Vorsichtsmaßnahmen beim RV Ascheberg und auf Reiterhof
Neuer Pferdeherpes bereitet Sorgen

Ascheberg -

Pferdeherpes - langjährige Reiter hat das viele Jahre kaum beunruhigt. Seit einem Turnier in Spanien gibt es aber Berichte über einen neuen aggressiven Stamm des Virus. Mit Folgen für das Pferdegeschehen in der Region. [mit Video]

Donnerstag, 04.03.2021, 19:00 Uhr aktualisiert: 05.03.2021, 07:34 Uhr
Wie trüb die Aussichten für Pferde sind, lässt sich schwer vorhersagen. Hoffnung macht, dass Ursprungs- und Infektionsherde mit der neuen aggressiven Form des Pferdeherpes bekannt sind. Die Corona-Regeln dürften ein Ausbreiten zudem bremsen.
Wie trüb die Aussichten für Pferde sind, lässt sich schwer vorhersagen. Hoffnung macht, dass Ursprungs- und Infektionsherde mit der neuen aggressiven Form des Pferdeherpes bekannt sind. Die Corona-Regeln dürften ein Ausbreiten zudem bremsen. Foto: Theo Heitbaum

Von der Panikmache in sozialen Netzwerken zu berechtigter Sorge: Eine besonders aggressive Form des Pferdeherpes lässt Vereine und Pferdehöfe in der Region zu Vorsichtsmaßnahmen greifen. So dürfen auf der Anlage des RV „St. Hubertus“ Ascheberg keine ungeimpften Pferde mehr bewegt werden. Im Stall Ligges bleiben die Boxen fremden Pferden verschlossen.

Die Nachrichten rund um ein Turnier im spanischen Valencia lösen Ängste aus. Viele vermutlich ungeimpfte Pferde sind ernsthaft erkrankt, werden in Kliniken behandelt oder sind sogar verstorben. „Pferdeherpes ist nichts Neues. Jetzt scheint es einen neuen Stamm zu geben, der besonders ansteckend und aggressiv ist“, erklärt Dr. Melchior Schulze Thier im WN-Gespräch. Der Tierarzt ist ehrenamtlich zweiter Vorsitzender des RV Ascheberg, kennt darum also die veterinärmedizinische Seite genauso wie das Vereinsleben. Er gibt zu bedenken, dass in Spanien Pferde betroffen waren, die durch tägliches Training eine gute körperliche Konstitution haben und eher gegen Krankheiten gefeit seien als alte und kranke Pferde. Wenn es schon solche Vierbeiner mit großen Folgen treffe, sei besondere Vorsicht geboten. Die Deutsche Reiterliche Vereinigung habe bereits Turniere abgesagt.

Pferdeherpes gibt es in unterschiedlichen Formen schon lange. Deswegen werde von Vierbeinern, die eine Box an der Reithalle in Ascheberg nutzen, auch schon seit mehr als 30 Jahren verlangt, dass sie gegen Herpes, Influenza und Tetanus geimpft sein müssen. Das verlange der Verein nun auch von Pferden, die Mitglieder zur Anlage bringen, um sie dort zu bewegen. Bei frisch am Windmühlenweg eingestellten Pferden werde aktuell geprüft, ob der Impfschutz vorhanden sei. Beim RV Herbern, so Vorsitzender Ludger Selhorst, setze man die Empfehlungen der FN um, nach der auch ungeimpfte Pferde noch auf den Reitanlagen bewegt werden dürften.

Corona-Pandemie hilft beim Eingrenzen

Die Corona-Pandemie hat bei der Lage rund um das Pferdeherpes auch eine positive Seite. Aktuell gebe es keinen Unterricht, so Schulze Thier. Pferde dürften nur aus Tierschutzgründen bewegt werden, weil man sie nicht über Tage im Stall lassen könne. Von den Abstands- und Hygieneregeln profitiere auch der Kampf gegen das Pferdeherpes-Virus. Das Sekret befindet sich in Augen und Nüstern. Es wird einerseits per Tröpfcheninfektion von Pferd zu Pferd übertragen. Allerdings kann auch der Mensch es weiterreichen. Mit dem Putzzeug oder dem Wassereimer. Aber auch unbewusst. „Wenn beispielsweise ein Pferd sich mit den Nüstern am Rücken eines Menschen reibt und wenig später ein anderes Pferd, dann kann das fürs Übertragen reichen“, sagt Schulze Thier. Menschen selbst können sich nicht anstecken.

Impfpflicht beim RV Ascheberg

Noch gibt es die Hoffnung, dass sich die neue Variante rund um die Ställe, die in Spanien unterwegs waren, begrenzen lässt. Da der Ursprungsherd bekannt sei, könne ein Ausbreiten auch deswegen verhindert werden, weil es durch Corona insgesamt weniger Kontakte gegeben habe. Man müsse die nächste Zeit abwarten, sagt Schulze Thier: „Je länger es ruhig bleibt, desto besser.“ In Sicherheit könne man sich aber nicht wiegen, weil das Virus im Pferdekörper sei und die Krankheit erst viel später durch Stress ausbrechen könne.

In der Tierarztpraxis ist wegen des neuen Pferdeherpes „die Hölle los“, sagt Melchior Schulze Thier

In der Tierarztpraxis ist wegen des neuen Pferdeherpes „die Hölle los“, sagt Melchior Schulze Thier Foto: hbm

In der Tierarztpraxis häufen sich verständlicherweise aktuell die Anfragen nach einer Impfung. „Wir haben noch Impfstoff da und müssen sehen, wie weit wir kommen. Nachbestellen geht gerade nicht, weil er gerade ausverkauft ist“, informiert der Veterinär. Für einen ausreichenden Schutz benötigten Pferde eine Grundimmunisierung mit zwei Impfungen im Abstand von vier Wochen. Danach müssen sie etwa jedes halbe Jahr geimpft werden.

Fragen um Impfungen der Spanien-Ausflügler

Bei den Infektionen in Spanien stellt sich die Frage, ob die Pferde, alle ungeimpft dorthin gefahren sind oder ob das Impfen nicht gewirkt hat?FN-Pressesprecherin Julia Basic antwortet: „Wir wissen nicht, ob die betroffenen Pferde geimpft waren. Eine verpflichtende Impfung gegen Herpes wird weder im nationalen noch im internationalen Turniersport vorgeschrieben, wir als nationaler Verband empfehlen die Impfung aber für Turnierpferde. Eine Impfung gegen Herpes kann die Erkrankung des Einzeltieres, insbesondere die in Valencia beobachtete neurologische Verlaufsform, nicht sicher verhindern.Der große Vorteil der Impfung ist, dass geimpfte Pferde im Falle einer Erkrankung oder auch im Falle einer Reaktivierung des Virus weniger Viren ausscheiden und dadurch das Risiko der Krankheitsübertragung auf andere Pferd gesenkt wird.“

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Das Gestüt Ligges in Forsthövel bleibt für fremde Pferde aktuell geschlossen. Pferdewirtschaftsmeisterin Monika Schnepper berichtet: „Normalerweise nehmen wir in der Decksaison immer Stuten auf, die bei uns gedeckt werden. Die Besitzer holen sie wieder ab, wenn festgestellt wurde, dass sie tragend sind. Diesen Service können wir aktuell nicht anbieten.“ Insgesamt werde das Deckgeschäft aber nicht leiden, weil Stuten zu einem hohen Prozentsatz besamt würden. „Vor 25 Jahren wäre das ein ernstes Problem gewesen, weil da der Natursprung noch normal war“, berichtet Schnepper.

Video "Angst vor Pferde-Herpes" in Kooperation mit dem WDR: 

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