Davensberger lebt in England und arbeitet fürs Militär
Warten auf Tea-Time mit William

Davensberg -

Die englischen Prinzen werden bei den Militärs als „Mr. Wales“ angesprochen. Ein Davensberger hat William und Harry kennengelernt und wartet immer noch auf eine Einladung zum Tee im Buckingham Palace.

Freitag, 07.08.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 21:02 Uhr
Dr. Matthias Strohn lebt mit Frau Rocio und den Kindern Wilhelm und Jacob in England.
Dr. Matthias Strohn lebt mit Frau Rocio und den Kindern Wilhelm und Jacob in England. Foto: privat

Am Tisch kann es schon einmal babylonisch zugehen: Dr. Matthias, Rocio, Wilhelm und Jacob Strohn leben entsprechend ihrer Herkunft und ihres Wohnortes dreisprachig. Während der gebürtige Davensberger Matthias Strohn mit den Söhnen Wilhelm und Jacob deutsch spricht, unterhalten die Kinder sich mit Mutter Rocio aus Madrid auf Spanisch. Um sie herum in Camberley wird englisch geredet. Auf dem Weg von der Davert in dieses Städtchen südwestlich von England hat Strohn auch zweimal einen „Mr. Wales “ kennengelernt.

Grundschule Davensberg, Friedensschule Münster, Abitur, Bundeswehr – im Geschichtsstudium an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster wird die Militärgeschichte zu einem Schwerpunkt. Den Wunsch nach einem Auslandssemester ermöglicht ein Stipendium in Oxford. Alt und ehrwürdig. Ein krasser Kontrast zum ersten Studienabschnitt. „Münster ist eine Massenuni mit 1000 oder 2000 Leuten in der Vorlesung, in Oxford sitzt man mit 15 bis 20 Menschen zusammen“, berichtet Strohn, der gerade auf Heimaturlaub im Davertdorf ist. Die Tradition der Uni, die ins 13. Jahrhundert zurückreicht, das andere Studentenleben – Oxford fasziniert den Stipendiaten. Trotzdem soll es mit dem Master in der Tasche mit der Promotion in Berlin weitergehen: „Es war alles eingefädelt. Doch dann bekam ich das Angebot in Oxford zu bleiben.“ Strohn griff zu, arbeitete und schrieb von 2002 bis 2007 erfolgreich an seiner Doktorarbeit und lernte an einem Lehrstuhl auch die Arbeit mit Studenten.

Dr. Mattias und Rocio Strohn beim Empfang der Deutschen Botschaft

Dr. Mattias und Rocio Strohn beim Empfang der Deutschen Botschaft Foto: privat

Den ersten beruflichen Abschnitt erlebt Strohn an der britischen Militärakademie, wo er vorwiegend sein Geschichtswissen einbringt: „Es war total interessant, Offiziere auszubilden.“ Dabei ging es nicht nur um Führungsnachwuchs für die britische Armee. Strohn hat Söhne aus arabischen Königshäusern unterrichtet. Zweimal gehörte auch ein „Mr. Wales“ zu den Lernenden. So wurden die englischen Prinzen William und Harry dort gerufen. Mit dem älteren Sohn von Charles und Diana hat der Ausbilder noch eine Rechnung offen: „William saß bei einer Prüfung dort mit dem typischen leeren Blick eines Prüflings, dem das Passende nicht einfallen will. Ich habe ihm angeboten, eine Themenidee für einen Tee im Buckingham Palace zu liefern. Er hat genickt und bestanden. Auf den Tee warte ich noch.“

Dass ein Deutscher britische Militärs ausbildet, ist nie thematisiert worden. Schließlich sind ein Viertel aller Ausbilder Deutsche. Und es gibt einige englische Unter-Offiziere, die in Deutschland stationiert waren und dort ihre Frau kennengelernt haben. Seit 2017 arbeitet Strohn in einem Forschungsinstitut, das Generäle berät. Der gebürtige Davensberger öffnet den Blick für die geschichtlichen Dinge, hat dafür auch Schlachtfelder früherer Kriege besucht und ausgewertet. Dazu arbeitet er als Reader an der Buckingham Universität.

Als Oberstleutnant der Reserve auf Schlachtfelderkundung in Frankreich

Als Oberstleutnant der Reserve auf Schlachtfelderkundung in Frankreich Foto: privat

Trotz der langen Zeit in England ist er übrigens der deutschen Bundeswehr als Reserveoffizier treu geblieben. Inzwischen besitzt Strohn die doppelte Staatsbürgerschaft. Viele Jahre war das für ihn kein Thema, denn die Möglichkeiten eines EU-Bürgers reichten völlig aus. Mit dem Brexit kam der zweite Pass hinzu. Der viel diskutierte britische Weg aus dem vereinten Europa zurück zum Nationalstaat verunsichert den Deutschen: „Es werden – ob mit oder ohne Vertrag – schwere wirtschaftliche Zeiten prognostiziert. Das könnte für uns ein Grund sein, nach Deutschland zurückzukehren.“ Dazu kommt der Blick auf die Gesellschaft, die nach dem 50:50-Referendum tief gespalten ist und nicht aufeinander zugeht: „Die Gräben verfestigen sich.“ Die Corona-Zeit erlebt Familie Strohn in Camberley entspannt: „Da meine Frau und ich fürs Militär arbeiten, gehören wir zu den ‚wichtigen Arbeitern‘, deren Kinder weiter zur Schule gehen durften.“ Im Alltag sei vieles vergleichbar: Maskenpflicht in Bus, Bahn, Geschäften und Museen. Im Unterschied zu Deutschland löse der Engländer seine Probleme aus der Situation, er reagiere spontaner und verpflichte sich nicht so vieler Regeln wie die Deutschen. In der Corona-Krise seien darum manche Entschei-       dungen spät, vielleicht zu spät gefallen, aber das entspreche der Mentalität der Menschen.

Dr. Matthias Strohn im Auslandseinsatz in Afghanistan

Dr. Matthias Strohn im Auslandseinsatz in Afghanistan Foto: privat

Aktuell erhalten die Kinder – ihre Namen Wilhelm und Jacob sind so gewählt, dass sie in drei Sprachen funktionieren – in Davensberg einen Schub für die deutsche Sprache. Geplant war, dass sich in Rocois Heimat eine „spanische Urlaubszeit“ anschließen sollte. Doch dahinter steht ein Fragezeichen: „In England ist gerade für Rückkehrer aus Spanien eine 14-tägige Quarantäne vorgeschrieben worden. Deswegen werden wir wohl auf die Fahrt nach Madrid verzichten“, sagt Strohn.

Er hat übrigens Mr. Harry Wales auf die Tea-Time mit dem Bruder angesprochen: „Der hat nur gelacht.“

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