Entlassschüler der Profilschule genießen Rückkehr in den Klassenraum
Gemeinsamer Wechsel-Unterricht

Ascheberg -

Wechselunterricht - das Wort hat fast jeder Tagesschau-Sehr schon gehört. Aber wie geht das überhaupt. Wer wechselt wann? Und außerhalb der Schule sind Ferien?

Dienstag, 02.03.2021, 20:00 Uhr
Elf Jugendliche sitzen mit Lehrerin Susanne Koch im Klassenraum, die anderen Mitschüler nehmen per Videokonferenz am Unterricht teil.
Elf Jugendliche sitzen mit Lehrerin Susanne Koch im Klassenraum, die anderen Mitschüler nehmen per Videokonferenz am Unterricht teil. Foto: Theo Heitbaum

Luca Thier und Tim Wismann brüten über einer Chemie-Aufgabe. Frisch Erlerntes in Partner- oder Gruppenarbeit zu vertiefen, ist Alltag in der Profilschule Ascheberg. Das Besondere: Luca Thier sitzt im Klassenraum der 10b in Herbern, Tim Wismann ist zu Hause. Vor einer Woche waren die Rollen vertauscht: Tim saß im Obergeschoss des Schulgebäudes, Luca daheim. Wechselunterricht nennt sich die aktuelle Phase in den Schulen. „Bei uns kommen 50 Prozent der Schüler in die Klassen, die andere Hälfte ist zu Hause. Sie werden aber gemeinsam unterrichtet“, berichtet Schulleiter Jens Dunkel.

Elf Jugendliche sitzen in dem Klassenraum und nicken zustimmend auf die Frage, ob sie froh sind, wieder in Herbern zu sein. „Die Klassenraum-Luft zu schnuppern, die Leute zu sehen. Das ist schön“, berichtet Luca. „Stimmt“, sagt Finn Künne aus dem heimischen Zimmer, denn alle Jugendlichen, die gerade nicht in der Schule sind, werden über eine Videokonferenz zugeschaltet. Sie sind auf einem großen Bildschirm und den iPads zu sehen. So ist weiter gemeinsamer Unterricht mit Klassenlehrerin Susanne Koch möglich. „Anders ginge es gar nicht. Wenn wir die Zehner in zwei Gruppen in der Schule hätten, würden uns die Lehrer fehlen“, erklärt Dunkel.

iPad in der Profilschule

iPad in der Profilschule Foto: Theo Heitbaum

Zurück am üblichen Lernort zu sein, ist nicht nur schön, weil die Jugendlichen sich näher sind. Marcel Klohn gibt zu, dass die Atmosphäre nicht so ablenkt, wie das Drumherum daheim. In der Klasse sieht man tatsächlich alle Jugendlichen, bei den Videokonferenzen gibt es die eine oder andere schwarze Box, denn die Kamera darf ausgeschaltet werden.

Der Umgang mit den iPads und den Programmen ist für die Schüler kein Problem. „Damit kommen alle klar“, sagt Tom Heitmann für eine Generation, die mit technischen Geräten groß geworden ist. „Manchmal haben auch die Schüler eine Lösung, wenn es klemmt“, berichtet die Klassenlehrerin. Zu Beginn, so Heitmann, habe es bei Videokonferenzen per Microsoft Teams manchmal Probleme gegeben: „Das hat die Schule aber jetzt gut eingerichtet. Es läuft.“ Klassenlehrerin Koch sieht es genauso und fügt hinzu: „Ich habe noch nie so viel mit einzelnen Schülern gesprochen, mal über Videokonferenzen, dann Anrufe. Es gibt viel mehr Rückmeldungen von den Jugendlichen.“

Technisch finden die Schüler auch schon einmal selbst Lösungen. „Wir haben eine Präsentation vorbereitet mit zwei Leuten in der Schule und zwei zu Hause. Daheim ist sie am Fernsehen gelaufen. Hat alles geklappt“, klingt Antonia Zielinski ein bisschen stolz.

Mit dem Vorwissen des ersten Lockdowns sieht Finn Künne sich und die Mitschüler auch besser ein- und aufgestellt als vor einem Jahr: „Es ist alles besser organisiert. Anders geht es bei der momentanen Lage nicht.“

Die Schulglocke läutet während des Gesprächs einige Male. Der Stundenplan orientiert sich nicht mehr daran. Es geht morgens um 7.50 Uhr los. Nach drei Unterrichtsstunden folgen eine 25-minütige Pause und noch einmal drei Stunden. Um 13.10 Uhr endet der Unterricht. Montags, mittwochs und donnerstags steht heimischer Segelunterricht an.

In wenigen Wochen stehen die Prüfungen an. „Das macht mir Sorgen“, sagt eine Schülerin: „Vor Corona waren meine Noten besser.“ Die besondere Lage, erklärt Schulleiter Dunkel, verstärke natürlich die üblichen Prüfungssorgen.

In vier Räumen sitzen Zehnerklassen. Einige Neuner, die im Sommer die Schule verlassen, nutzen ein weiteres Zimmer. Verloren hockt Lehrer Max Parwanow in einem Neuner-Klassenraum. Einsam ist er aber nicht, denn die Neuner sind im Distanzunterricht per Video zugeschaltet. Für Englisch hat er mit Kollegen eine mündliche Online-Prüfung vorbereitet. Die Schüler werden zu zweit in den virtuellen Prüfungsraum kommen, über ihren „Dream Job“ sprechen und ein Bewerbungsgespräch auf Englisch führen. „Ich bin gespannt, wie es klappt“, sagt Parwanow.

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