Vor zehn Jahren wurde die Profilschule genehmigt
Als Ascheberg Schulpolitik machte

Ascheberg -

So lange ist das schon her? Tatsächlich: Die immer noch als neu angesehene Profilschule war vor zehn Jahren ein Medienereignis. Im November 2010 wurde sie genehmigt.

Freitag, 27.11.2020, 19:32 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 16:48 Uhr
NRW-Schulpolitik mit Ascheberger Gesichtern im Schulministerium (v.l.) Hans-Werner Schlottbohm, Maria Schulte-Loh, Sylvia Löhrmann, Peter Leyers, Dr. Bert Risthaus, Alexander Ruhe und Harald Kastner standen im Fokus der Medien. Löhrmann kam auch zum Tag der Offenen Tür und dem ersten Schultag mit Festrednerin Dr. Rita Süßmuth.
NRW-Schulpolitik mit Ascheberger Gesichtern im Schulministerium (v.l.) Hans-Werner Schlottbohm, Maria Schulte-Loh, Sylvia Löhrmann, Peter Leyers, Dr. Bert Risthaus, Alexander Ruhe und Harald Kastner standen im Fokus der Medien. Löhrmann kam auch zum Tag der Offenen Tür und dem ersten Schultag mit Festrednerin Dr. Rita Süßmuth. Foto: hbm

Wo waren Sie im November vor zehn Jahren? Ein politisches Quartett aus Ascheberg muss für eine Antwort nicht lange grübeln. Maria Schulte-Loh ( CDU ), Hans-Werner Schlottbohm (UWG), Harald Kastner (SPD) und Peter Leyers (FDP) begleiteten Bürgermeister Dr. Bert Risthaus zu einem Termin nach Düsseldorf. Im Schulministerium erhielt die Gemeinde Ascheberg von Sylvia Löhrmann die Genehmigung für das Gründen der Profischule Ascheberg. So sehr im Blitzlicht der Medien stand das Quartett weder vorher noch nachher. Es war ein historischer Moment in der NRW-Schulpolitik.

Die Pläne für die neue Schule hatte die Gemeinde Ascheberg schon früher schmieden müssen, weil immer mehr Kinder auf dem Weg zum Abitur schon nach Klasse vier den Weg zu Gymnasien und Gesamtschulen vor den Ascheberger Toren wählten. Das pädagogische Konzept lag in der Schublade als nach den Landtagswahlen in Düsseldorf ein Regierungswechsel zu Rot-Grün erfolgte. „Ohne den Wechsel hätte das nicht so schnell geklappt“, blickt Schlottbohm zurück. Maria Schulte-Loh erinnert sich an die umfangreiche Vorarbeit: „Eine Verbundschule, die es damals gab, wollten wir nicht. Wir brauchten ein gymnasiales Angebot vor Ort. Dafür haben wir uns viele, viele Schulen angeschaut, die in das Konzept eingeflossen sind.“

Der zweite Faktor, der für Ascheberg sprach: Vor Ort waren sich die Politiker über Partei- und Ideologiegrenzen einig, dass es eine neue Schulform brauche, um eine Schule vor Ort zu erhalten. „Wir haben uns damals an einen Tisch gesetzt und vereinbart, den Weg gemeinsam zu gehen“, blickt Schulte-Loh zurück. Mit der Orts-CDU rückte sie von der Linie im Land ab. Das galt auch für die Liberalen, wie Peter Leyers bemerkt: „Wir haben uns die neue Schule lange angeschaut. Das war kein Kind der Liberalen, aber es ging in erster Linie um den Erhalt einer Schule in Ascheberg.“

Profilschule Ascheberg: Tag der offenen Tür 2011

Profilschule Ascheberg: Tag der offenen Tür 2011 Foto: Theo Heitbaum

Am 17. November 2010 wurde die Profilschule genehmigt, am 22. Januar 2011 gab es den ersten Tag der Offenen Tür, am 7. September 2011 begrüßte Schulleiterin Sylke Reimann-Perez die ersten Schüler. Immer dabei: Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne), die sich in der Folge der Genehmigungen für diese neue Schulform mit den anderen Parteien im Landtag auf ruhigere Zeiten verständigte. Der Schulfrieden in NRW fand vor zehn Jahren in Ascheberg seinen Anfang.

1. Tag der Profilschule Ascheberg

1. Tag der Profilschule Ascheberg Foto: Theo Heitbaum

2016 kam Unruhe auf. Ein Schulentwicklungsplaner prognostiziert zu geringe Schülerzahlen für die neue Profilschule. Ein Auslaufen wurde beschlossen, eine Kooperation mit der Gesamtschule Nordkirchen vereinbart. „Das fand ich irritierend, da hat man viel zu schnell aufgegeben“, ist Schlottbohm überzeugt. Aber die Eltern folgten dem Weg der Politik nicht. Zuerst erteilten sie einem Standort Ascheberg der Gesamtschule Nordkirchen eine Absage, dann gaben sie der Profilschule mit ausreichender Anmeldezahl eine zweite Chance. „Das waren schwere Zeiten, aber dort ist ein Zusammenhalt besonders in der Elternschaft entstanden, der der Profilschule einen Schub gegeben hat“, glaubt Schulte-Loh, die sich auch über die „falsche Einschätzung des Schulentwicklungsplaners, die er selbst zugegeben hat“, ärgert. Die durchgerüttelte Schule berappelte sich mit einer neuen Leitung. Heute sehen die Düsseldorf-Fahrer aus dem Jahr 2010 die Profilschule auf einem guten Weg. Dass dies kein Lippenbekenntnis ist, beweisen die Pläne für den Profilschul-Campus. Die Gemeinde nimmt einige Millionen in die Hand, um die Profilschule in Ascheberg an einem Standort zu konzen­trieren.

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