Z wie Zeitung
Die Redaktionswelt ist digital

Ascheberg -

Im Herbst sind die Westfälischen Nachrichten 25 Jahre mit einem Redaktionsbüro in Ascheberg vertreten. Die Arbeitsweise hat sich seit 1990 stark verändert.

Mittwoch, 12.08.2015, 08:08 Uhr

Die Informationen stehen im Block, das Foto ist auf einem Film in der Kamera. Er muss gleich entwickelt werden, Bilder sind abzuziehen. Die elektrische Schreibmaschine ist in Lüdinghausen geblieben. Texte werden am Computer geschrieben und auf einer Fünfdreiviertel Zoll-Diskette abgespeichert. Zusammen mit Bildern und dem Layoutbogen wird die Diskette nach Lüdinghausen gebracht. Ein Busfahrer nimmt das Material der Ausgabe „LH“ vom Marktplatz aus mit nach Münster, wo alles weiterverarbeitet wird.

So ähnlich sah der Alltag von Josef Schlierkamp und Stefan Bergmann aus, als die „ Westfälischen Nachrichten “ im Herbst 1990, vor 25 Jahren also, ein Redaktionsbüro in Ascheberg eröffnet haben. Spiralblöcke gibt es immer noch, die Kamera ist aber genauso digital wie die gesamte Arbeit in der Redaktion Ascheberg. Der Bote ist durch eine Dauerleitung ins Druckhaus nach Münster ersetzt worden.

Die Seiten für die Gemeinde entstehen im Schatten des Kirchturms am Computer. Bilder werden vom Kamerachip genauso ins System eingelesen wie sie aus Mails von Mitarbeitern, Pressesprechern und Vereinen in Richtung Redaktionsprogramm „Eidos“ geschickt werden – wenn sie hoch genug aufgelöst sind. Der Text wird gleich auf der Seite geschrieben oder aus den Mails in den vorgesehenen Artikel kopiert. Titel bringen den Inhalt auf den Punkt, Bildzeilen erläutern, wer oder was zu sehen ist.

Die Zeitungsseite ist ein Puzzlespiel, das auf sieben Spalten und 123 Zeilen aufgehen muss. Die Seite zum Ausklappen, die mancher Redakteur sich im Zeiten einer Artikelschwemme wünscht, ist noch nicht erfunden worden. Beim crossmedialen Arbeiten lassen sich Zusatzinformationen aber übers Internet auf wn.de anbieten. Besonders beliebt sind Bilderstrecken, wie sechsstellige Klickzahlen bei Spitzenstrecken zeigen.

Die Zeitung selbst, das Druckprodukt, verträgt nicht jeden Text in der Länge, die sich ein Vereinsschriftführer oder ein Politiker vielleicht wünscht. Ein stimmiges Seitenbild mit einem Gemischtwarenkorb an Informationen ist das Ziel. Es entsteht ein Spiegelbild des Gemeindelebens, prall gefüllt und bunt gemischt. Geschichten schauen unter die Oberfläche, erklären Zusammenhänge. Kommentare helfen dem Leser, die Informationen zu verstehen und zu bewerten.

Die „WN von Morgen“ ist in der Regel am frühen Abend fertig. Mit drei Klicks verabschiedet sich die Ascheberger Seite vom Computer an der Appelhofstraße in Richtung Druckhaus an der Hansalinie. Wenn es danach im Ort brennt, lässt die Seite sich in der Regel bis 21.30 Uhr aktualisieren. So lange existiert sie ausschließlich in der Welt von Bits und Bytes, ist sie mit ihren Bestandteilen nur am Computer zu sehen und nicht mit den Händen greifbar. Erst im Belichtungsoperation wird aus der digitalen Datenwelt etwas zum Anfassen: Die Druckplatten werden erstellt. Die Drucker gehen in Kürze ans Werk.  

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