Anglo-Nubier Ziegen als Landschaftspfleger
Deipe Wiese: Nun wird gemeckert

Davensberg -

Anglo-Nubier Ziegen verdingen sich auf der Deipen Wiese als Landschaftspfleger. Sie sollen das Übermaß an Vegetation eindämmen. Ihr Verbleib auf der Fläche ist aber nur eine Visite auf Zeit. Die erste „Rasenmäher-Bande“, Soay Schafe, wurde schnell ins Exil geschickt und ist mittlerweile verkauft.

Sonntag, 01.11.2020, 17:22 Uhr
Vom Anhänger ins Eldorado: Die Anglo-Nubier-Ziegen werden den Bewuchs der Deipen Wiese deutlich reduzieren.
Vom Anhänger ins Eldorado: Die Anglo-Nubier-Ziegen werden den Bewuchs der Deipen Wiese deutlich reduzieren. Foto: Theo Heitbaum

Keine Frage: Gemeckert haben die Menschen über das Geschehen in der Deipen Wiese zur Genüge. Seit Freitagnachmittag wird auf dem Gelände selbst gemeckert. Nicht, weil den neuen Gästen ihr Aufenthalt missgefällt. Vielmehr, weil es ihrer Natur entspricht. Ziegen meckern nun einmal. Das gilt auch für die 14-köpfige Herde aus Ascheberg, die in den nächsten Wochen für ein Schock-Beweiden in dem neu angelegten Gebiet sorgen wird.

Erste Rasenmäher-Bande landet schnell im Exil

Hermann Grube kümmert sich für den Hegering Ascheberg um die Deipe Wiese. Er hat zum Start des Projekts Soay-Schafe organisiert, die den Bewuchs der Aue kurz halten sollen. Die Dürre-Sommer sorgten aber dafür, dass es für die Tiere nur wenig zu knabbern gab und die Pflanzen sich allenfalls mäßig ausbreiteten. Die erste „Rasenmäher-Bande“ wurde darum schnell ins Exil geschickt und ist mittlerweile verkauft.

Obwohl die Sommer wenig Regen brachten, ist dennoch in den vergangenen Jahren einiges gewachsen. Im Bereich zwischen dem neuen Emmerbach in seinem Schlängelbett und dem Dorf sind zahlreiche Bäume ausgeschlagen. Was sich im Sommer andeutete, wurde bei einem Monitoring-Termin im September beschlossen: Der Bewuchs in dem Bereich muss gestutzt werden. Einerseits stört er den Lebensraum der Helmazurjungfer, die Sonne und Wasser liebt. Andererseits wird das Gelände bei Hochwasser überflutet. „Wir wollen dort sicher nicht, dass ein Wald entsteht“, erklärt Christian Scheipers aus der Tiefbauabteilung der Gemeinde.

Bäume und Sträucher munden den Ziegen

Eine Rückkehr der Schafe kam nicht in Frage. „Wir haben viele Bäume und Sträucher, die schmecken Ziegen, nicht aber den Schafen“, berichtet Grube. Nach dem Termin suchte er also eine Ziegenherde und fand sie bei Monika Putzier in der Osterbauer. Die Anglo-Nubier-Ziegen folgten am Freitag dem Eimer mit Kraftfutter auf die Wiese und machten sich dort schnell über die Blätter von Sträuchern her. „Sie werden auch Rinden abknabbern“, berichtet Grube. Scheipers weiß: „Die Erlen mögen das nicht, sie werden absterben.“ Putzier schmunzelt beim Blick auf die Herde: „Sie haben Spaß hier. So viele Blätter bekommen sie normalerweise nicht zu futtern.“

Schutz finden die Tiere in einer Hütte am Bahnhof. Damit sie auf die andere Emmerbachseite kommen, wurde vom Bauhof ein Übergang auf der nebenliegenden Brücke geschaffen. Die Besitzerin und Grube werden regelmäßig nach den Ziegen schauen. Darüber hinaus treffen sich einmal in der Woche Projektbeteiligte, um das Ergebnis des Beweidens zu beurteilen. Die Ziegen sind nur auf Zeit auf dem Areal. Wie und mit welchen Tieren es im nächsten Jahr weitergehen kann, entscheidet die Natur. Grube bleibt bei dem hin und her entspannt. Jetzt hat er das möglich gemacht, was von den Experten besprochen worden ist.

Und am Ende wird über die laufende Aktion gemeckert – von den Ziegen die ihr Eldorado sicher nur ungern verlassen werden.

 

Die Beteiligten bitten Spaziergänger, die Tiere nicht zu füttern. Sie werden zusätzlich zum gedeckten Tisch in der Deipen Wiese mit Kraftfutter und Heu versorgt.

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