Mistcapala gastierte im Bürgerforum
Tägliche Absurditäten geben Takt vor

Ascheberg -

Herren in Schwarz mit schrägem Humor, die auch sehr musikalisch sind: Dieses Zusammentreffen beschert einen unterhaltsamen Abend erfuhren jetzt die KuKADuH-Gäste beim Gastspiel des Musikkabaretts Mistcapala.

Sonntag, 01.03.2020, 18:57 Uhr aktualisiert: 02.03.2020, 16:58 Uhr
Mistcapala stehen als mittelalterliche Spielleute „Ohrenpeyn“ auf der Bühne. Sie machen ihrem Namen alle Ehre (oben). Auch Musizieren im Schutzanzug war zu sehen und zu hören: Der „Thereminator“ beim Spielen einer Sarabande.
Mistcapala stehen als mittelalterliche Spielleute „Ohrenpeyn“ auf der Bühne. Sie machen ihrem Namen alle Ehre (oben). Auch Musizieren im Schutzanzug war zu sehen und zu hören: Der „Thereminator“ beim Spielen einer Sarabande. Foto: nico

Schräger Humor trifft auf Musikalität und vier Herren in Schwarz bescheren einen bunten Abend: Die Kabarettgruppe Mistcapala gastierte am Samstag auf Einladung des Ascheberger Kunst- und Kulturvereins „Kukaduh“ im Bürgerforum und servierte „Wurst statt Käse“.

Das Rezept ist einfach: Man nehme vier Vollblutmusiker, ein Ensemble exotischer Instrumente, eine Portion Sangeskunst und richte den Blick treffsicher auf die täglichen Absurditäten. Fertig ist das Musikkabarett vom Feinsten.

Denn es sind die kleinen Dinge, die Armin Federl , Vitus Fichtl, Tom Hake und Tobias Klug auf der Bühne zu den großen Geschichten machen. Wie die Einreise in die Schweiz. An sich eine unspektakuläre Angelegenheit. Es sei denn, man prüft das „Schweizer Grenzorgan“ auf seine Humorfähigkeit und führt im „Köfferli“ etwas mit, das an eine tote Ziege erinnert. Und sich erst auf den zweiten Blick als unterfränkischer Dudelsack entpuppt. Tom Hake überzeugt dabei als Eidgenosse mit passendem Dialekt und minimalistisch träger Mimik, der genüsslich Einreiseprobleme verursacht. Hake spielt eigentlich Gitarre, bedient aber auch Mandoline, Drehleier, eine Computertastatur oder das Theremin, ein elektronisches Instrument von 1920. Gespielt wird es berührungslos oder wie Mistcapala es formuliert: „Man rudert orientierungslos in der Luft“. Durchgesetzt habe es sich nicht, weil alle Spieler früh verstorben seien. 220 Volt - da braucht es nämlich einen „Thereminator“ im Schutzanzug. Und die Warnung an die Zuschauer in den ersten Reihen: „Wenn Sie ein künstliches Hüftgelenk haben, bleiben Sie bitte sitzen, sonst müssen wir ständig nachstimmen.“ Der „Thereminator“ spielt mit „kleinem Orchester und Popcornmaschine“ eine Sarabande, bis ihm gut sichtbar der Rauch aus allen Poren quillt.

Jim, Jack, John und Jake präsentieren wunderbar synchron die Vorzüge einer Melodica bei den "Informationen für Verbraucher".

Jim, Jack, John und Jake präsentieren wunderbar synchron die Vorzüge einer Melodica bei den "Informationen für Verbraucher". Foto: Nicole Klein-Weiland

Mit der althochdeutschen Mistgabel „Mistcapala“, nach der sich das Quartett aus Landsberg am Lech benannt hat, stochern die vier Herren hingebungsvoll im Irrsinn des Alltags. Geben eine alkoholisierte tschechische Kurkapelle beim Kampf um Restwürde und Publikumsgunst, den meditativ flötenden Kung-Fu-Schüler, der beim kleinsten Anlass alles kurz und klein schlägt („Da hab‘ i Kung Fu gfighted“), das Muttersöhnchen, das mit „Natascha aus Russia“ im Netz die vermeintlich große Liebe klickt. Oder Ronny Rakete, die „Countrylegende aus Ottmarsbocholt“, der beim Pfarrfasching vom Leben als nichtmonogamer Mormone träumt. Werbung machen die Vier auch. Für ein „ausschließlich über Werbe-TV erhältliches Wahnsinnsmusikinstrument“: Melodicas, die Jim, Jack, John und Jake schön synchron samt Anblas-Schlauch und Sonnenbrille vorführen.

Ronny Rakete, die "Countrylegende aus Ottmarsbocholt", träumt vom Leben als nichtmonogamer Mormone.

Ronny Rakete, die "Countrylegende aus Ottmarsbocholt", träumt vom Leben als nichtmonogamer Mormone. Foto: Nicole Klein-Weiland

Ihr Programm „Wurst statt Käse“ ist überzeichnet, gefällt mit ausgefeilten, gänzlich unpolitischen Texten und hervorragend gespielter Musik, multiinstrumental quer durch alle Genres. Manchmal ist die Grenze zum Klamauk aber doch fließend und einige wenige Gags wollen nicht so recht zünden. Doch das Publikum begeistert sich für das quirlige Herrenquartett und dankt mit anhaltendem Applaus. Als Belohnung gibt es eine Zugabe: Mistcapala wunderbar ausstaffiert als „mittelalterliche Spielleut“ mit dem treffenden Namen „Ohrenpeyn“. Zum Abschluss noch einmal ein echter Höhepunkt.

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