Heute vor 75 Jahren: Am 22. Februar 1945 sterben Otto Balluff und Alfred Brush Ford
Zwei Mahnmale in Davert-Wäldern

Davensberg -

Die ganze Sinnlosigkeit eines Krieges ist nur wenige hundert Meter voneinander entfernt zu sehen. Zwei Holzkreuze erinnern in der Davert an Flieger, die am 22. Februar 1945 abgestürzt sind.

Samstag, 22.02.2020, 08:33 Uhr aktualisiert: 22.02.2020, 08:40 Uhr
Stark verwittert ist das Kreuz, das an Otto Balluff erinnert.
Stark verwittert ist das Kreuz, das an Otto Balluff erinnert. Foto: Josef Klaverkamp

Fliegeralarm! Die Menschen in der Davert bringen sich in Sicherheit. „Wir hatten im Wald am Telgenpatt einen Bunker“, erinnert sich Anneliese Buntrock. Es ist der 22. Februar 1945 – heute vor 75 Jahren. Die Geräusche, die den verängstigten Menschen im Schutz unter Baumstämmen und Erde zu Ohren kommen, verheißen nichts Gutes. Noch heute dokumentieren zwei Holzkreuze in der Davert die ganze Sinnlosigkeit des Krieges. Otto Balluff , 22 Jahre aus Schwaben, und Alfred Brush Ford aus Amerika verlieren an diesem Tag ihr Leben. Sie stürzen mit ihren Maschinen ab. Wenige Wochen später ist der Krieg mit dem Durchmarsch der Amerikaner in und über der Davert beendet.

Viele Menschen haben sich später mit den Geschehnissen an diesem Tag beschäftigt. Augenzeugen-Berichte und andere Recherchen haben im Laufe der Jahre ergeben, dass eine Bomberstaffel der US Air Force ihren Auftrag, die Bahnstrecke Münster - Dortmund zu zerstören, weitgehend erfüllt und die Tod bringende Last abgeworfen hatte. Auf dem Rückflug geriet sie ins Visier des deutschen Jagdgeschwaders 27. Die Abfangjäger vom Typ Messerschmitt Me-109 lieferten sich ein erbittertes Gefecht mit den überlegenen Gegnern. In dem Inferno starben mehrere G.I.‘s, darunter Lieutenant Alfred Brush Ford, dessen Maschine in der Nähe des Hofes Westerholt an der Amelsbürener Straße abstürzte. Drei deutsche Piloten verlieren ebenfalls ihr Leben, darunter der junge Kaufmann Otto Balluff, der nicht einmal genug Flugstunden hatte, um die Maschine allein fliegen zu dürfen. Vermutlich wurde Balluff bei dem Gefecht tödlich getroffen, denn seine Maschine bohrte sich mit voller Motorenkraft mehrere Meter tief in den Waldboden.

Kreuz in der Davert von Alfred Brush Ford

Kreuz in der Davert von Alfred Brush Ford Foto: Theo Heitbaum

Die Familie Möllers, deren Hof in unmittelbarer Nähe liegt, rührte das Schicksal des jungen Schwaben. Sie grub 1946 die Reste der Maschine aus, fand eine Brieftasche mit dem letzten Brief Otto Balluffs an seine Eltern. Der damals 18-jährige Heinrich Möllers schilderte in einem Brief an die Eltern des Piloten, wie er den Absturz erlebt hatte. Die gefundenen sterblichen Überreste übergab er dem Ascheberger Standesamt. Balluffs Vater Karl Otto holte sie persönlich ab, um seinen Sohn in der Heimat beisetzen zu lassen. Die Familie kam jährlich zur Absturzstelle. Bei den Besuchen erfuhren die Möllers, dass die Familie Balluff nie geglaubt habe, dass der Sohn eines Tages Pilot werden würde. Ihm sei schon beim Karussellfahren auf der Kirmes schlecht geworden.

Otto Balluff abgeschossener Flieger bei Davensberg

Otto Balluff abgeschossener Flieger bei Davensberg Foto: Privat

Das Kreuz im Wald am Rennekamp ist inzwischen stark verwittert und unter Ästen und Zweigen kaum mehr zu finden. Pättkesfahrer und Spaziergänger am Rennekamp haben seit 2002 an einem Findling mit Inschrift die Gelegenheit, inne zu halten und der zahllosen Opfer des Zweiten Weltkrieges zu gedenken.

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