„Das Törchen“ spielt „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo
Urkomische Verwicklungen

Havixbeck -

„Bezahlt wird nicht“, das meistgespielte Stück des Literatur-Nobelpreisträgers Dario Fo hatte sich die Theatergruppe „Das Törchen“ am Freitag- und Samstagabend vorgenommen. Wer erleben möchte, wie der Autor die Methoden der Commedia dell’arte in zeitgemäßer Sozialkritik revitalisiert, hat am heutigen Montag (18. Juni) um 20 Uhr nochmals Gelegenheit dazu.

Montag, 18.06.2012, 08:06 Uhr

„Das Törchen“ spielt „Bezahlt wird nicht“ von Dario Fo : Urkomische Verwicklungen
Passend zum Inhalt des Stückes wählte das Törchen-Ensemble ein leerstehendes Ladenlokal als Kulisse. Foto: Dieter Klein

Das Spiel um Armut, Diebereien, Gewerkschaft und Schlitzohrigkeit – in atemberaubendem Wechsel – könnte ebenso in Duisburg oder Bochum spielen. Nur diesmal spielt es in Havixbeck, im ehemaligen Schlecker-Markt an der Altenberger Straße. Einen passenderen, trostloseren Spielort für Bühne und Handlung hätte sich nicht einmal Dario Fo einfallen lassen können.

Schon der Einstieg liegt in einem Supermarkt, wo Arbeiterfrauen aus Wut über die angestiegenen Lebensmittelpreise und die hohe Mehrwertsteuer die Regale leerräumen. Sie klauen, ganz nach dem Titel: „Bezahlt wird nicht!“ Damit sie sich aber weder vor ihren Ehemännern, aufrechten Sozialdemokraten und treuen Gewerkschaftlern, noch der Polizei rechtfertigen müssen, verstecken sie das Meiste der Beute unter ihren billigen Kittelschürzen. Das heißt: Sie schwellen an, werden schwanger.

Als ihre Ehemänner von Arbeitszeitkürzungen betroffen sind und selbst anfangen, unredlich zu agieren, führt dies zu urkomischen Verwicklungen und grotesken Szenen. So entsteht eine freche Mischung aus Farce und Posse, Politklamauk und Boulevard.

Mittendrin die Frauen Margharita und Antonia, mit Susanne Westhoff und Christine Greiff sowie Luise Janning und Judith Jost gleich doppelt besetzt, in tapferen Gegenrollen als Giovanni und Luigi Bastian Michel und Wilfried Brüggemann. Der Doppelbesetzung von Schutzpolizist und Kripofahnder wird Wolfgang Ueffing erschreckend real gerecht. Und die drei Rollen von Supermarktleiter, Bestatter und komischem Alten spielt Erwin Woltering in dunkler Vollendung.

Begeisterungspfiffe und langer Beifall belohnten nach zwei Stunden (ohne Pause) das spielfreudige, textsichere wie mimisch brillante Ensemble sowie auch Regisseur Manfred Molitor, Techniker Till Brüggemann und Souffleurin Louise Lejeune.

Nachdenkliches Lachen folgt ihnen bis auf die Straße. Dario Fo sagt: „Menschen, die nicht lachen können, sind gefährlich.“ Wenn dies stimmt, hat man von Havixbeckern nichts zu befürchten.

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