Humorvolles Integrationstheater
Kulturelle Hürden einfach weggelacht

Ascheberg -

So manches zwischenmenschliche Problem in Sachen Liebe sowie Rollenverteilung von Mann und Frau ist durchaus international. Das demonstrierten die Akteure des Integrationstheaters Pallau auf höchst amüsante, selbstironische Art. Kulturelle Hindernisse wurden auf diese Weise einfach weggelacht.

Sonntag, 23.02.2020, 15:26 Uhr
Kultureller Austausch der flüssigen Art: Friederikes Eltern revanchieren sich mit einem Korn als deutschen Brauch.
Kultureller Austausch der flüssigen Art: Friederikes Eltern revanchieren sich mit einem Korn als deutschen Brauch. Foto: Tina Nitsche

Mit dem Besen zieht Uzma ihre Runden durch das Pfarrheim. „Ich muss putzen, ach ich muss auch noch einkaufen…“, offenbart sie die Gedankengänge, die „Frau“ vielfach im Alltag bewegen, inmitten des Publikums. Und dann entschwindet sie, um ein paar Minuten später schwer bepackt mit den Einkäufen die Bühne zu erobern. Gelungener Auftakt zum Pallau-Theaterstück „Wo die Liebe hinfällt“ am Samstag im Pfarrheim.

Auf der Bühne nimmt dann das Geschehen seinen Lauf und die begeisterten Gäste finden sich wo wieder? Mitten im Leben. Frau ist in Bewegung, Mann hingegen hat andere Pläne. Und da spielt bei Uzmas Mann Rachid das Handy die Hauptrolle. Denn wie sonst kommt man am besten an das Lieblingsauto? Auch wenn es gar nicht gebraucht wird. Darüber kann man dann schon mal die Welt vergessen und erst recht die Aufgaben, die man(n) eigentlich erledigen sollte. Das bisschen Haushalt zum Beispiel. Streit ist vorprogrammiert.

Was hilft? „Einatmen Mama, ausatmen“, hat Sohn Ali, da die passende Therapie. Und mit genau der erobert der gelernte Atemtherapeut auch das Herz von Friederike, genannt „Freddy“, im Park. Zwei Nationalitäten kommen sich näher, verlieben sich und wollen zusammenziehen. Doch wie bringt man das am besten den Eltern bei? Vor allem dann, wenn der deutsche Papa gerade mehr mit sich selbst beschäftigt ist? Gar nicht so einfach. Friederikes Vater Karl nimmt die Neuigkeit seiner Tochter zwischen Reimen und dichten jedoch gelassen: „Cool, dann sind wir multikulti“.

„Wo die Liebe hinfällt“

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  • Die Lachmuskeln der vielen Gäste wurden beim Pallau-Theater richtig strapaziert.

    Foto: Tina Nitsche
  • Karl Hentschel (herausragend Werner Bergerbusch) auf Selbstfindungstrip.

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  • Da heißt es ruhig bleiben, wenn man als Tochter etwas zu sagen hat und der Papa so gar mit sich selbst beschäftigt ist.

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  • Friederike schlägt ihrem Ali vor zusammenzuziehen.

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  • Trotzdem, dass sie unterschiedlicher Nationalitäten sind, haben Friederike und Ali viel gemeinsam und verlieben sich ineinander.

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  • Einatmen - ausatmen hilft immer auch bei frisch Verliebten.

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  • Die Gäste waren hellauf begeistert.

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  • Natja himmelt ihren Chef an, der allerdings hat nur seine Selbstverwirklichung im Visier. Kollegin Karin Motzbach (l.) durchschaut das schnell.

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  • Papa Karl Hentschel begeistert als Comedian.

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  • Statt die Aufgaben im Haushalt zu erledigen, ist Papa Raschid fasziniert von den Autoangeboten im world wide web.

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  • Natjas Liebe für den Chef ist erloschen. Kein Wunder, wenn der sich mit ihrer Schneiderschere während der Arbeit die Fußnägel schneidet.

    Foto: Tina Nitsche
  • Auch auf der Arbeit dreht sich alles um das Thema Liebe.

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  • Das Publikum kam aus dem Lachen nicht mehr heraus.

    Foto: Tina Ntische
  • Die Handykameras waren im Dauereinsatz bei dem gelungenen Theaterstück.

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  • Gelebte Integration, das verdeutlichte das mehr als gelungene Stück des Pallau-Theaters.

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  • Papa Karl läuft zur Höchstform auf vor Pubklikum.

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  • Von wegen selbst und ständig, Unternehmer Karl Hentschel in einer ganz neuen Rolle als Comedian.

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  • Gelebte Integration auch auf der Bühne: Wenn unterschiedliche Nationalitäten gemeinsam feiern.

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  • Kopp in Nacken..... so wird in Deutschland Korn getrunken.

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  • Friederikes Eltern revanchieren sich mit einem Korn als deutschen Brauch.

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  • Verzückter Blick....die Schisha-Pfeiffe und ihre Auswirkungen auf Mama Hentschel.

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  • Andere Länder, andere Sitten. Alis Eltern haben die Schischa-Pfeiffe mitgebracht.

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  • Der Freund stellt sich vor.

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  • Das Ehepaar Hentschel deckt den Frühstückstisch.

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  • Gar nicht so einfach, alles richtig zu machen.

    Foto: Tina Nitsche

Mama Margot Hentschel hingegen will nichts falsch machen, als es zum Kennenlerntreffen der beiden Familien aus verschiedenen Kulturkreisen kommen soll. Mit Freundin Karin Motzbach, die gleichzeitig die angestellte Schneiderin im Betrieb ihres Mannes ist, wird die Thematik diskutiert. Ein gemeinsames Frühstück ist die Lösung. Und am Frühstückstisch prallen dann die Kulturen aufeinander. Shisha-Rauchen auf der einen Seite, der Schnaps auf der anderen.

Die vielen Zuschauer kommen aus dem Lachen nicht mehr heraus. „Der Wahnsinn was die hier auf die Bühne bringen“, wischte sich eine Besucherin die Lachtränen weg. Weiter geht es mit dem Vorhaben von Ali und Friederike, deren Spitzname Freddy, im Vorfeld bei Mama Uzma schon fürs Haareraufen sorgte. „Ist mein Sohn schwul, was haben wir nur falsch gemacht?“ Wie gut, dass sich diese Frage schnell klären lässt. Freddy ist eine Frau. Gott sei Dank. Aber zusammenziehen? Für die syrischen Eltern nur dann, wenn vorher geheiratet wird.

Rollenverteilung

In den Rollen glänzten: Uzma Butt als Uzma,Raschid Elsheik als Raschid,Abid Pak als Ali,Werner Bergerbusch als Karl Hentschel,Gabi Sutter als Margot Hentschel,Caja Homann als Friederike,Natja Camus als Natjaund Anna Frank als Karin MotzbachLeitung: Gabi SutterVeranstalter: Flüchtlingshilfe Ascheberg.

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Von dieser Idee sind die Kinder jedoch meilenweit entfernt. Während die Eltern zwischen den alltäglichen Problemen, die im Übrigen nationalitätenunabhängig sind, hin und herschwanken, versinnbildlichen Friederike und Ali die Young Generation. Klimaschutz, vegane Ernährung, Meditieren oder anders „Einatmen, ausatmen“. Das sind ihre Themen. Von ihrem Leben haben sie eine ziemlich genaue Vorstellung, sie wissen was sie wollen. Auch wenn Liebe im Spiel ist.

Dass die sich nicht immer erfüllt, davon kann Raschids Nichte Natja ein Lied singen. Denn sie ist heimlich in ihren Chef Karl Hentschel verliebt. Dessen Intention liegt jedoch bei der Selbstverwirklichung. Das Leben muss ja schließlich noch etwas anderes zu bieten haben, als das tägliche „Selbst-und-ständig“. Eine Karriere als Comedian beispielsweise. In den Worten der Gattin ausgedrückt, dann wohl eher „je oller, je doller“.

Viele kleine Szenen haben sich am Samstagabend bei dem Pallau-Theater unter der Leitung von Gabi Sutter zu einem mehr als gelungen Ganzen zusammengesetzt. Die Akteure brachten in einem facettenreichen Stück den begeisterten Gästen mehr als humorvoll und unterhaltsam das Zusammenleben zwischen Deutschen und Flüchtlingen näher. Und da wurde eben deutlich, dass sich manche Dinge, egal wo auf der Welt, nie ändern. Wie das bisschen Haushalt zum Beispiel oder das Gefühlschaos, wenn es um die Liebe geht.

 

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