Data Design System in Ascheberg
Software-Schmiede fürs Bauen

Ascheberg -

Eine Schmiede mitten im Dorf, allerdings fehlen an der Sandstraße Amboss und Esse. Gearbeitet wird bei Data Design Systems an Programmen für die Baubranche. Mit BIM ist die Software-Schmiede das führende Unternehmen.

Donnerstag, 16.01.2020, 20:00 Uhr
Sebastian Schmidt, Tobias König und Stefan Lehmköster beantworteten im WN-Gespräch die Frage, was hinter den Mauern des Bürokomplexes neben Rohlmanns Hof passiert.
Sebastian Schmidt, Tobias König und Stefan Lehmköster beantworteten im WN-Gespräch die Frage, was hinter den Mauern des Bürokomplexes neben Rohlmanns Hof passiert. Foto: hbm

Der Elektriker bearbeitet eine Rohbauwand in der künftigen Küche, der Lüftungsexperte wirft den Bohrer im späteren Wohnzimmer an. Und plötzlich schauen sich die beiden Handwerker durch ein Loch in der Wand an. Ob es tatsächlich so dramatisch zugeht, wenn aus zweidimensionalen Plänen Häuser erwachsen, spielt hier nicht die Hauptrolle. Dass sich Handwerker beim Häuslebau in die Quere kommen können, ist aber leicht vorstellbar. Heutzutage muss das nicht mehr sein. Im Idealfall entstehen Gebäude am Computer. BIM sei Dank. Und damit ist die WN-Leserfrage beantwortet, was in dem Bürogebäude neben dem früheren Landhaus passiert. Dort, wo draußen das Schild „Data Design System“ auf einen Software-Betrieb hinweist.

Ganz so einfach ist nicht zu verstehen, woran auf drei Etagen des Bürogebäudes gearbeitet wird. Denn BIM hört sich auch als „Building Information Modeling“ fremd an. Selbst mit dem übersetzten „Bauwerksdatenmodellierung“ wird Otto Normalverbraucher im Alltag nicht konfrontiert. Stefan Lehmköster, Öffentlichkeitsarbeit, Tobias Koenig , Unternehmenskommunikation, und Sebastian Schmidt , Bereichsleiter Marketing, beginnen darum mit der Kernkompetenz des Softwareanbieters. Das 1984 in Norwegen gegründete Unternehmen bietet ein Programm, welches das Planen von Sanitär und Heizung, Klima und Lüftung sowie Elektrotechnik beherrscht. Aktuell ist die Version 15 am Markt.

Mit der Software können Rohre und Leitungen virtuell verlegt werden. Sie weiß, wie Leitungen dimensioniert werden müssen. Das Wichtigste: Wenn alle Steckdosen und Schalter im Gebäude verteilt und die Kabel gezogen sind, dann liefert die Software am Ende eine Kalkulations- und Bestellliste. Architekten, Ingenieure und Planungsbüros können mit diesen Daten präzise ausschreiben, Handwerker realitätsnah kalkulieren.

Vor dem Bürohaus: Lehmköster, Schmidt, Koenig.

Vor dem Bürohaus: Lehmköster, Schmidt, Koenig. Foto: hbm

Und jetzt kommt BIM ins Spiel: Aus den Architektenplänen entsteht das Gebäude am Computer. Hier werden aus zwei dann drei Dimensionen, das Haus wird „begehbar“. Mit der DDS-Software lassen sich beispielsweise Heizungen „einbauen“. Der Nutzen der Anwendung hinterlegt auch gleich die Daten für die Heizung - Rohrlängen, Heizkörperzahl, Leistungswerte. Weil eine offene BIM-Version am Start ist, können andere Planer mit ihrer Software weitere Gewerke einbringen. Der Fliesenleger könnte seine Kacheln an die Wand malen und bekommt anschließend eine Bestell- und Arbeitsliste. Und Handwerker kommen sich mit Rohren und Kabeln nicht mehr in die Quere, weil Kollisionen im „Computer-Haus“ erkannt und ausgemerzt werden.

Data Design System und Nemetschek Group

Die Nemetschek Gruppe ist einer der international führenden Software-Anbieter für Architektur, Ingenieur- und Bauwesen. An 82 Standorten werden 2500 Mitarbeiter beschäftigt. In 142 Ländern gibt es etwa fünf Millionen Nutzer. Eine von 16 Tochterfirmen ist Data Design System (DDS). 1984 in Norwegen gegründet, beschäftigt DDS heute 111 Mitarbeiter. In den vergangenen fünf Jahren wurden 35 Personen neu eingestellt. 94 Prozent der Mitarbeiter sind länger als fünf Jahre im Betrieb. „Neuzugänge“ werden fast immer gesucht.Gearbeitet wird in sieben Büros in Norwegen, Deutschland, Österreich und Niederlande. Vertriebsbüros gibt es in Polen, Tschechien, Litauen, Lettland, Slowenien, Spanien, Italien, Australien, Neuseeland und Brasilien. Nur auf die DDS-Software bezogen gibt es weltweit 15 000 Anwender. Erzielt werden über 14 Millionen Euro Umsatz, in den vergangenen fünf Jahren gab es nach Firmenangaben zweistellige Wachstumsraten.

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Im Idealfall wird ein Haus komplett am PC durchgeplant und am Ende steht der Preis fürs Gebäude. „Man kann noch weiter gehen“, erklärt Lehmköster: „Wenn technische Geräte eine Lebenszeit-Erwartung haben, kann der Facility Manager später ablesen, wann die kritische Phase kommt und er aktiv werden muss.“ Koenig ergänzt: „Man kann mit BIM ein Gebäude planen, betreiben und am Ende auch den Abriss organisieren. Das ist ein mächtiges Instrument und wir sind das führende Unternehmen in dem Bereich.“

Wer es nutzen möchte oder es nutzt, benötigt Unterstützung. Deswegen gibt es an der DDS-Akademie Schulungen. Es gibt Grundkurse, es können aber auch individuelle Module gebucht werden. Die Experten von der Sandstraße helfen beim Installieren der Software. Sie stehen jederzeit bei Fragen bereit. „Wir haben kein Call-Center. Wer bei uns Hilfe nachfragt, spricht mit einem praxiserprobten Mitarbeiter, der das Programm bestens kennt. Da sitzen Meister, Techniker und Ingenieure“, sagt Koenig.

Die Software wird in Meisterschulen und anderen Bildungsstätten genutzt. Mit ihr werden Meister, Techniker und Ingenieure ausgebildet. Nicht ganz uneigennützig, denn wer die Software und ihren Nutzen einmal kennt, der neigt dazu, sie später im Alltag einzusetzen. „Mit unseren Programmen ist schon alles geplant worden, von Wohnhäusern zu Wohnanlagen, Kitas, Schulen und auch ein Feuerwehrgerätehaus“, schließt Schmidt kein Objekt aus. Tendenziell, so König, gehe es aber um größere Objekte.

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