Bullenmäster starten Hofverkauf
Rindfleisch aus der Region

Ascheberg -

Die „Ochsen vom Westen“ sind Kult. Als Seriensieger beim Tauziehen haben sie das ganze Dorf auf ihre Seite gezogen. Jetzt treten Bullen aus der Westerbauer den direkten Weg in den Ort an.

Dienstag, 03.11.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 03.11.2020, 21:12 Uhr
Für Burgis, Georg, David Siesmann und Kim Kröger ist der Fleischverkauf ab Hof Neuland.
Für Burgis, Georg, David Siesmann und Kim Kröger ist der Fleischverkauf ab Hof Neuland. Foto: Theo Heitbaum

Die „Ochsen vom Westen“ sind Kult. Als Seriensieger beim Tauziehen haben sie das ganze Dorf auf ihre Seite gezogen. Jetzt treten Bullen aus der Westerbauer den direkten Weg in den Ort an. Die Familien Falke und Siesmann bieten im November Schlachtfleisch ihrer Tiere direkt vom Hof an. „Die Menschen schätzen regionale Produkte. Das wollen wir nutzen“, erklärt Michael Falke , der zum zweiten Hofverkauf einlädt.

Die Idee zu dieser Aktion ist unterschiedlich entstanden. „Bei uns ist Corona schuld. Die Kinder haben in der Zeit angefangen, Eier an der Straße zu verkaufen. Das klappte gut und so haben wir überlegt, ob das mit Bullenfleisch auch gehen könnte“, erklärt Falke. Burgis Siesmann verweist auf die Gäste des Ferienhofes, die „immer mal wieder gefragt haben, ob man das Fleisch unserer Bullen auch kaufen kann.“ Viele Jahre war das nicht möglich, jetzt wagt die nächste Hofgeneration den Schritt. David Siesmann und Kim Kröger organisieren den ersten Hofverkauf.

Alexandra und Michael Falke starten den zweiten Fleischverkauf ab Hof.

Alexandra und Michael Falke starten den zweiten Fleischverkauf ab Hof. Foto: Theo Heitbaum

Für den ersten Schritt kommt eine weitere Ascheberger Familie ins Spiel: Die Bonkhoffs. Denn der örtliche Metzger wird die Bullen schlachten und die Kühlkette des vakuumverpackten Fleisches bis zum Verkauf garantieren. Auf dem Hof Falke hat das im Sommer unter den Augen der kreislichen Lebensmittelkontrolleure bei der Premiere schon einmal gut geklappt.

Auf beiden Höfen ist es kein Fleckvieh von Spaltenböden, das für den Hofverkauf zum Schlachter geht. Es sind jeweils Tiere aus Ställen mit Strohunterlage. Und es sind Rassen, die gutes Fleisch liefern. „Wir nehmen zwei Limousin-Bullen“, erklärt etwa David Siesmann, der den Verkauf auch als Baustein der Öffentlichkeitsarbeit sieht.

Befeuert werden die Hofverkäufe durch die Marktlage. „Sie ist katastrophal. Normalerweise ist jetzt die Zeit für gute Preise, denn in den Restaurants steht Rindfleisch verstärkt auf den Karten und wird zum Beispiel bei Weihnachtsessen mehr nachgefragt. Da macht uns Corona einen dicken Strich durch die Rechnung“, erklärt Michael Falke. Hoffnung, dass der anhaltend schlechte Preis nach oben geht, hat er nicht: „Im Moment gibt es 3,70 Euro pro Kilo.“ Der Experte rechnet vor, dass ein Jungbulle 1000 Euro kostet, für Kraftfutter und Silo seien jeweils 300 Euro zu addieren: „Obendrauf kommen die Kosten für den Stall, zum Beispiel Strom und Wasser.“

Die beiden Tiere für den Metzger sind schon ausgewählt worden.

Die beiden Tiere für den Metzger sind schon ausgewählt worden. Foto: Theo Heitbaum

Bis zur Schlachtreife braucht ein Bulle, so Siesmann, 19 bis 20 Monate. In der Zeit futtert er sich auf rund 470 Kilo hoch. Mathematisch machen die Bullenhalter also aktuell ein Minus mit ihren Tieren.

Die regionale Vermarktung wird die Probleme nicht lösen, denn auf beiden Höfen werden jeweils zwei Bullen für den Hofverkauf geschlachtet. Während bei Falke 220 Tiere gemästet werden, sind bei Siesmann 100 Bullen und 20 Kälber in den Ställen. Bei der Premiere haben die Falkes das Fleisch gut verkaufen können. Auch die Knochen, etwa ein Drittel des Gesamtgewichts, blieben nicht liegen. „Sie lassen sich für Suppe auskochen“, erklärt Alexandra Falke. Während der Schlachter im Sommer den Auftrag erhielt, viele Steaks und Grillfleisch zu liefern, soll es dieses Mal mehr Braten und Rouladen geben.

Etwas gespannter ist man auf dem Hof Siesmann, wo am 7. November (Samstag) von 11 bis 17 Uhr die Premiere läuft. „Wir hoffen schon darauf, dass alles Fleisch verkauft wird. Es macht ja keinen Sinn, die eigene Kühltruhe zu überfüllen“, erklärt Burgis Siesmann. Vor dem Verkauf am 28. November von 11 bis 16 Uhr bei Falke haben „Wiederholungstäter“ schon vorbestellt. Das geht auf beiden Höfen und es sind neben Einzelstücken auch Fleischpakete zu ordern.

Rindfleisch aus der Region steht über der Aktion. Der Käufer weiß, woher das Fleisch auf seinem Teller kommt. Die Tiere haben einen kurzen Weg zur Schlachterei, müssen nicht durch die halbe Republik gefahren werden. „Noch schöner wäre, wenn sie mit dem Schlachtmobil direkt auf dem Hof geschlachtet werden könnten“, erklärt Michael Falke.

Siesmanns und Falkes können sich Neuauflagen vorstellen. Eins allerdings werden sie nicht aus den Augen verlieren: Die Wirtschaftlichkeit.

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