Ausstellung im Sandsteinmuseum
Wo die Zeiten verschmelzen

Nottuln -

Am Samstagabend ist die Ausstellung „gegenwarten in Stein“ von Ulrich Haarlammert im Baumberger-Sandstein-Museum eröffnet worden. Faszinierende Fotos, in denen die Zeiten verschmelzen, werden gezeigt.

Sonntag, 25.08.2013, 21:08 Uhr

Irgendetwas stimmt da nicht – oder? Wieso ist auf einem Foto die Landschaft tief verschneit, aber auf einer Ecke grünt es? Wieso liegen auf einem anderen die Kühe im Dämmerlicht, aber in der Bildmitte glänzt der Billerbecker Dom, als wäre er in Gold getaucht? Weil verschiedene Tages- oder gar Jahreszeiten im selben Bild verschmolzen sind. Man kann lange vor diesen Fotos stehen und staunen.

Ulrich Haarlammert hat noch viel länger vor seinen Motiven gestanden. Der Künstler aus Münster sagt: „Ich muss mich an einem Ort fest installieren.“ Und warten. Die Zeit arbeiten lassen. Das kann eine Stelle vor dem Brandenburger Tor oder vor dem münsterischen Schloss sein. Mal kommen die Motive, die er sucht – mal muss er warten, bis etwas Störendes verschwunden ist. „Ich fühle mich manchmal wie ein Maler, der langsam sein Ölbild entstehen sieht“, sagt Haarlammert lächelnd. Mindestens 100 Fotos liegen schließlich zur Auswahl vor – für das endgültige Motiv verwendet er dann etwa zehn, die am Computer zu einem einzigen verschmolzen werden.

Das faszinierte die Besucher, die Museumsleiter Dr. Joachim Eichler am Samstagabend zur Vernissage begrüßte. Lebhaft kommentierten sie die Bilder. Was erkannte eine Besucherin auf dem nächtlichen Domplatz in Münster? „Särge!“ Wie Grabstätten auf vielen alten Kirchhöfen, so ihre Assoziation. Tatsächlich aber waren es nur die Stände des Wochenmarkts . . .

Ulrich Haarlammert hat ursprünglich Bildhauerei an der Kunstakademie in Münster studiert. „gegenwarten in Stein“ heißt seine Bilderschau, die trefflich ins Baumberger-Sandstein-Museum passt: Sandstein als prägendes Baumaterial des Münsterlandes, Stein als Sinnbild für Zeit, die eben doch vergänglicher ist, als alles „in Stein Gemeißelte“ uns glauben machen will. Dies sprach auch der münstersche Künstler Ruppe Koselleck in seiner Einführung an: „Wer etwas in Stein haut, meint die Ewigkeit.“

Und dann liegt es doch in Trümmern – wie der zerbombte Prinzipalmarkt auf dem alten Schwarzweiß-Foto von 1948, das Ulrich Haarlammert in sein Farbmotiv implementiert hat. Mittels solcher Archiv-Fotos gelingt es ihm, auch noch Epochen­-Sprünge zu machen und die Nachkriegs-Ära mit der Jetztzeit bildlich zu verschmelzen. Und die Frau im blauen Kleid, so hieß es, scheint leichtfüßig durch die Zeiten zu eilen. Von der Adenauer-Zeit über die Helmut-Kohl-Jahre bis ins Heute. Eine Besucherin hatte aber eine noch schönere Deutung parat: „Wie aus einem Fellini-Film entsprungen!“

Die Ausstellung im Sandsteinmuseum läuft bis zum 20. Oktober.

»Ich muss mich an einem Ort fest installieren.«

Ulrich Haarlammert
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