Hubert Schwartländer macht nicht nur Musik
Malen ist die beste Therapie

Herbern -

Dem Tod ist Hubert Schwartländer schon öfters von der Schippe gesprungen. Um die Gedanken zu verarbeiten, greift der Herberner so oft es geht zum Pinsel und produziert kleine Kunstwerke auf weißen Leinwänden.

Samstag, 18.01.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 11:12 Uhr
Hubert Schwartländer hat sei Mal-Talent spät wiederentdeckt, damit vielen Menschen Freude gemacht und auch eine schwere Lebensphase mit Hilfe der Malerei überstanden.
Hubert Schwartländer hat sei Mal-Talent spät wiederentdeckt, damit vielen Menschen Freude gemacht und auch eine schwere Lebensphase mit Hilfe der Malerei überstanden. Foto: iss

Für Hubert Schwartländer (72) ist Malen die beste Therapie. Dem Tod ist er schon öfters von der Schippe gesprungen. Um die Gedanken zu verarbeiten, greift der Herberner so oft es geht zum Pinsel und produziert kleine Kunstwerke auf weißen Leinwänden.

„Das ich malen kann, war mir bewusst. Schon als Kind habe ich Bleistiftzeichnungen geliebt“, erzählt der 72-Jährige. Als Hubert und seine Frau Marlies vor über 20 Jahren in ihr neues Haus gezogen sind, waren die Wände kahl. „Wir wollten Bilder kaufen, aber das hätte unser Budget gesprengt. Da habe ich meiner Frau gesagt, dass ich unsere Bilder selbst male.“ Gesagt, getan. Aus alten Verkaufskatalogen von Kaufhäusern suchte sich seine Frau ihre Lieblingsbilder aus. Kunstdrucke von Wassily Kandinsky , Hundertwasser und Macke standen auf der Wunschliste. Hubert Schwartländer setzte Bild für Bild um und verschönerte somit die eigenen vier Wände.

Dann geriet das Malen eine Zeit in Vergessenheit. Als er 1999 Herzprobleme bekam und anschließend zur Reha-Behandlung nach Bad Driburg musste, kam der Schwartländische Künstler wieder durch. Das Talent sprach sich schnell rum. Ärzte und Therapeuten durften, wie seinerzeit seine Ehefrau, Wünsche äußern und Schwartländer malte, was das Zeug hielt. Bis heute hat er bei zehn Reha-Besuchen 100 Bilder gemalt und verschenkt.

Schwer zu ertragen war für Hubert Schwartländer in all den Jahren, dass er beim Herzsport 1999 umkippte und einen Herzstillstand hatte. Nur die Anwesenheit und dem schnellen Handeln von Dr. Lohmann ist es zu verdanken, dass der 72-jährige heute noch lebt. „Ich hatte danach so viel im Kopf und die Angst hat mich nicht losgelassen. Das Malen hat mir geholfen aus dieser Lebensphase herauszukommen. Im Reha Zentrum wurde sogar eine Ausstellung mit meinen Bildern organisiert.“

Ein Blick in das heimische Wohnzimmer beweist, dass seine Werke wirklich etwas ganz Besonderes sind. An den Wänden hängen unzählige Bilder, eines schöner als das andere. Sie erzählen Geschichten, Emotionen und auch sein Leben. Seine Reiseroute von einem Urlaub in Australien hat Hubert Schwartländer auf einer Landkarte eingezeichnet. Die Zwillingstürme von New York ziehen ebenfalls alle Blicke auf sich. „In New York war ich nie, aber das Bild ist mir so gut gelungen und es wurde von mir gemalt als die Türme noch standen. Es ist eines meiner Lieblingsbilder.“ Gemalt wird übrigens nur mit Abtönfarbe. „Das ist das Kostengünstigste und hält am längsten. Auch nach vielen Jahren verblassen die Farben nicht.“ Auf sein Herz muss der Herberner weiterhin gut Acht geben. in diesem Monat bekommt er seinen vierten Defibrillator eingesetzt. Ein kleiner Lebensretter, ohne den er nicht überleben kann. Das Herzblut, was er in seine Bilder steckt ist nach wie vor ungebremst – neue Projekte hat der 72-jährige bereits.

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