WN-Sommer-Reise: Rita Struhkamp lebt und arbeitet in Rotterdam
Chefin über Forscher-Budgets

Herbern -

Weil sie nach dem Abitur Physiotherapie studieren wollte, führte ihr Weg 1991 ins Nachbarland. „Davon hatten Leute erzählt. Ich bin dann ganz naiv, neugierig und unternehmungslustig nach Utrecht gegangen“, erinnert sich die 48-Jährige an den Start.

Donnerstag, 09.07.2020, 19:45 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 20:00 Uhr
Rita Struhkamp ist seit 1991 in den Niederlanden, hat in Utrecht, Maastricht und Enschede studiert und lebt nun mit Mann Jack und den Töchtern Jil und Mia in Rotterdam.
Rita Struhkamp ist seit 1991 in den Niederlanden, hat in Utrecht, Maastricht und Enschede studiert und lebt nun mit Mann Jack und den Töchtern Jil und Mia in Rotterdam. Foto: privat

Mit dem Bachelor in der Tasche stellte sich die Frage, wie es weitergeht. „In Deutschland wäre es schwer geworden, ein Anschlussstudium zu finden. Ich wollte aber in der Wissenschaft bleiben und habe dann in Maastricht Gesundheitswissenschaft studiert“, erklärt die gebürtige Forsthövelerin ihr Bleiben in den Niederlanden. Konsequenterweise schloss sich die Promotion an der Uni Enschede an. Entscheidungen mussten jeweils schnell gefällt werden, denn es brauchte in den Anfangsjahren eine immer neue Aufenthaltsgenehmigung. Weil sich dann schnell eine passende Stelle fand und sie schon vorher ihren Mann fürs Leben kennengelernt hatte, blieben die Niederlande erste Wahl. Mit der Arbeit im Forschungsmanagement der Uniklinik Rotterdam war zudem bald der Bereich für die neue Heimat eingekreist.

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Inzwischen ist Struhkamp Abteilungsleiterin bei der niederländischen Organisation für Gesundheitsforschung und –entwicklung, für die 350 Menschen arbeiten. Etwa 25 beschäftigen sich damit, welche Forschungen mit wie viel Mitteln ausgestattet werden. „Wir vergeben beispielsweise Gelder für die Krebs- oder ganz aktuell die Corona-Forschung“, berichtet die Chefin der Abteilung, die ganz selbstverständlich Begriffe wie „bei uns“ benutzt. Immerhin ist sie nach 19 Jahren in Westfalen nun schon 29 Jahre in den Niederlanden zu Hause.

Das Verhältnis der beiden Länder hielt die junge Frau mit dem frischen Abi in der Tasche für normal, „der Krieg lag lange hinter uns.“ Aber die Wunden sind heute noch im niederländischen Alltag zu spüren. Weniger an den Unis, denn dort treffen sich viele Nationen.

Ein Eindruck aus Rotterdam: So... - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Tatsächlich wird die frühere Volleyballerin noch heute auf ihre Zeit am Netz beim SV Herbern angesprochen. „Aber ich habe mit dem Beginn des Studiums damit aufgehört, weil die Pflichten in einer Mannschaft zu groß gewesen wären“, berichtet Rita Struhkamp. Dem Sport hat sie hingegen nicht den Rücken gekehrt. Es verwundert wenig, dass sie mit der Familie gerne Fahrrad fährt. Darüber hinaus mag sie das Skaten und das Gleiten auf Schlittschuhen. „Auf Kufen kann man wunderbar über die Grachten fahren, obwohl sie in den letzten Jahren selten zugefroren waren. Ich habe aber auch schon in Schweden eine 80-Kilometer-Tour gemacht“, umreißt sie ihr sportliches Engagement.

Rita Struhkamp und Tochter Jil - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Herbern ist für sie der Ort, wo Vater Theo lebt. In Forsthövel ist der Platz, an dem sich die Familie trifft. „Wir sehen uns tatsächlich eher dort als dass ich Theo in Magdeburg, Josef in Köln oder Gerlinde in Boston besuche“, erzählt die „Niederländerin“ der Familie. Ihr Elternhaus ist auch Ausgangspunkt für Touren: „Mit dem Fahrrad kommt man überall hin. Das Ruhrgebiet ist nicht weit. Das interessiert meinen Mann, der Architekt ist.“ So ist der Geburts- heute eher ein Urlaubsort. Und das Gespräch macht deutlich: Ihr Deutsch ist frei vom niederländischen Akzent.

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