Q wie Quartier
Geschichten der Pilger bereichern den Alltag

Herbern -

Sie rufen morgens oder am Abend vorher an und übernachten dann bei den Sennekamps. Die Gäste im Quartier für Jakobspilger haben viel zu erzählen.

Samstag, 01.08.2015, 08:08 Uhr

Walburga Sennekamp  stellt das einfache Quartier für Jakobspilger vor und wirbt um Mitstreiter.
Walburga Sennekamp  stellt das einfache Quartier für Jakobspilger vor und wirbt um Mitstreiter. Foto: iss

Gastfreundschaft wird bei Walburga und Alfons Sennekamp groß geschrieben. Seit vier Jahren bietet das Herberner Ehepaar Jakobspilgern ein Quartier für die Nacht. Als dieses Angebot 2011 ins Leben gerufen wurde, standen für Durchreisende sechs Familien zur Auswahl. Im Laufe der Jahre ist die Liste, die auch im Pilgerbuch ausliegt, auf gerade einmal zwei Familien  geschrumpft. Ein Aufruf von Walburga Sennekamp, das dringend noch private Übernachtungsmöglichkeiten in Herbern gesucht werden, blieb bisher ohne Erfolg.

„Es muss nichts luxuriöses sein. Eine einfache Schlaf- und Waschmöglichkeit reicht völlig aus“, weiß die 57-Jährige aus eigener Erfahrung und ergänzt: „In anderen Gemeinden wird oft das Pfarrheim als solches genutzt, aber Pastor Kruse wollte diese Möglichkeit seinerzeit nicht in Anspruch nehmen und deshalb haben wir uns für diese Variante entschieden.“

Alfons und Walburga Sennekamp, deren Kinder schon aus dem Haus sind, haben im Obergeschoss des Hauses ein Gästezimmer mit Bad für Jakobspilger eingerichtet. Von April bis Oktober wird es meistens spontan am Abend vorher oder sogar am Morgen gebucht. Walburga Sennekamp bemüht sich, Pilger aufzunehmen, eine Pflicht gibt es aber nicht. Alternativ verweist sie auf Familie Großerichter oder das Hotel „Zum Wolfsjäger“, das Jakobspilger vergünstigt unterbringt.

Walburga Sennekamp stellt fest, dass Pilgerübernachtungen nicht immer nur mit Arbeit verbunden sind. „Man lernt viele unterschiedliche Menschen kennen, hat tolle Gespräche. Das ist auf jeden Fall eine Bereicherung.“  Ein ehemaliger Soldat, der seine Erlebnisse aus dem Krieg auf dem Jakobsweg verarbeiten musste, eine Autorin die im Garten der Sennekamps gezeltet hat, und eine Oma die mit ihrem Enkelkind am Frühstückstisch ein Lied als Dankeschön gesungen hat, sind einige von vielen Erlebnissen, welche die Sennekamps nicht mehr missen möchten. „Es sind lustige und traurige Begegnungen – jeder hat seine eigene Geschichte“, sagt die Gastgeberin. Gerade erst war ein 84-jähriger Kapitän zur See auf dem Weg von Bremen nach Aachen in Herbern. Er hatte den Jakobsweg schon komplett absolviert und erzählte den Herbernern von anderen Abschnitten.

Vor fünf Jahren wurde das Teilstück des Westfälischen Jakobswegs, das durch Herbern geht, offiziell eröffnet. Der Herberner Heimatverein und die Jakobi Bruderschaft haben den Jakobsweg in Herbern auf den Weg gebracht.

 „Wir wollen doch, dass sich die Jakobspilger in unserer Gemeinde wohl fühlen. Eine Option zur Hotelübernachtung ist bei den Pilgern  immer gefragt.  Je mehr Leute sich bereiterklären eine Übernachtungsmöglichkeit bereitzustellen, desto besser funktioniert auch das Netzwerk“, erklärt Walburga Sennekamp.

 

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