Manfred Richter war Rheinsbergs erster Bürgermeister nach der Wende
Mauerfall beim Möbelrücken

Ascheberg/Rheinsberg -

Ob das Möbelrücken im Haus Richter tiefgreifend war, ist nicht überliefert. Aber just beim Umgestalten gab es den größten Wandel: Die Mauer und mit ihr die Grenze zwischen DDR und BRD öffnete sich. Manfred Richter blieb in Rheinsberg und übernahm als Sozialdemokrat Verantwortung.

Samstag, 09.11.2019, 09:00 Uhr
Manfred Richter war erster Bürgermeister nach der Wende.
Manfred Richter war erster Bürgermeister nach der Wende.

Manfred Richter hat gerade seinen 38. Geburtstag gefeiert. Der Diplom-Wirtschaftler leitet den Feriendienst der Gewerkschaften mit 700 Beschäftigten in Rheinsberg. Am 9. November 1989 werden im Haus Richter Möbel über den Teppich geschoben. „Wir haben das Zimmer umgestellt“, erinnert sich der Rheinsberger an den Tag des Mauerfalls . Das Fernsehen lief in dieser Zeit nebenher und nach den Bildern von der Grenze bis tief in die Nacht. „Die Nachbarn sind direkt nach Berlin gefahren. Wir sind nicht gleich in den Trabi gesprungen, weil das ein ziemlicher Weg war. Ein paar Tage später haben wir das nachgeholt“, berichtet Richter.

Der inzwischen 68-Jährige bekennt: „Ich war keiner der Mutigen, die auf die Straße gegangen sind.“ Aber in seiner Volleyballgruppe wurde viel und oft über Politik geredet: „Wir kannten die SPD aus dem Westen, die gab es bei uns so nicht. Im Februar 1990 haben wir sie gegründet.“ Zu den Helfern gehörte der gerade verstorbene Herberner Wolfgang Tietze . Einen Satz vom westfälischen SPD-Urgestein, der ihm anfangs quer heruntergegangen ist, kann Richter noch heute zitieren: „Ihr könnt nur etwas machen, wenn ihr Macht habt!“ Am 1. März 1990 steht die erste Kommunalwahl an, die erste frei gewählte Stadtverordnetenversammlung wählt Manfred Richter zum ersten Bürgermeister nach der Wende: „Das waren unglaubliche aufregende Zeiten.“ Eine mit vielen Aufgaben. „Die Stadt war heruntergekommen. Ohne die Wende wäre alles wirtschaftlich zusammengebrochen.“ Und trotzdem: Zuerst kam es viel schlechter, denn der Feriendienst fiel weg, später wurde das Kernkraftwerk geschlossen. Mehr als 1000 Arbeitsplätze einfach weg. Auf der anderen Seite: „Es gab alles zu kaufen. Wir mussten Versicherungen abschließen, was wir nicht kannten. Genauso wenig, wie es vorher Kredite gab.“ Viele Rheinsberger hätten in neue Berufe wechseln müssen, die Arbeitslosigkeit sei sehr hoch gewesen. Die Arbeitsfördergesellschaft, die man damals gegründet habe, gebe es noch heute: „Das dauert seine Zeit, aber ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert.“

Rheinsberg setzt auf den Tourismus. Richter ist stolz auf die Errungenschaften rund ums Schloss mit dem Tucholsky-Museum, mit der Kammeroper, der Musikakademie und den daraus resultierenden Veranstaltungen. Er bedauert, dass die Treuhand es der Firma, in der Tietze arbeitete, nicht ermöglicht hat, den Chemiebetrieb in Rheinsberg zu erwerben: „Die Treuhand wollte nur große Betriebe verkaufen und Rheinsberg gehörte zu einem Berliner Unternehmen.“ Wieder eine Chance auf einen Gewerbebetrieb vorbei. Dass sich 30 Jahre nach dem Mauerfall noch einmal etwas ändert glaubt Richter nicht: „Es sind 30 Kilometer bis zur Autobahn, die Betriebe bleiben an der Auffahrt Neuruppin, unserer Kreisstadt.“ Immerhin habe sich die Handwerkerschaft gut entwickelt.

Rheinsberg im Herbst 2019

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Ärzte waren für den Ort zu organisieren. Krankenschwestern mussten aus vorher städtischen Angestelltenverhältnissen in den privaten Bereich überführt werden und vor Ort bleiben. Überall gab es Einschnitte, tiefe Einschnitte. Auf die Anfangseuphorie folgte der Verlust vieler junger Rheinsberger, die im Westen Arbeit suchten.

19 Jahre ist Manfred Richter erster Bürger der Stadt Rheinsberg, 2009 wird er in den Brandenburger Landtag gewählt. Nach einer Legislaturperiode verabschiedet er sich aus Potsdam. Seit 2014 ist er Vorsitzender des Kreistags Ostprignitz-Ruppin. Beim Blick auf Stadt und Region stellt er fest, dass sich vieles auf ein normales Maß eingependelt habe. Die Arbeitslosigkeit sei von 18 auf fünf, sechs Prozent gesunken. Die jüngsten Wahlergebnisse sieht er „mit Bedrücken“. Bei der Europawahl war die AfD die stärkste Partei. „Bei der Landtagswahl kannte niemand die Kandidatin der AfD und trotzdem sind sie auf dem zweiten Platz gelandet“, versteht Richter die Wähler nur wenig. Denn „statistisch berechnet, geht es uns so gut wie nie.“ Noch offensichtlicher wäre der Wandel, wenn man Rheinsberger Fotos aus dem Jahr 1989 heutigen Bilder gegenüberstelle. Und jetzt könne man als Bürger gegen den eigenen Staat klagen: „Wir haben einen zähen Kampf gegen die Bundeswehr und das Bombodrom in Wittstock sogar gewonnen.“

Der frühere Rheinsberger Bürgermeister glaubt nicht, dass alle AfD-Wähler Rechte sind, er spricht eher von Enttäuschten: „Wenn wir die Tagesprobleme wie Verkehr und ÖPNV nicht lösen, springen die Rechten auf das Thema an. Es dauert viel zu lange, bis sich etwas bewegt.“ Wenn eine Schule saniert werden müsse, dann müsse sie saniert werden. Gerade gebe es einen Wasserschaden und es werde darüber geredet ihn zu beseitigen, wer es bezahlen müsse, wer den Auftrag erhalte. Das müsse viel schneller gehen. Bei großen Funklöchern habe man versprochen, sie würden im nächsten Jahr beseitigt. Fünf Jahre später sei immer noch nichts passiert. Diese Enttäuschungen aufzugreifen, bringe der AfD viele Stimmen. Richter empfiehlt, den Kommunen mehr Geld und Kompetenzen zu geben, um die Alltagssorgen der Menschen entschlossen angehen zu können.

Eins ist ihm bei einem Rückblick noch wichtig: „Ascheberg hat uns in den ersten Monaten und Jahren super geholfen.“ Nach dem Namen Tietze fällt der von Gemeindedirektor Bernhard Thyen. Alles Menschen, die Richter beim Möbelrücken 1989 noch nicht kannte.

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