Havixbeck
Grandiose Schauspieler

Dienstag, 23.09.2008, 11:09 Uhr

Von Dieter Klein

Havixbeck . Feinste Unterhaltung auf höchstem Nieveau. Nach zwei sehr gut besuchten Vorstellungen im Forum blieb dem fachkundigem Publikum keine andere Wahl, als dem Havixbecker Törchen Höchstnoten zu verleihen. Mit der Aufführung von „Meine kindlichen Freunde“ gelang Regisseur Ralf Melzow nicht nur eine Höchstleistung an Professionalität, sondern eine heitere wie dramatische Darstellung, die den Begriff „wunderbar“ insgesamt verdient hat.

Schon die Bühne im Forum, schwarz abgehängt, nur mit dem Allernötigsten bestückt, Nichts stört oder lenkt ab. Dann das Licht: behutsam geführt, nie als gleißender Spot mit der Aufgabe: seht her. Hier bin ich.

Und die Darsteller. Allen voran der Hauptdarsteller – ein Dichter. Wolfgang Ueffing wie auf den Leib geschrieben. Der Schreiberling im Schlafanzug, vertrottelt und verbrannt im vergeblichen Bemühen ein neues Buch schreiben zu müssen, die Rotweinflasche daneben, die alte Schreibmaschine, müssen wohl sein. Dass der Dichter versagt, verzagt, ist vorauszusehen.

Er versucht sich zu helfen. Während er den Rotweinpegel sinkt, steigert er gleichzeitig die Bemühungen, Rollenträgern aus einem früheren Buch wieder zu beleben. Was ihm auch gelingt.

Doch die, die früher einmal gut gewesen sein mögen, mutieren in seiner Fusel-Sehnsucht zu grotesken Gestalten. Tanzen ihm auf der Nase herum. Jetzt möchte er sie wieder los werden. Er leidet. Das Publikum lacht. Die „kindlichen Freunde“ tun beides.

Da sind zu erst einmal die Pussels. Ein Ehepaar, eine Liebe, hinter dem Verfallsdatum. Gespielt von Erwin Woltering und Hannelore Roters. Spießig, fröhlich, verpennt und beeindruckend. Dann der Musiker – Jakob Sawatzky – zwischenzeitlich auch mal Arzt. Filigran, wenig transparent, irgendwie nicht zu den übrigen Figuren passend.

Dann die „verrückten“ Teenager Laura Wahlers und Pia Flottmann. Witzig amüsant. Gudrun, die liebenswerte Wurstverkäuferin, mit Jule Wevering und Regina Bußmann doppelt (gut) besetzt. Die Minima, die heimliche Liebe des Schreiberlings, Susanne Westhoff in Höchstform. Abel Archivar – ein Verrückter (?). Von Wilfried Brüggemann pedantisch beängstigend, perfekt in Szene gebracht.

Und schließlich der gute Geist: „Libellina“, gespielt von Luise Janning. Ihr gelingt der Spagat zwischen Liebe und Tragik zugleich. Sie fängt den ekelhaften, sarkastischen, grantig wurstelnden „Wurstig“ mit einem Schleier der Zärtlichkeit ein. Das Finale kommt unerwartet. Die „kindlichen Freunde“ stürzen ihren Schöpfer.

Und der lange Beifall aus dem Publikum bestätigt die „Laien-Schauspieler“, die eine hervorragende Leistung gebracht haben.

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