Heinz Wesselmann ist mit 79 Jahren der älteste Ratskandidat
Farbenwechsel für zehn Enkel

Ascheberg/Herbern -

Er war Kandidat für die SPD und auch sachkundiger Bürger im Schul- und Kulturausschuss für die Genossen. Jetzt hat Heinz Wesselmann ohne Groll die Farben gewechselt. Mit 79 Jahren ist er der älteste Bewerber um einen Sitz im Gemeinderat.

Mittwoch, 22.07.2020, 18:00 Uhr
Heinz Wesselmann ist mit 79 Jahren der älteste Kandidat.
Heinz Wesselmann ist mit 79 Jahren der älteste Kandidat.

„Ich möchte meinen zehn Enkeln eine Welt hinterlassen, in der sie vernünftig leben können.“ Heinz Wesselmann strebt diesem Ziel mit erhobenem Zeigefinger, aber ohne Vorwürfe an mögliche Adressaten entgegen. Der Herberner hat dafür das politische Lager gewechselt. Der überzeugte Sozialdemokrat ist zum Ortsverband Bündnis 90/ Die Grünen gegangen. Zweite Besonderheit: Mit 79 Jahren ist der Mann von der Merschstraße der älteste Kandidat für einen Sitz im Gemeinderat.

Wesselmann hat sich schon immer für die Umwelt begeistert, hat früher in einer entsprechenden Gruppe des Heimatvereins Herbern mitgemacht: „Sie wurde vom inzwischen verstorbenen Karl-Heinz Beckmann geleitet. Was er alles wusste, war faszinierend“, sagt Wesselmann, der sich auch in der Kirchengemeinde und insbesondere im Vorfeld der Fusion stark engagiert hat.

In den 1980 und 1990er Jahren hat Wesselmann schon zwei Mal für die SPD kandidiert. „Damals war ich sachkundiger Bürger im Schul- und Kulturausschuss“, erinnert sich der Herberner, der das frühere Engagement des inzwischen ebenfalls verstorbenen Wolfgang Tietze schätzt.

Seinen Abschied in den 1990er Jahren aus der Politik erklärt Wesselmann mit beruflichen Aufgaben: „Ich war Leiter des Berufskollegs in Werne. Das war eine intensive Zeit, in der ich stark eingespannt war. Die Politik musste sich hinten anstellen.“ Pensioniert wurde der Herberner im Juni 2006.

Zuletzt waren es verstärkt Umweltfragen, die Wesselmann beschäftigten. Bei den Genossen fand der Herberner zu wenig Antworten auf seine Fragen. Deswegen entschloss er sich auch, bei den Grünen mitzumachen: „Sie sind vom Ort über Kreis, Land und Bund bis Europa organisiert. Dass müsste sich nutzen lassen, um Fördergelder für grüne Projekte zu generieren.“

Das Hauptaugenmerk richtet der Pensionär auf das Feld der Energie. Er macht sich genauso stark für einen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wie für Möglichkeiten, Energie zu sparen. „Wir sollten ein häuserscharfes Kataster für Photovoltaikanlagen erstellen und gleichzeitig Programme auflegen, mit denen Häuser gedämmt werden können“, nennt Wesselmann Beispiele. Das Ergebnis der eigenen Anlage auf dem Dach überzeugt ihn. Die Sonnenernte wird bald auch für ein Elektroauto genutzt. Grüne Ideen in die Praxis umsetzen, fördern und damit etwas für die Umwelt tun, entspricht eher der Philosophie Wesselmanns denn der anklagende Zeigefinger, der im Zweifel auch beispielsweise drohend auf die Landwirtschaft zeigt: „In dem Bereich muss sich etwas tun, keine Frage.“ Es müsse aber ein Miteinander geben, um voranzukommen. Wesselmann war Lehrer, mag aber nicht Oberlehrer sein.

Der Herberner engagiert sich nicht nur in der Kirche, er schätzt auch die christlichen Grundwerte und hat die Enzyklika „Lumen fidei“ von Papst Franziskus gelesen. „Es ist Wahnsinn, was der Mann alles schreibt. Dort finden sich gute Wege in die Zukunft.“

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