Besamungstechnikerin für Bienen
Königinnen kamen in Käfigen

Hohenholte -

In der Imkerei von Mike und Werner Gerdes wartet Christa Winkler aus Berlin, die Besamungstechnikerin für Bienenköniginnen, auf die wertvollen Tierchen.

Donnerstag, 26.06.2014, 08:06 Uhr

Es ist noch früh am Morgen, als in Hohenholte die ersten Majestäten anrollen. Bienenköniginnen von Völkern mit bis zu 50 000 summenden Untertanen. Während des Transports sitzt die holländische Königin – wie auch die Majestäten aus dem Sauerland und dem Ruhrgebiet – hinter Gittern. Erst in Hohenholte nimmt sie ihr Besitzer samt Käfig vorsichtig aus dem Transporter, trägt sie ins Haus, schiebt sie vorsichtig in eine Plastikröhre, dreht an einem Ventilator und spült mit einem Spezialgebläse warme Luft über den königlichen Körper.

In der Imkerei von Mike und Werner Gerdes wartet Christa Winkler aus Berlin , die Besamungstechnikerin für Bienenköniginnen, auf die wertvollen Tierchen. Um sie herum liegen feinste, silbrig glänzende Instrumente. Nadelspitze Drähte aus Edelstahl und gläserne Spritzen schwimmen in desinfizierenden Lösungen. Vor ihr steht ein Mikroskop. Dies ist verbunden mit Plastikschläuchen, aus denen vorgewärmtes Kohlendioxid-Gas strömt.

Jetzt übernimmt Christa Winkler von ihrem Ehemann Adolf eine der Königinnen. Ganz behutsam dreht sie den winzigen pelzigen Tierkörper zwischen den Fingern in Rückenlage. Dann hält sie ihn unter das Objektiv und schaut im Okular in der Vergrößerung nach, ob das kleine Geschöpf nicht etwa irgendwelche Transportschäden mitbringt. „Die Bienen würden eine Königin, die zum Beispiel ein verkrüppeltes Beinchen hätte, später brutal aus dem Stock werfen“, erklärt sie. Dann schiebt sie die kleine Königin in ein Glasröhrchen, das vorne enger wird, damit die Biene nicht flüchten kann. Sie verbindet das Röhrchen mit dem Gasschlauch und leitet leise Kohlendioxid ein.

„Schlaf gut, meine Königin“, flüstert im Hintergrund ihr Besitzer, ein Imker aus Detmold. Das Bild unter dem Mikroskop verschlägt den Atem. Ein ganzer Mikrokosmos in seiner Schöpfungsgeschichte wird sichtbar. Die Anästhesie wirkt schnell. Die zarten Flügel hören auf zu vibrieren, die sechs Beinchen, die kurz zuvor noch vergeblich nach einem Fluchtweg strampelten, hängen schlaff herum. Königin „09“, so steht es auf ihrem Rückenschild geschrieben, schläft.

Die Expertin öffnet ihr nun mit zwei haarfeinen Silberdrähten den kleinen Bienenpopo und schiebt eine dünne Spritze mit dem vorher angewärmten Drohnensperma hinein. So merkt die Königin überhaupt nichts davon, dass ihr wider der Natur ein Schnäppchen geschlagen wird.

Zwanzig Minuten später krabbelt und summt sie wieder. Gut fünf Tage später, zurück in ihrem Volk, wird sie täglich bis zu 2000 Eier legen. Die werden dann, so wie die Natur es will, zu Drohnen oder Arbeitsbienen heranwachsen. In einem Sommer gut vier Millionen Tierchen, alle aus einem stecknadelkopfgroßen Tröpfchen Sperma. Ein Wunder der Natur!

Ein weiteres Geheimnis ist, wie die Königin es schafft, ihr Inneres so zu schalten, dass ein Ei befruchtet wird oder nicht. Fest steht, dass in einem Bienenvolk mit 50 000 Tieren nur rund 2000 Drohen leben. Ein bis zwei Dutzend von denen hält sich die Königin als fliegende Liebhaber.

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