Havixbeck
Ihm glaubt man alles

Sonntag, 28.02.2010, 18:02 Uhr

Havixbeck - Ralf Weihrauch kam direkt zur Sache. Mit zwei flotten irischen Liedern füllte er den Raum. Irische, schottische und englische Folksongs standen am Freitag auf dem Programm im Sandsteinmuseum . Die Zuschauer erlebten einen begnadeten Akkordeonisten und einen Sänger, dem man die kraftvoll-tanzenden Lieder ebenso abnahm wie die melancholischen Balladen. Ab und zu begleitete sich Weihrauch mit seinem schnörkellosen, treibenden Stil auch auf der Bodhran, der irischen Trommel.

Nach dem temporeichen Start gab es dann zunächst einmal ein Liebeslied voller Gefühl. Weihrauchs Gesang erweckte die süßen Heiratsversprechungen eines Matrosen zum Leben. Dieser Stimme in Harmonie mit dem Spiel des Akkordeons würde man jedes Versprechen abnehmen!

Er erzählt alltägliche Geschichten von alltäglichen Menschen: vom Leben in englischen Zechenreihenhäusern, von Torfverkäufern, falschen Frauen und eitlen Gockeln, Hausherren und Dienstmädchen. Geschichten von Mann und Frau, von Wünschen, Begierden, Versuchungen und dem Scheitern. Erzählungen, die gewiss keinen Pulitzerpreis bekommen, „aber in Irland macht man sofort ein Lied daraus“. Packend und unterhaltsam präsentierte Weihrauch aberwitzige Storys von Liebe, List und Verrat.

Es sind nicht vorrangig die bekanntesten Folk-Songs und Balladen, die der Barde aus dem Ruhrgebiet seinem Publikum präsentiert. Sie gehören selbst in den Ursprungsländern nicht zum alltäglichen Repertoire. Die meisten Stücke hat Weihrauch im Laufe der letzten 25 Jahre ausgegraben. Eine zauberhafte Mischung etwa war die musikalische „jamaikanisch-englisch-russisch-jüdische Zusammenarbeit“, wie er es formulierte. Seine Stimme verschmolz mit dem Akkordeon, und der eindringlich-treibende Rhythmus verführte zum Mitwippen. Das Instrumental-Stück „Silver Wedding“ stammt aus seiner Feder. Fans des Films „Local Hero“ erinnern sich beim Walzer auf dem Akkordeon sofort an den Tanzabend im Saal des kleinen schottischen Dorfes. Da geht einem das Herz auf!

Die Moderation mit Witz und Augenzwinkern ist ein charmantes Zusammentreffen von Irland und dem Ruhrgebiet. Hier ist die „Marke Weihrauch“ deutlich zu erkennen.

Der Sänger scheute sich nicht, allein mit kraftvoller Stimme das Lied vom Maulwurf-Fänger zu intonieren. Das Publikum war zum Mitsingen des Refrains aufgefordert. Und das klappte im Laufe der zahlreichen Strophen immer besser - wenn auch noch mit westfälischer Zurückhaltung. Die hatte sich dann spätestens beim Herausklatschen der Zugaben gelegt. Die letzte war die Ruhrgebiets-Hymne „Glückauf, der Steiger kommt“ - das hat nun garantiert nichts mit Irland zu tun, ist aber bei Ralf Weihrauch Programm.

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