Davensberger lernte seine Frau 1992 als Austauschschüler in Lateinamerika kennen
Über Guatemala nach Brasilien

Davensberg -

Das muss Liebe sein: Daniel Bleckmann lernte 1992 während eines Austauschjahres in Guatemala Georgina kennen. Heute sind der Davensberger und die Guatemaltekin verheiratet und leben in Brasilien. Und beim Homeschooling von Tochter Sofia Isabella schaltet sich auch schon mal die Oma aus Westfalen per Skype ein.

Freitag, 24.07.2020, 18:48 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 18:50 Uhr
Georgina, Sofia Isabella und Daniel Bleckmanns in Brasilia
Georgina, Sofia Isabella und Daniel Bleckmanns in Brasilia Foto: privat

Das Fernweh haben die Eltern Daniel Bleckmann in die Wiege gelegt. In Hiltrup geboren, kam er als kleines Kind nach Davensberg. Und war mit den Eltern in ganz Europa unterwegs: „Sie sind begeisterte Camper. Zuerst waren wir im Zelt unterwegs, dann im Wohnwagen“, beschreibt Bleckmann wie es dazu kam, dass es ihn früh in den Welt zog. Seit 2009 ist er in Brasilien zuhause.

„Mit 16 Jahren in der zehnten Klasse spürte ich, dass es Zeit für ein Jahr im Ausland wird. Ich hatte keine Lust, eins der klassischen Ziele anzusteuern. So bin ich 1992 in Guatemala gelandet“, berichtet Bleckmann im Skype-Gespräch mit den „Westfälischen Nachrichten“. Mit Land und Leuten lernte er auch Georgina kennen. Sie wurde mehr als eine Freundin fürs Austauschjahr. Heute sind Daniel und Georgina verheiratet und haben mit Sofia Isabella eine Tochter. Doch bis dahin, bis zum aktuellen Wohnsitz in Vinhedo ist noch einiges zu erzählen.

geschütztes Radfahren in Vinhedo

geschütztes Radfahren in Vinhedo Foto: privat

Ganz anders als heute war es damals schwer, Kontakt zu halten. Informationen mit den Eltern auszutauschen, ging nur per Telefon und Briefen. Gleiches gilt für die Zeit danach: „Ein Telefongespräch mit Georgina kostete 3,22 Mark. Das war für einen Schüler viel Geld. Briefe waren nicht so toll, denn sie kamen immer nach vier bis sechs Wochen an. Dann war der Inhalt oft überholt.“ Die Liebe auf Distanz blieb aber stabil. „Wir gehörten zu den Ersten, die E-Mails genutzt haben, denn wir haben nach der Schule zuerst beide noch studiert“, berichtet Bleckmann. Erst nach seinem beruflichen Einstieg bei der Lufthansa in Frankfurt gingen sie den Lebensweg gemeinsam. Das Fernweh blieb. Bleckmann übernahm für die Lufthansa Aufgaben und Verantwortung in Miami und Los Angeles. 2009 zog die Familie für den nächsten Job beim Unternehmen mit dem Kranich nach Sao Paulo, Brasilien. Nach deutsch, englisch und spanisch war nun portugiesisch gefragt. Der 44-Jährige verantwortete das Frachtgeschäft in Lateinamerika. Als fünf Jahre später bei der Lufthansa ein nächster Wechsel anstand, entschied Bleckmann, sich mit Freunden den Wunsch nach einem eigenen Unternehmen zu erfüllen. Zuerst war die Firma in Finanzdienstleistungen unterwegs, jetzt kauft sie Unternehmen mit Potenzial auf, führt sie auf die nächste Stufe, um sie dann wieder mit Gewinn zu veräußern.

Grillen mit Scooby

Grillen mit Scooby Foto: privat

Weil die inzwischen neunjährige Tochter Sofia Isabella eine deutsche Schule besuchen sollte, zogen die Bleckmann nach Vinhedo. Dort leben Sie in einem großen und grünen Wohngebiet mit 1200 Häusern, welches rund um die Uhr bewacht wird. Nebenan in Valinhos ist die Deutsche Schule. Wer glaubt, eine gute Autostunde nordwestlich von Sao Paulo sei nichts los, dem verrät Bleckmann, dass im Ballungsraum der Region Campinas gut drei Millionen Menschen leben. Und Kontakte zu halten, ist heute leicht, auch weil das Leben auf Distanz den früheren Davensberger alle Neuheiten gleich ausprobieren ließ. So verwundert es nicht, dass sie Tochter ihre deutsche Sprache mit Hilfe von Oma Brigitte Bleckmann in Davensberg via Skype oder WhatsApp verbessert. Besonders zu Corona-Zeiten war das gefragt, denn der Lockdown hat auch in Brasilien Familien gefordert, weil die Schulen geschlossen waren.

Die Oma als Deutschlehrerin

Über den Präsidenten, den Populisten Bolsonaro, schüttelt Bleckmann nur den Kopf. Die Nähe zum Leben in Brasilien lässt ihn aber differenzieren: „Er hat ein gutes Team um sich. Um die Wirtschaft kümmern sich Fachleute.“ Allerdings wurden in den vergangenen Monaten auch schon drei Gesundheitsminister verschlissen. Corona fordert gerade bei der armen Bevölkerung viele Todesopfer. In Vinhedo ist es möglich, mit Maske nach draußen zu gehen, zum See oder Fahrrad zu fahren. „Selbst wenn uns das Corona-Virus privat und geschäftlich einschränkt, ist das ein Klagen auf hohem Niveau – uns geht es gut und wir fühlen uns wohl hier“, sortiert Bleckmann ein.

Normalerweise besucht er ein, zwei Mal im Jahr die alte Heimat. Die Tickets konnten gerade nicht genutzt werden, weil Corona dazwischen kam, aber sie bleiben in Rahmen der Kulanz gültig. Wann es wieder einmal nach Davensberg geht, mag Bleckmann nicht sagen. Eins allerdings hat er bei allen Besuchen erlebt: „Wenn man Bekannte trifft, dann ist das oft so als habe man sich das letzte Mal vor vier Wochen gesehen. Da ist gleiche wieder Nähe da.“

Ganz allein steht Davensberg in den Reiseplänen aber nicht. Schließlich hat auch Georgina in Guatemala Verwandte, die sich über Besuch freuen. Zum Schluss des Gesprächs kommt sie vom Einkauf zurück und Bleckmann zeigt eine Flasche Bier, Marke „Germania“.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7507513?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Nachrichten-Ticker