„Enkelin“ war lange glaubwürdig
Beim Geld wird der „Opa“ noch rechtzeitig skeptisch

Ascheberg -

Lange glaubte ein Ascheberger, seine Enkelin am Telefon zu haben. Doch beim Geld wurde der Senior stutzig. Und ist froh darüber.

Donnerstag, 23.07.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 23.07.2020, 20:53 Uhr
Über dunkle Telefontricks berichtet ein Ascheberger.
Über dunkle Telefontricks berichtet ein Ascheberger. Foto: dpa

„Hallo, wie geht es dir?“ Die Stimme am Telefon klang vertrauenserweckend. Als sie fragte, wer denn wohl am Telefon sei, hatte der Senior aus Ascheberg auch gleich den Namen einer Enkelin parat. Sofort wurde er nur noch Opa genannt. „Dann kam die Frage, ob ich allein im Zimmer sei. Ich habe gesagt, ich könne nach draußen gehen“, berichtet der Ascheberger, der namentlich nicht genannt werden möchte, den „Westfälischen Nachrichten“.

Die vermeintliche Enkelin, die um 13.40 Uhr anrief, wurde immer verschwörerischer am Telefon und sie erzählte dem Ascheberger diese Geschichte: Sie sei in Dortmund in eine Unfall verwickelt. Alles sei gut ausgegangen, aber sie sei schuld, weil sie eine rote Ampel überfahren habe. Die Frau am Telefon war froh, dass es ihr gelungen sei, ohne Polizei aus der Sache zu kommen. Denn sie brauche ihren Führerschein, sonst müsse sie ihren Beruf an den Nagel hängen. „Bis dahin habe ich das geglaubt“, berichtet der Senior.

Auch noch, dass man direkt in eine Werkstatt gefahren sei, mit der Versicherung gesprochen habe und ein Rechtsanwalt eingeschaltet worden sei. Alles sei fürs Regeln des Unfalls geklärt. Um den Deal endgültig ins Ziel zu bringen, brauche sie aber übergangsweise Geld, das es nachher zurückgebe. Mit der genannten Summe gingen für den Opa die Warnleuchten an. 45000 Euro wollte die vermeintliche Enkelin haben. „Da habe ich nach ihrem Geburtsdatum und den Vornamen des Vaters gefragt“, erzählt der Ascheberger. Die Frau habe sofort aufgelegt und sich nicht wieder gemeldet. Nach dem ersten Durchatmen erzählte der Senior die Geschichte der WN-Redaktion, um die Menschen zu warnen: „Ich habe es lange für bare Münze genommen.“

Der sogenannte Enkeltrick gehört bei der Anzeigenaufnahme zum wöchentlichen Geschäft der Polizei im Kreis Coesfeld. Eine Häufung, beispielsweise das Abtelefonieren ganzer Straßen, gebe es aktuell in Ascheberg aber nicht, informierte Polizeisprecherin Britta Venker auf WN-Anfrage.

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