E 10-Preisvorteil ist seit Jahresbeginn an vielen Tankstellen Geschichte
Wundern an der Zapfsäule

Ascheberg -

E 10 – wer an der Zapfsäule diese Benzinart wählt, der hat sich in der Regel vorher einige Gedanken gemacht. Und vielleicht durch einen Preisvorteil für diesem Kraftstoff entschieden. Doch jetzt ist der Vorteil weg.

Mittwoch, 15.01.2020, 19:00 Uhr
An den Zapfsäulen der Tankstellen reiben sich die Autofahrer die Augen, denn für Super E 10 und Super wird weitgehend der gleiche Preis verlangt. Um 13.52 Uhr war das gestern bei der Raiffeisen-Tankstelle noch nicht der Fall. Aral-Preise um 13.57 Uhr. Westfalen-Preise um 14 Uhr.
An den Zapfsäulen der Tankstellen reiben sich die Autofahrer die Augen, denn für Super E 10 und Super wird weitgehend der gleiche Preis verlangt. Um 13.52 Uhr war das gestern bei der Raiffeisen-Tankstelle noch nicht der Fall. Aral-Preise um 13.57 Uhr. Westfalen-Preise um 14 Uhr. Foto: dpa/Silvia Marks

E 10 – wer an der Zapfsäule diese Benzinart wählt, der hat sich in der Regel vorher einige Gedanken gemacht. Wenn das Auto den Kraftstoff verträgt, dann lockte bisher ein Preisvorteil gegenüber Super-Benzin E 5. Obwohl aus anfangs vier schon seit einiger Zeit an vielen Orten zwei Cent geworden sind, rechnete sich das im Laufe eines Jahres. Doch jetzt reiben sich die Menschen die Augen: E 10 und Super werden an vielen Tankstellen zum gleichen Preis angeboten. „Die großen Konzerne haben damit begonnen und wir sind gefolgt“, erklärt Hildegard Werth, Pressesprecherin der Westfalen AG, auf Nachfrage der Westfälischen Nachrichten.

„Die Preise werden in den Ölkonzernen festgelegt. Wie sie errechnet werden, lässt sich von außen nur spekulieren“, erklärt Anne-Sophie Barreau vom ADAC Westfalen. Sie glaubt nicht, dass dies eine Folge des zum 1. Januar geänderten Bundesimmissionsschutzgesetzes ist. Dort wurde die sogenannte Treibhausgasminderungsquote von vier auf sechs Prozent erhöht. Die Prozentzahlen beziehen sich auf den Treibhausgas-Ausstoß im Vergleich zu 2010. Bis Ende 2019 waren die Mineralölkonzerne verpflichtet, durch den Einsatz alternativer Kraftstoffe den 2010er-Wert um vier Prozent zu reduzieren. Seit Jahresbeginn liegt diese Quote bei sechs Prozent. Anders ausgedrückt: Der Gesetzgeber will, dass weniger klimaschädliche Treibhausgas-Emissionen aus den Auspuffrohren der Autos austreten. Deshalb sollen die Mineralölkonzerne mehr Benzin der Sorte E 10 verkaufen. Tatsächlich ist das nun an vielen Tankstellen genauso teuer wie Super-Benzin. Nicht überall, wie Barreau berichtet: „Es gibt Tankstellen, da ist E 10 nach wie vor günstiger.“ Sie weiß aber auch von E 10-Preisen, die über Superbenzin liegen.

Nicht vorstellen kann sich die ADAC-Frau auch, dass mit dem neuen Angebot von E 10 in Dänemark und Ungarn die Nachfrage so stark angestiegen ist, dass im Markt die Preise stärker steigen. Aber: „Die Preisgestaltung ist schwer zu verstehen. Sie liegt im eigenen Ermessen der Konzerne.“

13.52 Uhr: Raiffeisentankstelle

13.52 Uhr: Raiffeisentankstelle Foto: hbm

Hildegard Werth berichtet, dass die Bio-Komponente für die entsprechenden Kraftstoffsorte teurer geworden sei. Das bestätigt Frank Brühning, Sprecher des Verbandes der deutschen Biokraftstoffindustrie. Etwa seit November sei der Einkauf von Ethanol gegenüber fossilem Benzin wieder teurer geworden – „und zwar deutlich“. Warum die Preise für E 10 und E 5 an den Zapfsäulen angeglichen wurden, weiß er nicht und will auch nicht darüber spekulieren.

13.57 Uhr: Aral-Tankstelle

13.57 Uhr: Aral-Tankstelle Foto: hbm

Wie mit dieser Verteuerung der Absatz des „Saftes“ mit höherem Bio-Ethanol-Anteil angekurbelt werden soll? Das hat schon nicht bei der Einführung von E 10 geklappt mit einem um vier Cent gegenüber E 5 günstigeren Literpreis. Zumal der Sprit mit höherem Ethanol-Anteil einen geringeren Energiewert als die E 5-Variante hat und deshalb zu einem geringfügig höheren Verbrauch führen kann.

14 Uhr: Westfalen-Tankstelle

14 Uhr: Westfalen-Tankstelle Foto: hbm

Dass die „höhere Beimischung von teureren Bio-Komponenten“ nicht zu einer Preissenkung geführt hat, überrascht beim Mineralölwirtschaftsverband nicht. Ohnehin, so Alexander von Gersdorff, Sprecher des Verbandes, liege der Anteil des Super E 10 am Benzinabsatz (ohne Diesel) lediglich bei rund 13 Prozent.

Kurios bei einer Runde durch Ascheberg: Die Raiffeisen-Tankstelle bot gestern Mittag E 10 noch günstiger als Superbenzin an. Kurz später zeigte die Aral-Tankstelle einen um fünf Cent teureren Preis an, die Westfalentankstelle im Dorf lag um zwei Cent über dem Raiffeisen-Preis.

Ob an der Raiffeisenstraße aktuell immer noch ein Unterschied ist, darf nach einer Mitteilung des Unternehmens bezweifelt werden. „An den Stationen der Agravis Raiffeisen Tankstellen wurden die Preise für Super und E 10 inzwischen ebenfalls angeglichen“, teilt Roland Greife auf WN-Anfrage mit.

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