Angebot an der Lüdinghauser Straße
Neuer Alltag bei Bier und Bratfisch

Ascheberg -

Sie haben auf beides lange verzichtet und kommen mit Heißhunger: Bratfisch und soziale Kontakte locken die Menschen ins Ascheberger Gewerbegebiet. Fisch Wenning serviert beides mit Abstands- und Hygieneregeln.

Sonntag, 28.06.2020, 16:44 Uhr
Steffi Schulze Wenning und ihr Team haben viel zu tun.
Steffi Schulze Wenning und ihr Team haben viel zu tun. Foto: Theo Heitbaum

Wenn der Fisch nicht zu den Menschen kommt, dann müssen die eben zur Fischpfanne kommen: Steffi und Jan Schulze Wenning haben jetzt für ein langes Wochenende auf dem Betriebsgelände zu Bratfisch und Bier eingeladen. Und sind von der Resonanz überwältigt. Der Appetit auf Meerestiere und besonders der Hunger nach sozialen Kontakten haben für einen großen Ansturm gesorgt. Kurzerhand wurden auf der angrenzenden Wiese weitere Bierzeltgarnituren mit Sonnenschirmen aufgestellt.

Bis auf ein kurzes Karnevalsintermezzo haben die Stände von Fisch Wenning ihrem Namen an der Lüdinghauser Straße auf ungewohnte Weise Ehre gemacht und gestanden. Heimgekehrt von Weihnachtsmärkten hat die Corona-Krise sie auf Eis gelegt. Drei Fisch- und ein Glühweinstand haben nichts zu tun, das Firmenkapital ruht an und in der Halle.

Fisch Wenning

Fisch Wenning Foto: Theo Heitbaum

Normalerweise hätte der Betrieb aus Westfalen in diesen Tagen die Besucher der Kieler Woche mit Fisch versorgt. Doch an Auswärtsspiele ist nicht zu denken. Die Branche wartet und sorgt sich. „Es fällt mir schwer zu glauben, dass es dieses Jahr Weihnachtsmärkte geben wird“, sagt Steffi Schulze Wenning. Aber sie mag nicht zu lange klagen, lässt sich vielmehr auch in schwierigsten Zeiten den Optimismus nicht nehmen. Während der Zwangspause ist an der Lüdinghauser Straße das Pflänzchen, Bratfisch auf dem Betriebsgelände anzubieten, Stück für Stück gewachsen. Am vergangenen Donnerstag ging es los. Die erste Resonanz war Klasse. Durch den Platz am Betrieb sei es möglich gewesen, ein passgenaues Abstands- und Hygienekonzept zu entwerfen. „Man kann bei anderen mit den Augen klauen“, schmunzelt Schulze Wenning. Zu den Grundsätzen gehört, dass die Tische, die auf mehr Abstand als vorgeschrieben gestellt sind, von maximal zehn Leuten besetzt sein dürfen. Wer steht, muss einen Mund- und Nasenschutz tragen. Wer ansteht, muss zum Vordermann Abstand halten. „Das klappt sehr gut. Die Gäste sind sehr diszipliniert“, freut sich Schulze Wenning übers Einhalten der Regeln.

Fisch Wenning

Fisch Wenning Foto: Theo Heitbaum

Sie ist zudem froh dass die Menschen dem Betrieb die Treue halten. Das ermöglicht ihr, bei den Mitarbeitern von Kurz- zu Vollarbeit zurückzukehren: „Sie arbeiten schon lange für uns, waren immer da, wenn ich sie gebraucht habe. Der Vorarbeiter aus Polen ist vor 24 Jahren angefangen. Es ist schön, dass ich jetzt etwas zurückgeben kann“, erklärt die Frau, die genauso wie Sohn Jan mit einer Maske ausgestattet selbst vom Fischwagen aus Menschen bedient.

Hunger auf soziale Kontakte.

Die Besucher lassen an der Lüdinghauser Straße in dunklen Schausteller-Zeiten die Sonne aufgehen. „Es ist toll mal wieder rauszukommen“, ist die Standardantwort der Gäste. Sie haben lange darauf verzichtet, mit Freunden und Bekannten bei einem Cocktail zu entspannen und zu plaudern. „So etwas hat uns total gefehlt“, sagt Martin Hanke. Bernd Heitmann wartet mit Freunden darauf, dass die Schlange vor dem Fischwagen kürzer wird. Schwer fällt das nicht: „Wir haben uns einiges zu erzählen.“ Gekommen sind sie nicht nur aus Ascheberg, Davensberg und Herbern. Man findet Ottmarsbocholter und Amelsbürener, Sendener und Lüdinghauser, Gäste aus Münster und anderen Orten.

Fisch Wenning

Fisch Wenning Foto: Theo Heitbaum

So komplikationslos Steffi Schulze Wenning ihre tonnenschwere Bestellung für das Frühjahr bei ihrem niederländischen Lieferanten storniert hat, so einfach war es, für das Angebot auf dem Gelände Fisch zu bestellen. Das Tor zum Betrieb wird auch an den nächsten beiden Wochenenden von Donnerstag bis Sonntag (2. bis 5. Juli, 9. bis 12. Juli) offen sein. 12 Uhr geht es jeweils los, 22 Uhr ist Schluss.

Anekdote am Rande: Eine Frau, die für einen Einkauf bei Compass nach Ascheberg gekommen war, rieb sich die Augen. Da stand doch gegenüber ihr Lieblings-Fischwagen, den sie bei der Kieler Woche bevorzugt.

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