durfte es schon im Januar kennenlernen. Die deutsche Sprache zu lernen ist der Anfang von allem. Das war bei Frauen ein Problem. Hier ist eine optimale Lösung gefunden worden“, stellt der Verwaltungsmann fest. Ob sie fortgeführt wird, bleibt aber offen.

„Sicher ist, dass unsere Sprachkurse im Juli auslaufen“, nennt Mühlenbäumer einen Teil der Eckdaten. Stohldreier verweist auf die Unsicherheiten: „Wir wissen nicht, wer uns zugewiesen wird. Es ist unklar, wer durch Familienzusammenführungen kommt. Das ist die eine Seite. Dann müssen wir sehen, wie es in unseren Kindergärten aussieht. Wir haben mit der evangelischen Kita für den Sommer ein zusätzliches Angebot. In diesem dynamischen Umfeld lässt sich nur schwer etwas zur Zukunft sagen.“ Wenn es Bedarf gebe, werde man ihn aber decken. Das sei keine Frage. Bei älteren Kindern sei zudem eine reguläre Kita empfehlenswert.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6514192?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Nachrichten-Ticker