Rudolf Kovar erinnert sich
LH 42 liegt gleich um die Ecke

Ascheberg -

1960 strömten die neuen Mitarbeiter ins neue Autobahnbauamt nach Münster. Einer von ihnen: Rudolf Kovar, der während der Bauarbeiten Ascheberger Ochsenschwanzsuppe schätzen lernte.

Freitag, 14.08.2015, 18:08 Uhr

Rudolf Kovar zeigt seine Einladung und einen Plotterausdruck vom Autobahnbau.
Rudolf Kovar zeigt seine Einladung und einen Plotterausdruck vom Autobahnbau. Foto: hbm

LH 42 ist sie im Behördenalltag getauft worden. Als Rudolf Kovar , „Brückenmann“ im Autobahnneubauamt Münster das Bauwerk über die Mühlenflut in Ascheberg geplant und ausgeschrieben hat, war ihm nicht klar, wie nahe er ihm einmal kommen würde. Dabei war dem Heessener Ascheberg durchaus bekannt. Denn beim Bau der Hansalinie sind die Planer aus den schönen Amtstuben des alten Beverförder Hofes immer wieder zu den Baustellen gefahren. Die Straßenbaumeistereien in Werne und Ascheberg waren auf dem Stück zwischen Kamener Kreuz und Münster häufige Anlaufpunkte für Rudolf Kovar und Kollegen, denn von dort aus wurden die Arbeiten überwacht. Weil es von Straßenbaumeisterei in Ascheberg nur einen Katzensprung zum Gasthaus Klaverkamp war, sind die Besucher aus Münster dort öfter zu einer Ochsenschwanzsuppe eingekehrt. Und als nebenan ein Baugebiet ausgewiesen wurde, griff nicht nur Rudolf Kovar zu. Die Kollegen Jürgen Nitsche (Trassenführung) und Walter Sygusch (Grunderwerb) wurden ebenfalls an der Mühlenflut zu Bauherrn und Nachbarn. Rudolf Kovar erinnert sich noch gut daran, dass auf der Fläche früher der Ascheberger Sportplatz war: „Ein Tor stand noch als die ersten Bauarbeitern begannen.“

Was die Planer zeichneten und schrieben, wurde mit Plottern ausgedruckt. Einen solchen Plan, der den Bau der Hansalinie detailliert beschreibt, hat Kovar genauso mit in den Ruhestand genommen wie seine Einladung zur Eröffnung. Die Plotterrolle von damals enthält auch Informationen zur Brücke LH 42 an der Mühlenflut. Zuerst musste der Plan anhand der Richtlinien einheitlicher Entwicklungsplanung (REE) genehmigt werden. Dieses „Siegel“ erhielt das Bauwerk am 13. April 1962. Vergeben wurde der Bauauftrag am 26. September 1962, abgenommen wurden die Arbeiten der Firma Polensly und Zöllner aus Dortmund am 8. November 1963.

Die Pläne zum Bau der Autobahn, die Hansestädte verbindet und darum damals „Hansalinie“ getauft wurde, stammten aus dem Jahr 1933, erste Entwürfe wurden 1958, 1959 gezeichnet. „Ab Anfang 1960 ist dann das Amt aufgebaut worden. Da bin ich auch dazu gestoßen“, berichtet Rudolf Kovar. Er war nicht allein: „Neue Kollegen sind nur so hereingeströmt.“

Von seinen „Landpartien hat Rudolf Kovar auch noch in lebhafter Erinnerung, wie ein ausgewachsener Stier auf ihn losgehen wollte. „Der war wirklich wild, so schnell bin ich selten weggeflitzt“, schmunzelt Kovar.

Vor der ersten offiziellen Fahrt über die Hansalinie war der Planer mit seiner Frau schon öfter dort unterwegs. Um gerade die Brücken inspizieren zu können war das Schiebedach am VW meistens offen. Lebhafte Erinnerungen hat Kovar auch noch an den Tag der Freigabe selbst: „Die Bauarbeiter, die noch aktiv waren, hatten den Hinweis, sie sollten sich hinter Sträuchern verstecken, wenn der Konvoi kommt. Er ist in Münster gestartet, zum Kamener Kreuz und zurück gefahren.“

Über Vitamin B und eine freundliche Frage hatte Rudolf Kovar es damals auch geschafft, seine Frau in die „Pole Position“ zu bringen: „Sie wollte als Erste über die frisch freigegebene Autobahn fahren. Das haben wir durch eine freundliche Frage hinbekommen. Als wir mit den Bussen zurück kamen, wurde die Strecke nach Süden freigegeben und meine Frau ist als Erste bis Ascheberg gefahren.“ Von der Abfahrt Ascheberg fuhr sie weiter nach Hause, nach Heessen. Erst später wurde Ascheberg zur Heimat der Kovars – nicht weit weg das Brückenbauwerk LH 42 an der Mühlenflut.

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