Sommerreise, erstes Etappenziel
Vom Emmerbach an den Inn

Ascheberg -

Sie waren in Ascheberg aktiv, haben hier gelebt und der Gemeinde dann doch den Rücken gekehrt. Bei der „Sommerreise“ begegnet die WN diesen Menschen. In der Folge eins ist es Familie Zahlmann in Bad Füssing.

Sonntag, 28.07.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 28.07.2019, 11:14 Uhr
Erich und Marlis Zahlmann wohnen nun bald zehn Jahre in Bad Füssing. Mit Fine geht es runter zum Inn, der gerade einmal 700 Meter entfernt liegt.
Erich und Marlis Zahlmann wohnen nun bald zehn Jahre in Bad Füssing. Mit Fine geht es runter zum Inn, der gerade einmal 700 Meter entfernt liegt. Foto: privat

Mitten im Leben: Vom Grünen Winkel in Ascheberg sind Erich und Marlis Zahlmann täglich gestartet, zur Arbeit, mit den drei Söhnen Eric, Marc und Dirc zum Kindergarten und den Schulen oder auch, um vielfältige ehrenamtliche Aufgaben zu übernehmen. Der Mann von der WestLB verwaltete nach Jahrzehnten als Übungsleiter beim TuS Ascheberg die Finanzen des Fußballkreises und war als Schiedsrichter unterwegs, Frau Marlis als Jugendobfrau im TuS und bei Davaria, im Kreis Lüdinghausen, im FLVW und im Jugendgericht des Westdeutschen Fußballverbandes tätig. Doch 2009 kehrten sie dem langjährigen Mittelpunkt ihres Lebens den Rücken. Im Herbst wohnen die Zahlmanns zehn Jahre in Bad Füssing. „Wir haben es 700 Meter bis zum Inn“, erzählt Erich Zahlmann.

Die Berge sind den Zahlmanns nicht fremd. „Wir haben viele Jahre den Sommer- und Winterurlaub im Garstnertal verbracht“, berichtet der 75-Jährige. Und so kamen die Berge ins Spiel als es darum ging, Ascheberg den Rücken zu kehren. „Es gibt hier drei Thermalbäder und hervorragende Therapiemöglichkeiten. Das war für uns entscheidend“, berichtet Zahlmann. Es fehlt an nichts, am Inn lassen sich in beide Richtungen wunderbare Radtouren unternehmen. Und bei der Suche nach einer Bleibe ging es ganz schnell, wie der frühere Ascheberger erzählt: „Wir haben die Doppelhaushälfte gesehen und uns sofort darin verliebt. Der Vertrag war schnell unterschrieben.“ Einziges Manko: Der Garten ist auf ein Drittel seiner Ascheberger Größe geschrumpft. Zahlmann bedauert, dass er nicht alle Pflanzen mitnehmen konnte. Die Lösung: „Wir haben uns auf Hortensien konzentriert.“ Mit dem Umzug nach Bad Füssing wurde auch die Distanz zu den beiden Enkelinnen größer. Für Oma Marlis war das nicht so dramatisch, wie man vermuten könnte: „Sie waren hier unten länger bei uns, als in Ascheberg.“ Und sie sind gerne da.

  Foto: privat

500 Meter von ihrer Doppelhaushälfte entfernt liegt der Sportplatz des SC Egglfing. „Es hat schon gekribbelt, dort mitzumachen. Aber wir haben uns dann lange angeschaut und gesagt: Nein, das machen wir nicht noch einmal“, haben die Zahlmanns der Rückkehr ins Ehrenamt widerstanden. Als fördernde Mitglieder und Ratgeber stellen sie dem Club am Inn ihr westfälisches Vereins- und Fußball-Know-How aber gerne zur Verfügung.

Als sie Ascheberg verließen, „schwebte das Schwert“ schon über dem Fußballkreis. „Es war klar, dass es eines Tages so kommen wird. Der Übergang ist, aus der Distanz betrachtet, gut gelungen“, sagt Erich Zahlmann.

Nach Ascheberg kommt das Ehepaar, wenn ein Besuch bei Sohn Marc in Münster ansteht. Den engsten Kontakt haben sie zu ihren ersten Nachbarn im Grünen Winkel: Hubert und Vroni Schlesinger. „Sie erzählt uns am Telefon schon einmal, was in Ascheberg los ist. Ich sage dann oft, dass ich es schon mitbekommen habe“, schmunzelt Marlis Zahlmann. Denn sie liest immer noch die Papierausgabe der „Westfälischen Nachrichten“. Ihr Mann Erich nimmt lieber die E-Paper-Variante zur Hand. Beim digitalen Vorteil – das Papier schafft es in den südöstlichen Teil der Republik und damit direkt an die Grenze Österreichs mit einem Tag Verspätung – muss er schon aufpassen, dass er nicht etwas vorzeitig ausplaudert, was seine Frau erst am Folgetag lesen wird.

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