Fraktionen und Ratsmitglieder äußern sich zur Sandstraße
Einbahnstraße fällt bei einer Umfrage durch

Ascheberg -

Mit dem Scheinwerfer auf die Fußgängerzone und dem „Nein“ des Rates dazu ist das Verkehrsgutachten zur Sandstraße erst einmal wieder zur Seite gelegt worden. Was sagt der Rat dazu? Welche Schulnoten gibt er dem Gutachten und den Ideen?

Donnerstag, 18.04.2019, 11:00 Uhr
Aus dem Archiv ein Beleg für wildes Parken auf der Sandstraße.
Aus dem Archiv ein Beleg für wildes Parken auf der Sandstraße. Foto: hbm

Mit dem Scheinwerfer auf die Fußgängerzone und dem „Nein“ des Rates dazu ist das Verkehrsgutachten zur Sandstraße erst einmal wieder zur Seite gelegt worden. Doch wie wird es bewertet? Was sagt die Politik zur Lage auf der Sandstraße? Die WN haben die Fraktionen und Einzelratsherren befragt und dabei um Schulnoten für das Verkehrsgutachten und Vorschläge der Gutachterin gebeten. Mit „Shared Spaces“ bringen Volker Müller-Middendorf (UWG) und Hubertus Beckmann (Grüne) einen neuen Lösungsansatz in die Diskussion ein.

War das Gutachten notwendig?

Während die CDU dem Wunsch nach Schulnoten nicht gefolgt ist, reicht die Spanne der anderen Befragten fürs Verkehrsgutachten von einer „Eins“ (Frank Holtrup), einem „Gut“ (Müller-Middendorf), zwei Mal eine „Vier“ (Christian Ley, SPD ; Jochen Wismann, FDP) bis zu einer „Fünf“ (Beckmann). „Die Verkehrszählung vernachlässigt Peakwerte und berücksichtigte nicht die Zahl der Verkehrsverstöße“, erklärt Beckmann. Die Konflikte Kfz/Radfahrer, Kfz/Fußgänger und Fußgänger/Radfahrer sowie das Verhalten der Motorradfahrer hätten besser herausgearbeitet werden müssen. Müller-Middendorf setzt anders an: „Das vorliegende Gutachten zeigt den Interessenkonflikt der Betroffenen (Anwohner, Kunden, Senioren) auf, indem es Verdrängungseffekte des Verkehrs aller Alternativen darstellt, bei denen einzelne Gruppen benachteiligt werden.“ Wismann vermisst neue Erkenntnisse und konkrete Vorschläge fürs Umgestalten. Die SPD ärgert weiter, dass nicht alle Optionen, also auch die von ihr favorisierte Fußgängerzone, nicht ausreichend geprüft wurden und schimpft: „Weil das Gutachten zudem keine klare Empfehlung gibt, zieht die Verwaltung daraus den Schluss, dass alles bleiben kann wie es ist. Dafür 30 000 Euro auszugeben, ist niemandem zu vermitteln. Vor allem, wenn die Verwaltung nun den nächsten Planer beauftragen möchte, der den gesamten Ortskern betrachten soll. Warum wurde dieser Auftrag nicht gleich gegeben?“

Maßnahmen fürs Parken fehlen

Die CDU hätte sich mehr Aussagen zur Parkplatzsituation im Ort gewünscht, als ein Feststellen der freien Kapazitäten mit dem Ergebnis, dass sich im Ortskern genügen Parkplätze befinden. „Leider führt das Gutachten keine Maßnahmen auf, wie die Parksituation verbessert werden kann. Zu einer besseren Auslastung der Parkplätze, beispielsweise andere begrenzte Parkzeiten im Ortskern und wo, hat das Gutachten leider keine Aussagen gemacht“, schreibt Ludger Wobbe (CDU).

Die Sandstraße ist schon länger in der Diskussion und wurde oft umgestaltet.

Die Sandstraße ist schon länger in der Diskussion und wurde oft umgestaltet. Foto: Heinz Becker

Von den vorgestellten und diskutierten Varianten fällt die Einbahnstraße mit einer glatten „fünf“ durch. Die abgehakte Fußgängerzone erhält von der SPD eine „Eins“, den Grünen eine „Drei“, Holtrup gibt eine „Vier“ und Wiesmann eine „Sechs“. Die verkehrsberuhigte Zone geht von einer „Vier“ (Wismann) bis zu einer „Zwei“ (SPD, Grüne, Holtrup). Für die CDU ist noch nicht abschließend geklärt, ob so eine Zone auf der Sandstraße möglich und sinnvoll ist, wenn auch nur abschnittsweise. Dadurch wären alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt und die Polizei könnte ohne Messgeräte die Geschwindigkeit überprüfen.

Der Status Quo wurde nach einer Kübelaktion geschaffen.

Der Status Quo wurde nach einer Kübelaktion geschaffen. Foto: hbm

Die UWG vergibt bei den Vorschlägen nur beim verbesserten Status Quo eine Note und zwar eine „Eins“. Die gibt es auch von Holtrup. Über Wismann (Drei) und Beckmann (Vier) geht es runter bis zur SPD (Fünf). „Die Parksituation ist optimierungsbedürftig. Eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung wäre unrealistisch und mit einer geringen Akzeptanz verbunden“, glaubt Wismann. „Die Proteste der Anwohner sind gerechtfertigt. Als schwacher Verkehrsteilnehmer, der nicht mit einem Zwei-Tonnen-schweren SUV sondern mit Rad, Rollator oder zu Fuß unterwegs ist, lebt man auf der Sandstraße leider gefährlich“, schreibt die SPD. Beckmann formuliert es ähnlich: „Die Proteste über zu schnelles Fahren und das oft wilde Parken - in allen Bereichen, also von der Biete bis zum Friedhof, sind voll berechtigt und fordern verkehrsordnende Maßnahmen. Stellen wir uns vor, wir wohnen im Alterswohnsitz Biete, sind 85 Jahre alt und wollen mit dem Rollator ins Dorf: In der Hälfte aller Fälle ist das wohl ein echtes Wagnis, und das darf nicht so sein. Das ist Ascheberg-unwürdig.“ Holtrup macht den „selbst-verursachten Maximalverkehr“ verantwortlich und eine Gesellschaft, die Egoismus vor Rücksichtnahme setzt. Deswegen glaubt Müller-Middendorf auch nicht, dass über ein Konzept das Fehlverhalten einzelner bezüglich Parken und Geschwindigkeit korrigiert werden kann.

„Shared Spaces“ als Lösung

Bleibt am Ende der Vorschlag „Shared Spaces“, der „woanders erfolgreich erprobt wurde“ (Müller-Middendorf). Er, so Beckmann, hat zur Folge, dass alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Die UWG regt zudem an, diesen Gedanken beim Projekt „Plätze in Ascheberg“, das die Verwaltung angeht, einfließen zu lassen.

Wildes Parken macht Kummer.

Wildes Parken macht Kummer. Foto: hbm

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