„Törchen“ spielt „Herdmanns“
Auch beim Jubiläum ein „Brüller“

Havixbeck -

Die Theatergruppe „Das Törchen“ hat zum inzwischen zehnten Mal das Stück „Hilfe, die Herdmanns kommen“ aufgeführt. Und wieder riss die Aufführung das begeisterte Publikum mit.

Donnerstag, 20.12.2012, 16:12 Uhr

Ein Bild fürs Erinnerungsalbum: Die Familie Herdmann ist eine Schar, die Ihresgleichen sucht, die aber zum guten Schluss wie kein anderer den Kern der Sache trifft.
Ein Bild fürs Erinnerungsalbum: Die Familie Herdmann ist eine Schar, die Ihresgleichen sucht, die aber zum guten Schluss wie kein anderer den Kern der Sache trifft. Foto: Dieter Klein

„Lieber Gott, wir danken dir, es sind keine Herdmanns hier“, beteten sie anfänglich noch, die scheinbar „Guten“, die sauberen Spießer, die Dorftratschen, die Bradleys. Doch kaum war ihr Dankgebet verhallt, stürmten die Herdmanns die Bühne, die Vorstadtgangster, der Abschaum, die „Saat der Gewalt“.

Nun schon zum zehnten Mal suhlte sich der ordinäre Herdmann-Clan mit Ralf ( Jakob Sawatzky ), Eugenia ( Susanne Westhoff ), Leopold (Werner Bußmann), Jaqueline (Louise Lejeune) und Hedwig (Daniela Rosendahl) im Schmutz der Gosse – mit Bubble-Gum-Blasen vor und Fluppe im Mund, greller Schminke, Rocker-Klamotten und rüder Anmache. Kein Klischee wurde ausgelassen. Das Publikum tobte auch beim Jubiläum wieder vor Begeisterung. Wohl wissend: Wie in allen Weihnachtsmärchen gewinnt am Ende das Gute.

„Hilfe, die Herdmanns kommen“, aufgeführt vom Havixbecker Törchen-Theater, erwies sich auch an diesem Wochenende wieder als der kulturelle „ Brüller “ im vorweihnachtlichen Havixbecker Kulturleben. „Und wieder ausverkauft“, freute sich Regisseur Wilfried Brüggemann schon vor dem Beginn des Stückes.

Dem Inhalt ist kaum mehr etwas hinzuzufügen. Als die Herdmann-Blase erfährt, wo es zu Weihnachten was zu futtern gibt, nämlich in der Kirche, schlägt sie zu. Verbal überlegen, besetzen die Herdmanns alle Rollen im am Heiligabend anstehenden Krippenspiel in der Dorfkirche. Eugenia gibt die Maria, Ralf den Josef, der Rest spielt die Weisen aus dem Morgenland und den Verkündigungsengel.

Und schon bald zersetzt die reale Erfahrung die Überlieferung. „Was, der neugeborene Heiland in einer Krippe?“, fragen die Herdmanns. „Wieso kaufen die reichen Könige aus dem Morgenland dem Kind nicht einfach ein Hotel und werfen den Besitzer raus?“ Oder: „Was sind denn Weihrauch und Myhrre? Das schmeckt doch überhaupt nicht. Im nächsten Supermarkt wird ein Schinken geklaut. Den kriegt der Kleine. Dann hat er auch was zu beißen.“

Doch nach und nach setzt der feine Wandel ein. Und irgendwann beginnt die wilde Eugenia als Maria, die Puppe, nun ihr Kind, im Arm wiegend, plötzlich zu weinen. Und Josef, dem vormalig harten Knochen, sieht man an seiner Erstarrung an, dass er froh ist, seine Gefühle hinter einer Sonnenbrille verstecken zu können. Die mimische Leistung, die minimale und doch ausdrucksvolle Körpersprache der beiden, stellt alles im Umfeld in den Schatten.

Aus der „Rache von Bethlehem“ oder – wie eingangs geplant – der „Weihnachtsgeschichte nach Polizeiakten“ ist doch noch eine „Stille, heilige Nacht“ geworden. Eindrucksvoll!

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