Ein modernes Schlosskonzert auf Westerwinkel
Originelle Klangwelten

Ascheberg/Herbern -

Besucher der Schlosskonzerte in Westerwinkel bekamen im Laufe der Jahre viel zu sehen und zu hören - so wie am Sonntag klang es dort aber noch nicht.

Montag, 01.07.2019, 18:00 Uhr
Die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler musizieren seit ihrer Jugend gemeinsam. Sie entführten als „Twiolins“ beim Schlosskonzert in originelle Klangwelten.
Die Geschwister Marie-Luise und Christoph Dingler musizieren seit ihrer Jugend gemeinsam. Sie entführten als „Twiolins“ beim Schlosskonzert in originelle Klangwelten. Foto: nico

Besucher der Schlosskonzerte in Westerwinkel bekamen im Laufe der Jahre viel zu sehen und zu hören: Exotische Instrumente, selten aufgeführte Kompositionen, Ensembles in ungewöhnlichen Besetzungen. Doch so modern wie am Sonntag kam ein Schlosskonzert noch nicht daher. Zu Gast waren „The Twiolins“, ein Geschwisterpaar, das das Publikum als Violinduo mit „Progressive classical music“ in den Bann zog. Ohr-verwöhnende Harmonik, weitgreifende Melodielinien und pulsierende Rhythmen brachten frischen Wind in das Barockgemäuer.

Marie-Luise und Christoph Dingler teilen sich die Bühne seit ihrer Jugend. Das merkt man deutlich: Ihre intuitive Vertrautheit und ein dichtes Zusammenspiel zeugen davon. Gemeinsam hat das Geschwisterpaar zahlreiche Preise errungen und 2009 eine eigenen Kompositionswettbewerb gegründet, den „Progressive classical music Award“. Die Siegertitel aus dem Wettbewerb 2015 präsentierten sie auf Einladung der Musikschule in ihrem Programm „Secret Places“ beim Schlosskonzert. „Unser Anspruch ist, dass wir Musik spielen, die das Publikum vom Hocker haut“, erklärte Marie-Luise Dingler. Dieser Ambition wurde das Repertoire durchaus gerecht. Mit ihren Violinen lassen die Geschwister spannungsvolle Kontraste entstehen und balancieren zwischen ausgewogener Harmonik und innovativer Klangsprache. Dabei kommen sie komplett ohne Notenblätter aus, kein Notenständer behindert die Musiker, sie verschmelzen förmlich mit ihren Instrumenten und deren Klang. Das schafft auch Raum für humorvolle Momente: In „A fly´s life and decline“ von Judit Varga bringt die musikalische Jagd nach einer Fliege und der Einsatz einer Fliegenklatsche das Publikum zum Schmunzeln.

Im Programm „Secret Places“ vermischen sich verschiedenste musikalische Genres zu originellen Klangwelten, in denen Elemente der Rockmusik, folkloristische Einflüsse oder gar die indische Tonsprache Platz finden. Technisch brillant zaubern die Violinisten die Crossover-Titel aus ihren Instrumenten, lassen die Bögen tanzen - mal hypnotisierend langsam, mal in atemberaubendem Tempo. Das Publikum lässt sich schnell von den ungewöhnlichen Klängen mitreißen, schließt auf Geheiß der Musiker für eine meditative Gedankenreise die Augen, stapft und klatscht zu einem Jig. Mit „Schillers Nachtflug“ aus der Feder von Benedikt Brydern setzen die Geschwister einen furiosen Schlusspunkt - mit dem sich das Publikum allerdings nicht zufrieden geben will. Anhaltender Applaus und „Bravo“-Rufe entlocken dem Duo Zugaben, unter anderem aus den „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi - der natürlich von den „Twiolins“ auch nicht so klingt, wie man ihr gemeinhin kennt. Mit dem Arrangement von Christoph Dingler geben die Musiker einen Ausblick auf ihre neueste CD. Die drei bislang erschienen Tonträger gibt es nach dem Konzert zu kaufen und die Schlange an der Kasse ist lang: Viele Besucher möchten die „Secret Places“ auch Zuhause wiederfinden.

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