Ratschläge für Mediennutzung
Wenn Kinder sich im Netz verirren

Herbern -

Was bekommt eine kindliche Pferdefreundin zu sehen, wenn sie bei einer großen Suchmaschine nach einer „Stute“ sucht. Die Gefahren der Internetwelt und wie Eltern und Kinder damit umgehen, war im Familienzentrum Herbern ein Thema.

Freitag, 11.10.2019, 08:00 Uhr
Ranka Bijelic von der Landesmedienanstalt NRW gab den Eltern beim Infoabend des Familienzentrums Herbern Tipps und Ratschläge für den Umgang mit den Medien.
Ranka Bijelic von der Landesmedienanstalt NRW gab den Eltern beim Infoabend des Familienzentrums Herbern Tipps und Ratschläge für den Umgang mit den Medien. Foto: FZ/Krampe

Es geht meistens ganz harmlos los mit dem Online-Leben des Nachwuchses. Als Grundschulkinder suchen sie im Internet, was sie interessiert: Pferde, Traktoren, Prinzessinnen und Superhelden. Wenn es gut läuft, bleibt es dabei – wenn nicht, landen die Kleinen auf Seiten, die für sie ungeeignet sind. Umso wichtiger, dass Eltern von Beginn an ein Auge darauf haben, was ihre Sprösslinge an den verschiedenen Geräten so treiben. Wie das gehen kann, erklärte Medientrainerin Ranka Bijelic von der Landesmedienanstalt NRW jetzt beim Infoabend des Familienzentrums Herbern.

Selbstverständlich hatte sie auch einige plastische Beispiele dabei: So suchte unlängst eine kleine Pferdenärrin über die wohl bekannteste Suchmaschine den Begriff „Stute“ – die Seite, auf der sie irgendwie landete, hatte nichts mit Pferden zu tun und war nicht annähernd jugendfrei, sondern voll des prallen Lebens. „Das passiert, weil die Kinder noch nicht richtig lesen können“, erklärte Bijelic, „und die Fülle des Angebotes überfordert sie dann leicht.“ Die Folge: die Kinder klicken ohne zu lesen alles an und verirren sich dann immer tiefer im weltweiten Netz. Dass sie dabei auf Seiten landen, die nicht für sie geeignet sind, passiert fast zwangsläufig.

Auch ein Problem: Für Kinder unangemessene, zwischengeschaltete Werbung zum Beispiel bei Videoportalen (Youtube) oder auch User, die eigentlich harmlosen Spielen eine unangenehme und zum Teil strafrechtlich relevante Richtung geben. Hier hatte Ranka Bijelic ein Foto im Gepäck, bei dem ein Nutzer in einem Bauernhof-Spiel das Korn in Form eines Hakenkreuzes gesät hatte. Üble Kettenbriefe über Messenger-Dienste (etwa Whatsapp), kleine Videos, die von Cyber-Pädo-Kriminellen für ihre Zwecke missbraucht werden (etwa über die App TikTok), Gruppendruck, fehlgeleitete Körperwahrnehmung (dank social media-Angeboten wie Instagram), ständig mitlauschende Sprachassistenten und Smartwatches – Eltern könnten angesichts dessen, was schief gehen kann, in Panik verfallen.

Doch Medientrainerin Bijelic hatte einige Tipps, wie der „schlimmste Fall“ eben nicht eintritt: „Stellen Sie mit ihren Kindern Medienregeln auf.“ Zum Beispiel: Wann und wie lange darf das Kind das Medium nutzen? „Ganz wichtig auch: Bauen sie Vertrauen auf“, sagt Bijelic, „denn wenn ihr Kind weiß, dass sie nicht wütend werden oder ihm das Smartphone wegnehmen, wird es ihnen erzählen, was ihm im Netz begegnet.“ So können Eltern ihr Kind stärken und sein Selbstbewusstsein fördern. Und im Notfall Hilfe anbieten. Wichtig auch: „Seien Sie ihrem Kind ein Vorbild“, sagt Bijelic, die auch weiß, dass das nicht immer einfach ist. „Deshalb stellen sie Regeln auf, die zu Ihnen und ihrem Familienleben passen, sonst werden sie sie nicht einhalten können.“

Sind die Kinder daran gewöhnt, dass die Eltern immer an ihrer Seite sind, werden sie auch als Pubertierende weniger Probleme damit haben, wenn die Erwachsenen hin und wieder einen Blick auf ihr Medienverhalten werfen. Denn auch dann ist das noch mehr als nötig, denn immer neue Spiele und Angebote bergen immer neue Stolperfallen. Bijelic: „Ich erinnere mich an einen Fall, da hat ein junger Spielkonsolen-Nutzer in einer Nacht 3000 Euro durchgeballert, weil er über In-App-Käufe dazu animiert wurde.“

Weitere Informationen finden interessierte Eltern unter www.medienanstalt-nrw.de oder auch unter www.familienzentrum-herbern.de. Beim Familienzentrum gibt es im Reiter „Presse & Info“ auch Links zu Kinder-Suchmaschinen, zum Internet-ABC und weiteren hilfreichen Seiten.

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