WN-“Sommerreise“: Philipp Sieger lebt und arbeitet in Shanghai
Krasser Kontrast fasziniert

Ascheberg -

Vom beschaulichen Ascheberg in die Millionenmetropole Shanghai: Was vor sieben Jahren mit einem Austauschsemester begann, ist für Philipp Sieger zu einem völlig neuen Lebensweg geworden. Seit 2016 wohnt und arbeitet der 28-Jährige im Reich der Mitte. Gerade der Kontrast zum Leben in der alten Heimat fasziniert ihn.

Montag, 06.07.2020, 12:05 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 14:08 Uhr
Bunt und asiatisch: Der Ascheberger Philipp Sieger war nach einem Austauschsemester 2013 von China so begeistert, dass er zurück ins Reich der Mitte wollte. Seit 2016 lebt und arbeitet der 28-Jährige in Shanghai.
Bunt und asiatisch: Der Ascheberger Philipp Sieger war nach einem Austauschsemester 2013 von China so begeistert, dass er zurück ins Reich der Mitte wollte. Seit 2016 lebt und arbeitet der 28-Jährige in Shanghai. Foto: privat

Herbst 2013: Philipp Sieger aus Ascheberg absolviert in Chongqing ein Austauschsemester. Nach einem Monat ist für den früheren Realschüler klar, dass er mit dem Bachelor in der Tasche nach China zurückkehren wird. 2016 ist es soweit: In Shanghai wartet eine Arbeitsstelle. Seither lebt und arbeitet Sieger im Reich der Mitte.

Das ist eine tolle Welt, ich mag das Essen. Es ist der totale Kontrast zu Ascheberg.

Philipp Sieger

„Das ist eine tolle Welt, ich mag das Essen. Es ist der totale Kontrast zu Ascheberg“, berichtet der 28-Jährige. Hier die kleine, gemütliche westfälische Kleinstadt, deren Charme Sieger liebt. Dort das bunte und hektische Treiben in einer asiatischen Millionen-Metropole, das den jungen Mann in den Bann gezogen hat. Der erste Unterschied zwischen seinem Studienort und Shanghai ist die Sprache. „Hier wird Mandarin gesprochen“, erzählt Sieger. Die chinesische Sprache sei sehr schwer zu lernen. Für den Alltag reiche das Wissen, insbesondere habe er sich auf wichtige Wörter und Begriffe fürs Ingenieurwesen konzentriert. Grenzen gibt es beim Lesen, eine Zeitung vermag der Ascheberger noch nicht zu entschlüsseln.

Philipp Sieger in Shanghai

Philipp Sieger in Shanghai Foto: privat

Der berufliche Alltag dreht sich um Werkzeuge. „Alles, was man gebrauchen kann“, umreißt Sieger die Produktpalette, die von Einhell China produziert wird. In Shanghai werden die Werkzeuge gestaltet, dort sitzt die Verwaltung. Zwei Mal pro Woche geht es zur Produktionsstätte, die in der Provinz Zhejiang zu finden ist. Dort reiht sich Fabrik an Fabrik. Mit einem Hochgeschwindigkeitszug, der mit 400 Stundenkilometern unterwegs ist, dauert die Fahrt von Shanghai zwei Stunden.

Philipp Sieger in Shanghai

Philipp Sieger in Shanghai Foto: privat

Einhell China ist bereits der zweite Arbeitgeber des Ingenieurs. „An meinem ersten Arbeitsplatz, da habe ich schon einmal bis drei Uhr nachts arbeiten müssen. Am nächsten Morgen ging es trotzdem weiter“, erzählt Sieger. Jetzt hat er in der Regel einen neun Stunden-Tag. Das Arbeitsklima ist gut. Unter 300 Mitarbeitern sind etwa zehn Deutsche, dazu Franzosen, Südamerikaner und andere Nationen. „Es geht hier sehr international zu, ich habe viele Freunde und Bekannte aus aller Welt. Das macht einen Teil des Reizes hier aus.“ Gesprochen wird im Betrieb englisch, wobei der junge Deutsche eine besondere Rolle hat: „Ich übersetze häufig für die chinesischen Kollegen.“

Wenn es in der Woche einen Feiertag gibt, dann arbeiten die Menschen hier am folgenden Sonntag.

Philipp Sieger

Während des WN-Gesprächs genoss Sieger durch das Drachenbootfest ein langes Wochenende. Wobei vier freie Tage nicht der chinesische Standard sind, wie der Ascheberger berichtet: „Wenn es in der Woche einen Feiertag gibt, dann arbeiten die Menschen hier am folgenden Sonntag.“

Sieger wohnt im zwölften Stock eines Wohngebäudes. Wenn er das quirlige Leben der Millionen-Metropole ausblenden will, „muss ich nur das Fenster zumachen.“ Die Corona-Pandemie merkt er besonders dann, wenn Fieber gemessen wird: „Bis zu zwölf Mal am Tag.“ Insgesamt sei Shanghai aber nicht so betroffen wie andere Provinzen. Eine Schutzmaske trügen die Menschen selten, beispielsweise in der U-Bahn. Neuerdings sei von einer zweiten Welle zu hören. Genaues dazu gibt es aber nicht.

Die Internationalität erlebt Sieger nicht nur in der Firma. Geschäfte und Lokale bedienen auch europäische und andere Interessen. Es gibt sogar in Shanghai einen Rewe-Markt oder einen Aldi (fast) um die Ecke, wenn es einmal Sauerkraut sein soll. Und mit dem Xuhaj FC hat er einen Fußballclub gefunden, der die Nachfolge des TuS Ascheberg angetreten hat.

Stichwort Ascheberg, Heimat: Einmal im Jahr kommt Sieger zurück nach Westfalen, besucht Familie und Freunde, die er ansonsten über Skype und Co. über sein Leben auf dem Laufenden hält. Die Stippvisiten hier kombiniert er mit Weihnachten oder der Kirmes. Und abgeschrieben hat er das Dorf in Westfalen und die Heimat nicht: „Ich spare im Moment für ein Haus in Deutschland.“

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