Ascheberg im Wandel, 25
Neben der Kirche grunzten Schweine

Ascheberg -

Kühe und Schweine gleich im ersten Gebäude neben der Kirche. Gibt‘s nicht? War früher üblich.

Samstag, 15.02.2020, 09:12 Uhr aktualisiert: 15.02.2020, 09:30 Uhr
Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff
Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff Foto: Privat

Quiekende Schweine, muhende Kühe, gackernde Hühner, ein Bauernhof keine zehn Meter von der Kirche entfernt: Vor 50 Jahren wurden die landwirtschaftlichen Gebäude der Familie Witthoff zwischen Appelhofstraße und Kirchplatz abgerissen. Ein Jahr vorher waren die Besitzer in ihr neues Domizil an der Davensberger Straße umgezogen. „Im Dorf war es auch ganz schön“, sagt Franz Witthoff beim Blick zurück.

Die Zeitreise ins Ascheberg der 1960er Jahre ist verbunden mit einem Quantensprung für die Landwirtschaft. Tatsächlich reichte damals ein Bauernhof mit zehn Kühen, einem Stall voller Schweine, Pferden und Hühnern zum Leben. Die Ländereien lagen vor den Toren des Dorfes. Der Blankenfort, heute „Witthoffs Weide“, gehörte dazu. Dort bauten die Eltern von Franz Witthoff eine Scheune, dort fanden auch Hühner Platz. Weiteres Land war in Richtung Davensberg zu finden. Die Flurbereinigung führte viele kleine Parzellen dort zusammen, wo die Witthoffs zum Ende der 60er Jahre neu bauten. „Der Neubau und der Umzug haben drei, vier Jahre gedauert“, berichtet der Landwirt im Ruhestand.

Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff

Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff Foto: Privat

Zurück in die 1960er Jahre: Die Kühe lebten in den warmen Monaten dort auf der Wiese, wo die Witthoffs jetzt wohnen. Mit dem Fahrrad und den Melkutensilien ging es morgens und abends aus dem Dorf zur Wiese, um die Tiere zu melken. Im Winter lebten sie in einem Stall auf der Tenne, über ihnen gab es Platz für Hühner.

Schweine wurden in den Ställen groß, aber Franz Witthoff hat beim Vermarkten ganz andere Zeiten kennengelernt: „Kälber, Schweine und Großvieh wurden zum Bahnhof getrieben und in Waggons verladen. Erst später sind Viehtransporter gebaut worden.“ Und bei den fünf, sechs Sauen, die neben St. Lambertus lebten, war es so, dass sie aufgeladen und zu einem Betrieb mit Eber gefahren wurden, wenn sie rauschig waren. „Einen eigenen Eber hatte nicht jeder Hof“, weiß der 81-Jährige.

Das Korn wurde damals noch in Gaben vom Feld mit Ringstenwagen eingefahren und in der Scheune eingelagert. Im Winter kam dann der Drescher. „Der Trecker stand ein Stück auf der Straße, das hat niemanden gestört“, erinnert sich Witthoff. Beim Dreschen kam es schon einmal vor, dass Mäuse und Ratten, die es sich im Korn bequem gemacht hatten, nach draußen entfleuchten. Der frühere Kirchplatz-Bauer hat eine Anekdote aus der Zeit parat: „Neben unserem Haus stand ein Hochspannungsmast. Dort haben sie den Strom für den Motor des Dreschers hergeholt.“

Bauernhof Witthoff in Ascheberg

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  • 1970, also vor 50 Jahren, wurde der Bauernhof Witthoff zwischen Kirchplatz und Appelhofstraße abgerissen.

    Foto: Privat
  • Ascheberg im Wandel: Die Appelhofstraße war verwinkelt, lins sind Teile des Bauernhofes Witthoff zu sehen.

    Foto: Privat
  • Ascheberg im Wandel: Die Appelhofstraße war verwinkelt, lins sind Teile des Bauernhofes Witthoff zu sehen.

    Foto: Privat
  • Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff hinter Bultmann an der Appelhofstraße

    Foto: Privat
  • Zwischensdurch war die Fläche nicht bebaut, wie Bilder aus den 1970er Jahren zeigen.

    Foto: Privat
  • Zwischensdurch war die Fläche nicht bebaut, wie Bilder aus den 1970er Jahren zeigen.

    Foto: Privat
  • Schritt für Schritt wurde die Fläche wieder bebaut

    Foto: Privat
  • Schritt für Schritt wurde die Fläche wieder bebaut

    Foto: Privat
  • Schritt für Schritt wurde die Fläche wieder bebaut

    Foto: Privat
  • Schritt für Schritt wurde die Fläche wieder bebaut

    Foto: Privat
  • Und so sieht es heute an der Appelhofstraße aus.

    Foto: hbm
  • Gebäude links neben der Einfahrt von Witthoff

    Foto: Privat
  • Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff von der Appelhofstraße aus gesehen.

    Foto: Privat
  • Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff von der Appelhofstraße aus gesehen.

    Foto: Privat
  • Und so sieht es heute aus.

    Foto: hbm
  • Ascheberg im Wandel: Hof Witthoff vom Kirchplatz aus gesehen

    Foto: Privat
  • Witthoffs altes Gelände, heutíges Bild

    Foto: hbm

Zum Heizen wurde Holz verwendet. Im Winter holten die Leute aus dem Dorf es aus den Wäldern. Die Bauern nahmen für die Nachbarn mit, was sie benötigten. „Bei uns auf dem Hof ist alles abgeladen worden. Wir hatten damals schon eine Elektrosäge und haben alles klein gemacht. Die Nachbarn haben es mit dem Bollerwagen abgeholt“, erzählt Witthoff.

Überhaupt Nachbarschaft: Die Türen standen auf beiden Seiten offen. Mal kam jemand von Uhlmann rüber, dann einer von Stiens vorbei. Neben der Tennentür waren drei Ringe angebracht. Dort banden Kirchgänger aus der Bauerschaft ihre Pferde während des Gottesdienstes und des folgenden Frühschoppens an.

Bis Franz Witthoff sich in den 1960er Jahren fragte, ob er aussiedeln oder die Landwirtschaft aufgeben wolle. Er entschied sich fürs Aussiedeln und fand in Gemeindedirektor Bernhard Rothers schnell einen Interessenten für die Gebäude. Die Gemeinde kaufte sie im Rahmen der Ortskernsanierung.

Apropos: Wo früher Schweine gefüttert wurden, wird heute das Futter für die Ascheberger Seiten der Westfälischen Nachrichten verarbeitet.

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