Flächenverbrauch in der Gemeinde Ascheberg
Landwirte verlieren 436 Hektar

Ascheberg -

Rund um Ascheberg, Davensberg und Herbern sind von 1997 bis 2007 genau 436 Hektar landwirtschaftliche Fläche für andere Dinge verwendet worden. Das entspricht etwa 623 Fußballfeldern normaler Größe. Die Siedlungsflächen sind in dem Zeitraum um 285 Hektar, rund 407 Fußballfelder, gestiegen. Dennoch wächst Aschebergs Bebauung nur verhalten im Vergleich zu anderen Kommunen.

Dienstag, 06.04.2021, 12:15 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 12:20 Uhr
Die Landwirtschaft hat Flächen an Siedlungen und Verkehr verloren.
Die Landwirtschaft hat Flächen an Siedlungen und Verkehr verloren. Foto: Christ

Landwirte und Umweltschützer sind selten einig. Wenn es um den Verbrauch von Flächen geht, wird aber aus beiden Bereichen Kritik laut. Die Bauern beklagen den Verlust von Äckern, die Umweltschützer das Versiegeln von immer neuen Arealen vorwiegend an den Rändern von Dörfern und Städten. Der Regionalplan mahnt seit Jahren einen sorgsamen Umgang mit den Bodenflächen an. Andererseits sucht die Gemeinde Ascheberg einen Grundstücksentwickler. Wie es um den Verbrauch von Flächen in Ascheberg steht, lässt sich mit Zahlen der Landesstatistiker von IT.NRW aufzeigen.

Rund um Ascheberg, Davensberg und Herbern sind von 1997 bis 2007 genau 436 Hektar landwirtschaftliche Fläche für andere Dinge verwendet worden. Das entspricht etwa 623 Fußballfeldern normaler Größe. Die Siedlungsflächen sind in dem Zeitraum um 285 Hektar, rund 407 Fußballfelder, gestiegen. Bei den Verkehrsflächen kamen in 20 Jahren 40 Hektar, 57 Fußballfelder, hinzu. Deutlich zugenommen haben auch die Flächen für Freizeitangebote, entstanden sind beispielsweise der Kunstrasenplatz in Ascheberg oder die Multifunktionsfläche beim SV Herbern.

Flächenverbrauch

Flächenverbrauch Foto: Christ

Genauso gravierend wie der Verlust landwirtschaftlicher Flächen liest sich ein Wandel in genau diesem Bereich. Trotz des Verlustes von 436 Hektar landwirtschaftlicher genutzter Areale, haben die Ackerflächen einen deutlichen Zuwachs von 587 Hektar erfahren. Flächenverlust und Wandel gehen vorwiegend zu Lasten des Grünlandes, das sich in 20 Jahren von 1996 auf 980 Hektar halbiert hat. Acker ist so viel mehr wert als Grünland, dass inzwischen ein Umbruchverbot gilt.

85,7 Prozent des Ascheberger Gebietes wird im Jahr 2019 von den Landesstatistikern der Vegetation zugerechnet. Das ist mehr als im Kreisdurchschnitt (84,3 Prozent), im Regierungsbezirksmittel (78,1 Prozent) und im Blick auf NRW (74,6 Prozent). Im Land sind 16,5 Prozent der Flächen bebaut, im Regierungsbezirk 13,9 Prozent, im Kreis 8,7 Prozent und in Ascheberg nur 7,3 Prozent. Bei den Verkehrsflächen liegt die Gemeinde über dem Kreisschnitt (5,4 gegenüber 5,1 Prozent). Da spiegelt sich wider, dass sowohl eine Bahnstrecke als auch eine Autobahn durch die drei Orte führen. Im Regierungsbezirk werden 6,2 Prozent der Flächen vom Verkehr genutzt, in NRW sieben Prozent.

Flächenverbrauch versus sichere Infrastruktur

Die Gemeinde Ascheberg hat mit dem Ausweisen des Baugebietes Hemmen die Infrastruktur der Ortschaft Davensberg gestärkt. Sichtbar wurde das im vergangenen Sommer in der Grundschule. Weil für die nächsten Jahre durch das Baugebiet mehr Kinder erwartet werden, veränderte die Schule ihr System, weg von drei jahrgangsübergreifenden zu vier Jahrgangsklassen. Beim Baugebiet Königsallee hat sich gezeigt, dass es auch in Ascheberg einen großen Wunsch von jungen Familien aus dem Dorf nach Grundstücken für Einfamilienhäuser gab. Die Gemeinde hätte durchaus schneller wachsen können, wenn sie mehr Baugebiete ausgewiesen hätte. Das verrät auch ein Blick in den Kreis Coesfeld: Nur in Rosendahl ist der Anteil der Siedlungsfläche am gemeindlichen Flächenkuchen geringer als in Ascheberg. In Billerbeck entspricht er dem Ascheberger Anteil. Im Unterschied zu den beidem Kommunen im Nordkreis liegt Ascheberg aber im sogenannten Speckgürtel von Münster. Wie Havixbeck mit 8,5 Prozent Siedlungsfläche oder Senden mit 7,8 Prozent. In den vergangenen 22 Jahren sind in Ascheberg 2,4 Prozent, in Havixbeck 2,5 Prozent und in Senden 2,6 Prozent der jeweiligen Gemeindeflächen neu besiedelt worden. Wer tiefer in die Zahlen schaut, stellt auch fest, dass in Havixbeck, Nottuln oder Senden der Anteil der Wohnbauflächen deutlich höher ist als in Ascheberg.

Die Landesstatistiker haben Ascheberg in den Typ Kleinstadt einsortiert. Und auch dort fällt die Siedlungsfläche im Vergleich zu den anderen Kommunen gering aus. Knappes Bauland hat dafür gesorgt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7902526?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F158%2F
Nachrichten-Ticker