Ungewöhnlicher Zuwachs auf Ferienhof in Poppenbeck
Auf‘s Kamel gekommen

Havixbeck -

Die zwei Kamele auf der Poppenbecker Wiese dösen in der Sonne. Hin und wieder lehnen sie sich zufrieden aneinander. Wie Pferde. Dabei schrubbeln sie sich gegenseitig genüsslich die letzten Reste des Winterfells runter. Das kann dauern, denn noch sehen sie aus, wie abgelaufene Flokatis.

Sonntag, 28.04.2013, 07:04 Uhr

Wie lange Flokatis sehen die beiden Kamele von Henrik und Sabrina Jeiler aus, wenn Reste des Winterfells herabhängen. Natürlich gehört die Pflege der Tiere zum Programm.
Wie lange Flokatis sehen die beiden Kamele von Henrik und Sabrina Jeiler aus, wenn Reste des Winterfells herabhängen. Natürlich gehört die Pflege der Tiere zum Programm. Foto: Dieter Klein

Die zwei Kamele auf der Poppenbecker Wiese dösen in der Sonne. Hin und wieder lehnen sie sich zufrieden aneinander. Wie Pferde. Dabei schrubbeln sie sich gegenseitig genüsslich die letzten Reste des Winterfells runter. Das kann dauern, denn noch sehen sie aus, wie abgelaufene Flokatis. Henrik Jeiler lacht. Greift schon mal dazwischen. Rubbelt erst bei „Paul“, dem sechsjährigen Wallach, dann bei der Stute „Rajiya“ (bei Damen wird das Alter verschwiegen) in das locker herunterhängende Fell. Und als verstünden die Tiere die Liebe, geben sie ein leises, aber unüberhörbares Grunzen ab, als wollten sie ausdrücken: „Schön hier in der Havixbecker Bauerschaft.“ Dabei entblößen sie jeweils ihre prachtvollen Zahnreihen, allerdings von einer Farbe, die an kettenrauchende Clochards erinnert.

„Der Anfang mit den Kamelen war furios“, erinnert sich Henrik Jeiler. Schmunzelnd erinnert er sich an eine Anekdote der ersten Tage: „Ich hatte die Tiere gerade erst gekauft und zum ersten Mal auf die Wiese gebracht. Und beim Nachbarn hatte es am Abend zuvor eine kleine Familienfeier gegeben“, erzählt Jeiler. „Jedenfalls steht der Nachbar morgens vor dem offenen Fenster, um seinen Kater zu pflegen. Da sieht er plötzlich die beiden Kamele und reibt sich erschrocken die Augen.“ Als er aber seiner Frau davon erzählt hatte und beide zurück am Fenster waren, hatte Bauer Jeiler die beiden Trampeltiere schon wieder weggetrieben. Was beim Nachbarn wohl Zweifel an den eigenen Sinnen ausgelöst haben dürfte . . .

Rund ein Jahr ist das nun her, und die beiden Wüstenschiffe auf dem Jeiler-Ferienhof genießen inzwischen den gleichen Kultstatus wie andere Tiere. Der freche, kleine „Nicki“ zum Beispiel, der Hofhund, ein paar exotisch anmutende Enten auf dem Teich, ein paar Ziegen, ein Pony, Kaninchen und die Miezen „Sonnenschein“ und „Luzie“. „Da fehlten auf der Arche gerade noch zwei Trampeltiere“, lacht Sabrina Jeiler. Sie ist zuständig für die demnächst anreisenden Feriengäste.

„Für deren Unterhaltung und Fragen nach sportlicher Betätigung kam mir die Idee mit den Kamelen“, erinnert Henrick Jeiler sich. „Also habe ich im Internet nachgeschaut und bin in der Nähe des Bodensees auf einen Importeur und Züchter gestoßen.“ Die beiden Höckertiere kosteten ihn den Preis eines Gebrauchtwagens. Reitsättel extra. „Dann habe ich angefangen mit den Kommandos für die Tiere. ‚Down‘ heißt ‚nieder‘, ‚aufstehen‘ nur ‚auf‘.“

Nach einem Jahr Training können die beiden Wüstentiere nun in den Baumbergen auf den Jeilerschen Wiesen herumtrampeln. Mit und ohne Reiter. „Paul stellt sich manchmal noch ein bisschen blöd an“, weiß der Chef. „Wenn er dann spuckt, ist das, als ob ein Dusch-Sprühkopf losgeht. Im Grunde bedeutet das bei Kamelen nur ‚Verachtung‘. Für mich aber: reif zum Umziehen.“

Jetzt mampfen beide frisches Gras in Poppenbeck und sind scheinbar sehr zufrieden mit ihrer neuen Heimat. Die braunen Augen sind halb geschlossen, die braunen Zahnreihen halb geöffnet.

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