Egon Zimmermann hat in Archiven nach Schnee gesucht
Im härtesten Winter ist auf die Kutsche Verlass

Herbern -

Egon Zimmermann vom Heimatverein Herbern hat alte Berichte in Archiven und Büchern nach besonderen Naturereignissen in Herbern und Umgebung durchforstet.

Sonntag, 03.01.2021, 16:00 Uhr
Das gängigste Verkehrsmittel im härtesten Winter des 19. Jahrhundert: Gerda und Irmgard Peters sind 1962/1963 mit „Tanti Leni“ Schulze Nordick und Pferd Edda unterwegs.
Das gängigste Verkehrsmittel im härtesten Winter des 19. Jahrhundert: Gerda und Irmgard Peters sind 1962/1963 mit „Tanti Leni“ Schulze Nordick und Pferd Edda unterwegs. Foto: Peters/HV Herbern

Egon Zimmermann vom Heimatverein Herbern hat alte Berichte in Archiven und Büchern nach besonderen Naturereignissen in Herbern und Umgebung durchforstet. Seine Aufzeichnungen beginnen 1433. Da schreibt Hermann Fley Stangefol unter anderem in seinem vierbändigen Werk Annales Circuli Westphalici, dass „40 Tage Schnee fiel im Anfange des Jahres, so daß die wilden Thiere (wie Bären und Wölfe) aus Hunger in die Dörfer kamen.“ Auch während des 30-jährigen Krieges 1646 war ein strenger Winter. So notierte Julius Schwieters: Die Lippe derart zugefroren, daß, wie das Werne´sche Bürgerbuch berichtet, Junker Hugenpoth zu Stockum am 29. Januar ein „Lipp-Holt“ mit 50 Pferden über das Eis fahren konnte.

In den folgenden 300 Jahren gab es immer wieder harte Winter, wie Zimmermann aus den Annalen notierte. Vielleicht erinnern sich noch einige an den Winter 1962/63. In Deutschland war er der strengste Winter des 20. Jahrhunderts. Von Dezember bis in den März hinein herrschte nahezu durchgehend Dauerfrost mit teils extremen Minusgraden. Nach und nach froren alle Flüsse, Kanäle und Seen zu. Sogar der Bodensee war zugefroren. Rund um Herbern waren die Straßen durch Schneeverwehungen für Autos oft unpassierbar. In den Bauerschaften waren Pferdeschlitten das gängige Verkehrsmittel. Gerda Peters vom Heimatverein fand in ihrem Familienalbum sogar ein Foto aus diesem Winter. Mit ihrer Schwester Irmgard und „Tante Leni“ Schulze Nordick sitzt sie auf einem selbstgebauten Pferdeschlitten, der von dem Arbeitspferd „Edda“ gezogen wurde.

Rektor Farwick organisierte für die Schüler der Nordicker Schule mit vier Pferdeschlitten eine Schlittenfahrt nach Barsen, Kurricker Berge und Ameke.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7748995?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Nachrichten-Ticker