Serie Sandstein-Museum
Schießwütiger Junker tut Buße

Havixbeck -

Die Teitekerlken hausten der Sage nach in den Spalten der Steinbrüche auf den Höhen der Baumberge und trieben ihren Schabernack. Da wundert es nicht, dass diese kleinen Erdgeister viel über den Baumberger Sandstein wissen. Einige ihrer Geheimnisse geben die Teitekerlken in dieser Serie unserer Zeitung preis, die in Zusammenarbeit mit dem Leiter des Baumberger-Sandstein-Museums, Dr. Joachim Eichler, entstanden ist.

Samstag, 29.08.2015, 14:08 Uhr

Aus Baumberger Sandstein ist das Sakramentshäuschen in der Sankt-Martins-Kirche Tettens.
Aus Baumberger Sandstein ist das Sakramentshäuschen in der Sankt-Martins-Kirche Tettens. Foto: Baumberger-Sandstein-Museum

Auf dem Sakramentshäuschen aus Baumberger Sandstein in der Sankt-Martins-Kirche in Tettens im Wangerland steht eine lateinische Inschrift, die folgendes bedeutet: „Im Jahre des Herrn 1523 verschied Ehrwürden Herr Alverich, Hirte dieser Gemeinde, am Gedenktag von Chrispin und Chrispian. Seine Seele ruhe in Frieden.“

Dieser Todesfall steht in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Entstehen dieser meisterlichen Steinmetzarbeit. An der Rückseite werden der Stifter und die Jahreszahl genannt: „ Ome Hoeftlinck zu Mitdoch MCCCCCXXV/1525“. Man sieht ein Wappen mit Helmzier und doppelköpfigem Adler. „Hoeftlinck“ bedeutet „Häuptling“, eine lange Zeit übliche Bezeichnung für die adligen Grundbesitzer in Ostfriesland und Wangerland. Die Bezeichnung legt eine gewisse Wildheit nahe und bei Ome von Mitdoch/Middoge bestätigt die Sage vom Sakramentshaus dies.

Seit Generationen wird in Tettens und Middoge folgendes erzählt: Junker Ome von Middoge war ein echter Schürzenjäger mit häufig wechselnden Geliebten und einer stetig wachsenden Schar unehelicher Kinder. Der Pfarrer von Tettens redete dem Häuptling ins Gewissen, aber der wies den Seelsorger schroff ab. Die Sage im friesischen O-Ton weiter: „Dieser beschloss daraufhin, den räudigen Bock seiner Herde vor versammelter Gemeinde zu ermahnen.“

Es kam die Zeit des Gottesdienstes und der Pastor wartete auf Ome, die Gemeinde war versammelt und wartete mit, denn ohne den Häuptling durfte der Pastor nicht anfangen. Ome aber fand, wie üblich, erst recht spät aus dem Bett seiner Geliebten. Als Junker Ome endlich in der Kirche erschien, hatte der Pastor schon mit der Predigt begonnen. Ome tobte vor Wut! Er spannte seine Armbrust und schoss den Pastor auf der Kanzel tot. Zur Buße soll Ome das Sakramentshaus gestiftet haben.

Diese Geschichte wurde immer wieder erzählt und auch geglaubt. Erzählungen oder Sagen mit einem ähnlichen Hintergrund findet man noch häufiger an dieser Küste. Wenn man dann aber weiß, dass Ome von Middoge 1534 fast 100-jährig gestorben ist, kann man sich kaum vorstellen, dass er als circa 90-Jähriger so eine Tat vollbracht hat.

Tatsächlich hatte Pastor Alverich Geld gespart und sein Vermögen testamentarisch zur Ausschmückung der Kirche hinterlassen. Junker Ome wurde autorisiert, über die Verwendung zu entscheiden, wenn er selbst auch Geld dazu legte.

Aber natürlich ist die Legende vom „wilden Ome“ schöner.

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