A 1
"Hauptschlagader" des Münsterlands wird 50 Jahre alt

Ascheberg -

Die A 1 ist die Hauptverkehrsachse des Münsterlandes. Zwischen Kamener Kreuz und Münster sind Tag für Tag 75 483 Fahrzeuge unterwegs. Am 9. September 1965 wurde die Strecke für den Verkehr freigegeben. Jürgen Nitsche war dabei, als die Strecke geplant und gebaut wurde.

Mittwoch, 09.09.2015, 09:09 Uhr

50 Jahre A 1
50 Jahre alt wird an diesem Mittwoch der Autobahnabschnitt zwischen Münster und Kamener Kreuz. Das 36,8 Kilometer lange Teilstück wurde am 9. September 1965 freigegeben. Foto: Jürgen Peperhowe, Montage: Lisa Stetzkamp

Jürgen Nitsches Dornröschen ist grau und über 100 Meter lang. Es liegt versteckt hinter Ahornbäumen, Eichen und Weißdornen, zwischendurch lugen die roten Beeren der Eberesche durch die Blätter. Dornröschens Schlaf ist tief und fest. Unten hetzt, hupt und heult der Feierabend-Verkehr nach Hause. Und darüber steht sie fest über der A 1. An diesem Mittwoch wird das Autobahnstück zwischen Kamener Kreuz und Münster 50 Jahre alt. Und Jürgen Nitsche war dabei, als die Strecke geplant und gebaut wurde.

„Dornröschen“ ist die Brücke über den „Alten Münsterweg“ bei Ascheberg . Der heute 73-Jährige hat sie entworfen, eine – wie er selbst sagt – eher unbedeutende Querung für Jäger, Fußgänger und Radfahrer, die in der Davert unterwegs sind: „Klein – aber fein“, findet er. Das Betonbauwerk ist geschwungen wie ein in die Länge gezogenes Fragezeichen. Das ist Nitsche wichtig: „Immer schön harmonisch geschwungen“, sagt er über seine Arbeit.

Als 22-jähriger Student der Staatlichen Ingenieurschule für Bauwesen in Trier hatte er sich – knapp bei Kasse – beim Autobahnneubauamt in Münster beworben, um dort in den Semesterferien zu arbeiten. Und durfte gleich eine Brücke planen.

„Ich war mächtig stolz“, sagt Nitsche heute. Was heute zum großen Teil der Computer macht, berechneten der Student, der sein Examen noch vor sich hatte, und die Ingenieure mit Hilfe von Rechenmaschinen, Klothoidentafeln und Parametern. Nitsche erzählt: „Die Radien zum Weganschluss und der Brücke, Durchfahrtshöhe und die Querschnitte für eine einwandfreie Entwässerung mussten berücksichtigt, berechnet und zeichnerisch festgehalten werden.“ Die Ergebnisse wurde danach in Tusche gezeichnet, bevor sie vervielfältigt und zur Baustelle gebracht wurden.

50 Jahre A 1 im Münsterland

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Seine Arbeit fand offenbar das Gefallen seiner Vorgesetzten. Als er sich meldete, um die Anschlussstelle Münster-Nord zu planen, deren Standort damals noch einmal verlegt werden musste und dessen Planung deswegen „zeitlich absolut nicht im Rahmen“ war, bekam er den Zuschlag.

Autobahn 1

Die A 1 ist laut Straßen-NRW ein Rückgrat des deutschen Autobahnnetzes und Hauptverkehrsachse zwischen Rhein und Ruhr. Seit 1968 verbindet sie den Kölner Raum durchgehend mit dem Ruhrgebiet und der Nordsee- und Ostseeküste. Einer ihrer markantesten und bekanntesten Verkehrsknotenpunkte in Deutschland ist das „Kamener Kreuz“, wo die A 1 mit der A 2 verbunden ist. Im Jahr 2014 sind zwischen Kamener Kreuz und Münster im Schnitt jeden Tag 75 483 Fahrzeuge unterwegs gewesen, davon 12 212 Laster. Alles zur Geschichte der Autobahn haben wir in einem Online-Special gesammelt.

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Der Student hatte damals noch keinen Urlaub und bot an, die Abfahrt am Wochenende zu planen. So konnte er die Überstunden nutzen, um mit seiner Frau in die Flitterwochen zu fahren. Und die A 1 wurde auch rechtzeitig fertig ...

Heute ist er nur noch selten auf der Brücke. „So groß ist die Liebe nun auch wieder nicht“, sagt Nitsche, der nach seiner Arbeit beim Autobahnneubauamt, beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe , als „Gemeindebaumeister‘ in Ascheberg und schließlich als selbstständiger Architekt arbeitete. Stille Aufenthalte auf seiner Brücke haben ihm die Erkenntnis gebracht, „dass es von Vorteil ist, wenn man eine Brücke hat, auf der man die Hektik des Lebens überqueren kann, um besinnliche und kreative Gefilde zu erreichen“.

Er hat das wörtlich genommen. Noch vor seinem Ruhestand hängte er seinen Job an den Nagel und begann, sich seinem Jugendtraum zu widmen: Er und seine Frau haben sich „in jeder Hinsicht der Kunst verschrieben“ und schaffen Bilder in Öl, Acryl, Pastell sowie digitale Kunst und Skulpturen. Bilder, die er in seine Jugend gemalt und seitdem vergessen hatte, tauchten wieder aus der Versenkung auf. Und: Die beiden gründeten die „Gruppe 99“ – eine Art Brücke zur Förderung von Kunst und Kultur auf dem Land.


Zur Zukunft der A 1:

In den kommenden Jahren soll die Hansalinie weiter ausgebaut werden. Vor allem im Münsterland sind einige Strecken noch zwei- statt dreispurig.

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