Konfirmanden auf Luthers Spuren
Die Gnadenkirche als Escape-Room

Ascheberg -

Ein Gotteshaus als Escape-Room - nicht nur der frisch klingende Name war neu. Die Entdeckungsreise in der Gnadenkirche brachte fernab bekannter Vorträge neue Einblicke mit sich. Spannend!

Montag, 02.11.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 20:05 Uhr
Das Escape Room war nicht linear aufgebaut, also erschwerte Bedingungen für die Mädchen, um das Rätsel um Luther zu lösen.
Das Escape Room war nicht linear aufgebaut, also erschwerte Bedingungen für die Mädchen, um das Rätsel um Luther zu lösen. Foto: Tina Nitsche

„Wie gut das ich Freunde und Mitstreiter gefunden habe, die mich unterstützen…“ hat Martin Luther einmal gesagt. Und eben um diesen bekannten Reformator drehte es sich am Wochenende in der Ascheberger Gnadenkirche. Als Tara Rück, Kiara Drüge, Malou Zahlten, Tessa Seidler und Natalie Steble am die evangelische Kirche betraten, war nichts so wie sonst.

Da wo die Stühle Raum einnehmen, standen nun ein Bett und eine Tür, an die Luthers Thesen geschlagen waren, und eine große braune Truhe. Denn die Kirche war erstmals in ein Escape-Room verwandelt worden. Und hier begab sich das Quintett nun auf Spurensuche. Spielerisch setzten sie sich auf diese Weise mit dem Theologieprofessor Martin Luther am Reformationstag auseinander. Während die Mädchen im Escape-Room abtauchten, um möglichst viel über die Person Martin Luther und seine Gedanken zu erfahren, erläuterte Pfarrerin Angelika Ludwig das Konzept, das im Übrigen am Wochenende eine Premiere feierte. „Selbstverständlich unter den Corona-Bedingungen und unter höchsten Schutz- und Hygienemaßnahmen“, erklärte Ludwig.

Rätsel rund um die Luther

Die Idee den Konfirmandenunterricht einmal ganz anders zu gestalten, hatte sie bereits 2019. „Als dann unser Gemeindepädagoge Kevin Stuckenschnieder seine Stelle antrat, war klar, dass wir die Idee nun realisieren können“, so die Geistliche. Viele Anschaffungen mussten dazu getätigt werden, was dank der Fördermittel vom Verein „Andere Zeiten“ möglich war. Diese Anschaffungen sind nicht einmalig, sondern werden über viele Jahre nutzbar sein. „Und wenn Corona es dann irgendwann zulässt, können auch andere Kirchengemeinden oder Vereine davon profitieren“, legt Ludwig weitere Zukunftspläne dar.

Sie und Stuckenschnieder haben sich jedoch nicht nur um den Escape-Room an sich gekümmert, sondern auch die Rätsel entwickelt. Während Tara, Kiara, Malou, Tessa und Natalie sich gerade mit einem Puzzle rund um die Luther-Rose abmühen, ertönt plötzlich ein hilfreicher Hinweis: „Moment Mal die Luther Rose hat Farben“. Die Stimme kommt irgendwie aus dem Nichts.

Ein Gotteshaus als Escape-Room

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  • Viele kleine "Puzzelteile" galt es zusammenzutragen, um zu Erfolg zu kommen.

    Foto: Tina Nitsche
  • Auch Luthers Thesen spielten am Wochenende in der Gnadenkirche eine Rolle.

    Foto: Tina Nitsche
  • Alle Rätsel, die die Konfirmanden lösen mussten, drehten sich um Martin Luther.

    Foto: Tina Nitsche
  • Die große Prosfrage: Passt der Schlüssel?

    Foto: Tina Nitsche
  • Geschafft! Die Gruppe war erfolgreich im Escape-Room und befreite Luther.

    Foto: Tina Nitsche
  • Wie löst man am besten ein Rätsel? Im Team waren sich diese fünf Mädchen am Samstag in der Gnadenkirche einig und begaben sich ans Werk.

    Foto: Tina Nitsche
  • Das Escape Room war nicht linear aufgebaut, also erschwerte Bedingungen für die Mädchen, um das Rätsel um Luther zu lösen.

    Foto: Tina Nitsche
  • Die evangelische Kirche hatte sich am Wochenende komplett verwandelt. Da wo sonst Stühle stehen begaben sich Konfirmanden auf Spurensuche, um spielerisch vieles über Martin Luther zu erfahren.

    Foto: Tina Nitsche

Ludwig erklärt, dass auch Eltern mit eingebunden sind. In einem separaten Raum verfolgen sie via Bildschirmtechnik das Geschehen im Escape Room, und unterstützen von dort aus mit Tipps. „Wir lassen die Kids also nicht allein.“ Die fünf Mädchen arbeiten konzentriert. Während Natalie schon einmal in einem Escape Room war, haben die anderen Neuland betreten. „Aber es macht echt Spaß“, sagt Tessa und Natalie ergänzt: „Vor allem weil wir hier im Team versuchen, das Rätsel zu lösen.“

Um welches Rätsel es sich handelt? „Es geht darum Luther zu finden, um ihn auf der Wartburg vor seinen Gegnern zu verstecken“, erklärt Angelika Ludwig. Das funktioniert über viele kleine Rätsel, welche sich um die 95 Thesen, die Luther-Rose, die Freunde Luthers, das Jahr 1517 sowie mit der deutschen Bibelübersetzung verbunden mit dem Buchdruck beschäftigen.

Nutzbar für andere Gemeinden

Jede einzelne Lösung bringt die Mädchen näher zum großen Ziel. Keine leichte Aufgabe. Der Escape Room ist nicht linear aufgebaut. „Die Vorgehensweise bleibt den Gruppen überlassen. Sie alle starten mit wachsversiegelten Hinweisbriefen und müssen dann versuchen, dass sie möglichst eine Reihenfolge für die verschiedenen Lösungen finden“, so die Pfarrerin. Die Mädelsgruppe arbeitet konzentriert und nach rund eine Stunde haben sie den Schlüssel für die braune Kiste aufgespürt und können Luther befreien. „Es hat Spaß gemacht, wir haben viel gelernt und es war spannend, denn man wollte ja unbedingt bei jedem einzelnen Rätsel wissen wie die Lösung ist“, bringt es Natalie auf den Punkt. Konfirmationsunterricht mal ganz anders. „Aber Fakt ist auch, bei spielerischem Lernen bleibt meistes sehr viel mehr hängen“, so Angelika Ludwig, die übrigens auch eine Ausbildung zur Theater- und Spielepädagogin absolviert hat. Den fünf Mädels wird dieser Morgen in Erinnerung bleiben. Sie haben nicht nur viel über Luther gelernt, sondern auch darüber, dass man mit den richtigen Mitstreitern und Freunden auf jeden Fall ans Ziel gelangen kann.

Insgesamt haben 60 Kinder aufgeteilt in Gruppen an drei Tagen den Escape-Room durchlaufen. Das Gelernte wird nun im Konfirmationsunterricht vertieft. Der Aufbau des Escape-Rooms hat zwei Tage gedauert.

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