Lesung mit Jan-Philipp Sendker im Bonsai-Zentrum
Mit dem Weltenwanderer auf Reisen in Burma

Ascheberg -

Ostasien erleben, mitten im Münsterland: Zum Auftakt der diesjährigen Lesereihe „Wein & Wort“ gab Jan-Philipp Sendker am Montag einen Einblick in die Seele Burmas.

Dienstag, 18.02.2020, 19:45 Uhr aktualisiert: 19.02.2020, 17:22 Uhr
Interessiert lauschten die rund 160 Zuhörer im Bonsai Zentrum Ascheberg den Ausführungen von Jan-Philipp Sendker.
Interessiert lauschten die rund 160 Zuhörer im Bonsai Zentrum Ascheberg den Ausführungen von Jan-Philipp Sendker. Foto: Nicole Klein-Weiland

Ostasien erleben, mitten im Münsterland: Zum Auftakt der diesjährigen Lesereihe „Wein & Wort“ gab Jan-Philipp Sendker am Montag einen Einblick in die Seele Burmas. Der „Erlesene Ort“, an dem der Erfolgsautor auf Einladung von Wein Stork, Bücher Schwalbe und des Volkshochschulkreises Lüdinghausen zu Gast war, trug seinen Teil zur Exotik bei: Laub- und Nadelbäume im Miniaturformat sowie diverse Asiatika bildeten im Bonsai Zentrum Münsterland die passende Kulisse für die Lesung.

Im Gepäck hatte Jan-Philipp Sendker sein neuestes Werk „Das Gedächtnis des Herzens“. Doch wer glaubte, nur daraus vorgelesen zu bekommen, der irrte. „Denken sie nicht, sie könnten nach einem langen Arbeitstag ein Nickerchen machen und vom Pausenapplaus geweckt werden“, schmunzelte der gebürtige Hamburger. Er halte Lesungen für langweilig und werde stattdessen über sich und seine Arbeit erzählen, versprach er den rund 160 Gästen.

Nach seiner Lesung kam der Autor den zahlreichen Signierwünschen nach.

Nach seiner Lesung kam der Autor den zahlreichen Signierwünschen nach. Foto: Nicole Klein-Weiland

Die hat der Autor schnell in seinen Bann gezogen. „Ich lebe meinen Traum“, gesteht er und plaudert unterhaltsam über seinen Werdegang als Journalist, seine Arbeit als Asienkorrespondent und die Auszeit, die er nahm, um das ersehnte Buch zu Papier zu bringen. „Das klingt toll. Aber es ist auch beängstigend. Ich wusste ja gar nicht, ob ich das kann“. Er konnte. Wenn auch zunächst nur mit mäßigem Erfolg. 6000 Exemplare seines ersten Buches „Das Herzenhören“ gingen in den ersten zwei Jahren über den Ladentisch. Sendker erzählt, wie er dennoch an seinem Traum festhielt, das Buch übersetzen ließ und schließlich eine große Leserschaft fand. „Am Erscheinungstags des Buches in Amerika habe ich die drei Exemplare, die es in der Buchhandlung gab, auf den Tisch mit den Bestsellern geschmuggelt“, berichtet er schmunzelnd und bringt mit solchen kleinen Anekdoten und viel Selbstironie das Publikum immer wieder zum Lachen. Heute hat der Autor solche Finten nicht mehr nötig: Seine Bücher haben weltweit eine Millionenauflage, erscheinen in 35 Sprachen, darunter auch Burmesisch. „Es macht mich jeden Tag froh, dass ich mich nicht habe entmutigen lassen und aufgegeben habe“, kommentiert der Schriftsteller.

Erfolgsautor Jan-Phillip Sendker gab am Montag den zahlreichen Zuhörer im Ascheberger Bonsai Zentrum einen Einblick in die Seele Burmas.

Erfolgsautor Jan-Phillip Sendker gab am Montag den zahlreichen Zuhörer im Ascheberger Bonsai Zentrum einen Einblick in die Seele Burmas. Foto: Nicole Klein-Weiland

Alle seine Romane, inzwischen sind es sechs, spielen in Asien, fernab westlicher Gepflogenheiten. „Mich fasziniert das Fremde. Reisen ist für mich Lebenselixier und Exotik meine Inspiration“, verrät er. Und wie kam er auf Burma (heute Myanmar)? „Ich wusste nichts über das Land, aber ich wollte unbedingt dahin“, erzählt er von seiner ersten Reise in 1995. „Außer mir fuhr kein Mensch nach Burma. Es war wie aus der Landkarte gefallen. Ich hatte das Gefühl, auf einer Zeitreise zu sein“. Doch inzwischen trifft auch hier Tradition auf Fortschritt: „Heute ist das Internet in Burma schneller als in Deutschland.“

In seinen Büchern will Sendker vor allem zeigen, was die Kulturen verbindet. Er nennt es das „Universelle“. Es ist Thema in seinem neuesten Buch „Das Gedächtnis des Herzens“, aus dem er kurze Kostproben gibt. Die Geschichte handelt von Bo Bo, einem Kind mit einer besonderen Gabe: Der Junge kann die Gefühle der Menschen in seinen Augen lesen.

Dieses Buch habe ihn mehr Kraft gekostet als seine Vorgänger, gesteht Sendker, denn: „Alle beschriebenen Gefühle gehen ja durch mich durch. Weltenwandern ist anstrengend!“. Doch für das Publikum im Bonsai Zentrum war diese Reise in eine fremde Kultur eine überaus unterhaltsame Angelegenheit. Es bedankte sich bei Jan-Philipp Sendker mit viel Applaus.

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