Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes
„Nie wieder schweigen!“

Ascheberg/Herbern -

„Erinnerung für die Zukunft – nie wieder schweigen, nie wieder wegschauen“ – unter diesem Leitwort wurde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

Sonntag, 10.11.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 13.11.2019, 15:46 Uhr
An den Stolpersteinen wurde der Familie Samson und aller Opfer gedacht.
An den Stolpersteinen wurde der Familie Samson und aller Opfer gedacht. Foto: iss

Vor 81 Jahren wurden bei der Reichskristallnacht und in der Folgezeit 28 Menschen aus der Gemeinde Ascheberg, unter ihnen die Familie Samson aus Herbern, Opfer von Verfolgung und Ermordung. Die SPD Ascheberg hatte am Samstagabend unter dem Motto „Erinnerung für die Zukunft – nie wieder schweigen, nie wieder wegschauen“ zu einer Gedenkfeier an der Ecke Merschstraße/ Bernhardstraße eingeladen, um an die jüdische Familie Samson zu erinnern. Über 40 Teilnehmer waren der Einladung gefolgt.

„Wir dürfen nicht vergessen“, sagte Birgit Homann von der SPD. Die Reichspogromnacht (Kristallnacht), war 1938 der Auftakt des systematischen Völkermordes der Nazis an den Juden, der Holocaust wurde damit einleitet. Die Familie von Ernst Samson , die 1938 noch als einzige jüdische Familie in Herbern lebte, besaß seinerzeit eine Schlosserei und einen Fahrradhandel an der Merschstraße 175. Im Ersten Weltkrieg war er für seine besondere Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden und allein schon somit ein hoch geachteter Bürger. Nichtsdestotrotz zertrümmerten am 10. November 1938 unbekannte Täter die Fenster seines Wohnhauses und des Lagers sowie vier große Schaufensterscheiben seines Geschäfts. In der Wohnung zerschlugen sie die Möbel.

Birgit Homann von der SPD erinnerte am Samstag an die Opfer der Novemberpogrome in Herbern.

Birgit Homann von der SPD erinnerte am Samstag an die Opfer der Novemberpogrome in Herbern. Foto: iss

Der Vorsitzende des Herberner Heimatvereins Egon Zimmermann dokumentierte in einem Buch Augenzeugenprotokolle des damaligen letzten Lehrlings der Familie Samson: „An dem Morgen war alles anders, nichts war wie gewohnt. Herr Samson kam mir mit einer Taschenlampe entgegen und sagte zu mir: „Heine, hier häbt se düsse Nacht wahne huust. (Heinz, hier haben sie heute Nacht fürchterlich gehaust).“ Die Betroffenheit, das dieses Martyrium vor 81 Jahren auslöste, war am Samstag bei allen Teilnehmern spürbar. „Mein Vater Peter war damals in dem Haus und sollte die Elektrik wieder herstellen. Es hat da furchtbar ausgesehen, hat er immer wieder erzählt“, sagte Georg Beerens. Aber auch Doris Wienand aus Stockum, dessen Oma Paula Meinke bei den Samsons als Näherin arbeitete, erzählte wie diese Nacht alles veränderte. „Es hat das Leben meiner Oma aber auch von uns geprägt. Sie hat immer davon erzählt. Es war schlimm.

Stolpersteine in Herbern.

Stolpersteine in Herbern. Foto: iss

An den vier Stolpersteinen an der Bernhardstraße (wo das Haus der Familie Samson stand sind die Namen von Ernst, Emma, Margret und Gerda Samson zu lesen. Sie dienen zum Gedenken aller Opfer der Novemberpogrome. Kaya Homann legte stellvertretend Kerzen und Blumen nieder. „Die Stolpersteine erinnern alle vorbeigehenden Bürger an die Familie Samson und die an ihnen verübten Verbrechen. Diese Verbrechen bilden eines der dunkelsten Kapitel in unserer Gemeindegeschichten und es ist unsere Aufgabe diese Erinnerung wach zu halten. Wir müssen dafür sorgen, dass eine Wiederholung ausgeschlossen bleibt und gleichzeitig entschieden für Toleranz, Menschlichkeit und Frieden eintreten. Gerade in der heutigen Zeit ist es Wichtiger denn je“, sagte Birgit Homann.

Wilfried Voß gedachte mit einem Gebet an die Opfer der damaligen Zeit, doch mahnende Worte gab er ebenfalls mit. „Es gab nicht nur Opfer sondern auch Täter, daran sollte man immer denken“, sagte Voss.

Kaya Homann legte stellvertretend Blumen nieder.

Kaya Homann legte stellvertretend Blumen nieder. Foto: iss

Noch bitterer, entwürdigender und unmenschlich gestaltete sich das Schicksal der Herberner Familie ab dem 11. Dezember 1941: Der damals 42-jährige Ernst Samson, seine Frau Emma (39) sowie die Töchter Margret (18) und Gerda (16) wurden zum jüdischen Sammeltransport nach Münster gebracht und zunächst ins 1700 Kilometer entfernte Ghetto in Riga deportiert. Von dort wurde die Herberner Familie in das Konzentrationslager Stutthof in der Danziger Bucht verlegt. Ernst Samson ist von dort nicht zurückgekehrt. Emma Samson starb nach der Befreiung 1945 auf dem Rücktransport in Berlin. Die beiden Töchter kehrten zunächst nach Herbern zurück, fanden dort aber keine Heimat mehr und wanderten bald nach ihrer Ankunft nach Amerika aus.

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