Schulsozialarbeit in Corona-Zeiten
Impulsgeber mit offenen Ohren

Ascheberg -

Unterricht mit Maske, kein Vereinsfußball am Nachmittag, dazu der dunkle November – es gibt schönere Zeiten für Schüler als diese Wochen im Lockdown-Light mit immer neuen Rekordzahlen bei den Corona-Neuinfektionen. Und was bedeutet das für die Schulsozialarbeit?

Donnerstag, 19.11.2020, 19:30 Uhr
Die Sozialarbeiter an der Profilschule Ascheberg vor der Corona-Zeit (v.l.): Michael von Heesen, Miriam Bass, Teresa König und Felix Lindau. Aktuell ist auch für sie das Tragen einer Maske Alltag.
Die Sozialarbeiter an der Profilschule Ascheberg vor der Corona-Zeit (v.l.): Michael von Heesen, Miriam Bass, Teresa König und Felix Lindau. Aktuell ist auch für sie das Tragen einer Maske Alltag. Foto: privat

Unterricht mit Maske, kein Vereinsfußball am Nachmittag, dazu der dunkle November – es gibt schönere Zeiten für Schüler als diese Wochen im Lockdown-Light mit immer neuen Rekordzahlen bei den Corona-Neuinfektionen. Natürlich wünschen sich alle mehr Freiheiten, mehr Konzerte, mehr Spaß. Felix Lindau beobachtet an der Profilschule Ascheberg aber auch, dass die Kinder und Jugendlichen sehr gelassen mit der Situation umgehen. Das vierköpfige Team der Sozialarbeiter an der Schule hat im ersten Lockdown vor allen Dingen geholfen, digitales Lernen zu ermöglichen. Seit den Sommerferien werden veränderte Angebote ins Leben gerufen. „Wir können noch konzeptionell arbeiten, weil wir mit vier Stellen gut besetzt sind. Ich glaube, das ist ein Alleinstellungsmerkmal in Nordrhein-Westfalen“, sagt Lindau. So sind die Schulsozialarbeiter mehr als einsame Brandlöscher, es gelingt ihnen weiter, vorbeugende Angebote zu machen.

In der Corona-Zeit ist eine Lerninsel neu geschaffen worden. Das ist ein technisch ausgestatteter Arbeitsplatz, dessen Drucker besonders gefragt ist. „Der Förderverein hat uns hier unterstützt“, dankt Lindau. Auf die Lerninsel kommt, wer beispielsweise Ruhe beim Lernen benötigt, daheim Dinge nicht organisiert bekommt oder sonst ein, zwei Stunden benötigt, um weiterzukommen. Die Initiative muss von den Insel-Gästen kommen, der Gang dorthin wird nicht vorgeschrieben, ist keine Strafe, sondern eben die Möglichkeit in einer anderen Umgebung wichtiges zu erledigen.

„Wir werden mit der Jugendhilfe Werne eine Praktikantenstelle ausschreiben“, informiert Lindau über ein zweites Projekt. Das wird eine Stelle für Absolventen von Hoch- oder Fachhochschule, die beispielsweise ein Praxissemester absolvieren müssen. Der Besuch an der Profilschule ist für die Studierenden also in der Studien- oder Ausbildungsordnung vorgeschrieben.

In Zeiten von Kontaktsperren und Reisewarnungen möchte das Team der Sozialarbeit den Kindern und Jugendlichen trotzdem Ausflüge in fremde Welten ermöglichen. Deswegen wurden zwei Partnerschulen für einen digitalen Austausch gesucht. Die erste Schule liegt in den Niederlanden, so dass sich nach Corona auch reale Kontakte oder Besuche ergeben könnten. Das wird bei der zweiten Schule im indischen Dehli schwieriger. Dafür bringt sie mehr Fremdes ein, eine andere Kultur, ein anderes Leben. Die gute digitale Ausstattung und das Einbinden digitalen Arbeitens in den Alltag der Profilschule machen solche Partnerschaften möglich.

Weggefallen sind durch Corona Fahrten und Ausflüge, bei denen sich niederschwellige Kontakte von Schülern und Sozialarbeitern ergeben. Dafür wurden die Teamtage ausgeweitet. Was einmal zum Bilden von Klassengemeinschaften nur zu Beginn der Profilschulzeit gedacht war, wird jetzt zwei Mal im Jahr in den Klassen fünf bis neun angeboten plus optionale Einheiten in Stufe 10. In den Klassen darf auch jetzt unter bestimmten Bedingungen körperlich gearbeitet werden. Spielerische und körperliche Angebote sind aber auch draußen möglich. Das ist im Corona-Regelwerk einfacher und kommt gerade jetzt bei den Schülern besser an. „Sie sind schon hibbeliger als sonst“, räumt Lindau ein.

Festgehalten wird – soweit die aktuellen Corona-Regeln es erlauben – an Angeboten wie „Freiraum“ und „Leuchtturm“, wo sich Sozialarbeiter und Schüler vertraulich begegnen. „Es gibt keine Noten und das Gesprochene bleibt unter uns, wenn die Schüler nicht möchten, dass wir mit Eltern oder Lehrern reden“, erklärt Lindau.

Alle Angebote sind bereits so sortiert, dass sich ein roter Faden von der fünften bis zur zehnten Klasse ergibt. Dort werden dann die altersgerechten Angebote beispielsweise zu Mobbing, Pubertät, Drogen oder Berufswahl mit speziellen Einheiten ergänzt. In die Hand nimmt das Quartett an der Profilschule den roten Faden schon in der vierten Klasse. Denn auch an den Grundschulen der Gemeinde ist die Schulsozialarbeit kein Fremdwort. „Wir tauschen uns beim Vorbereiten auf ein Schuljahr natürlich aus und erfahren so, ob es Schulwechsler mit Sorgen, mit Schulangst oder anderen Dingen gibt. Da laufen wir nicht ins offene Messer.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7685826?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Nachrichten-Ticker