Wald bei Haus Stapel
Unterschlupf für Vögel und Fledermäuse

Havixbeck -

Viele seltene Vogel- und Fledermausarten suchen ihr Quartier in alten, knorrigen Bäumen, die aber leider in der heutigen Landschaft nicht oft genug vorzufinden sind. Diese für den Erhalt der Artenvielfalt so wichtigen Biotopbäume sollen nun mit Ausgleichsgeldern des Kreises Coesfeld dauerhaft erhalten werden.

Mittwoch, 27.04.2016, 15:04 Uhr

Dr. Mechthild Freifrau Raitz von Frentz an der alten Eiche, in der ein bedeutendes Fledermausquartier jetzt dauerhaft erhalten bleiben kann.
Dr. Mechthild Freifrau Raitz von Frentz an der alten Eiche, in der ein bedeutendes Fledermausquartier jetzt dauerhaft erhalten bleiben kann. Foto: Kreis Coesfeld

Es sollen gezielt jene Bäume bewahrt werden, denen die Fachleute des Naturschutzzentrums Kreis Coesfeld eine hohe Bedeutung für den Erhalt der Biodiversität bescheinigen. Entsprechende Verträge mit Baum- und Waldbesitzern werden derzeit abgeschlossen – der erste mit Dr. Mechthild Freifrau Raitz von Frentz aus Havixbeck. Ihre alte Eiche bei Haus Stapel ist ein bedeutendes Fledermausquartier.

„Baumfledermäuse ziehen gerne in alte Spechthöhlen ein. Das sieht man den Bäumen meist nicht an, und Flugaktivitäten finden naturgemäß nur nachts statt“, betont Hermann Grömping , Leiter der Unteren Landschaftsbehörde beim Kreis Coesfeld. Wenn der Baum im Rahmen der normalen forstlichen Nutzung gefällt wird, ist der Schaden groß, bis hin zum Totalverlust der lokalen Fledermauspopulation.

Das neue Biotopbaumprogramm setzt hier an. Für derartige Bäume wird der Holzwert ermittelt, den der Eigentümer dann vom Kreis erstattet bekommt. Vertragspartner sind der Eigentümer und der Kreis Coesfeld. Mit der Unterschrift verpflichtet sich der Eigentümer, den Baum bis in die Zerfallsphase stehen zu lassen. Der Vertrag wurde vom Naturschutzzentrum „Alter Hof Schoppmann“ in Darup in Zusammenarbeit mit der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Coesfeld entwickelt. Das Holzwertgutachten erstellte das Regionalforstamt Münsterland .

Mit dem fertigen Vertrag trafen sich nun die Vertragspartner an der Eiche zur Unterschrift, berichtet der Kreis Coesfeld in einer Pressemitteilung. Matthias Olthoff, Zoologe beim Naturschutzzentrum, der den Baum als Fledermausquartier entdeckt hat, freut sich: „Das neue Artenhilfsprogramm kommt genau im richtigen Moment. Wir haben die Pflicht, seltenen Höhlenbrütern wie Spechten und Baumfledermäusen zu helfen. Für viele von ihnen ist es fünf vor zwölf.“

Hermann Grömping pflichtet ihm bei: „Wir können mit dem Programm sicherlich nicht jeden Höhlenbaum retten. Wir haben uns aber vorgenommen, die wichtigsten Biotopbäume, die Heim für besonders seltene und bedrohte Arten sind, unter Vertrag zu nehmen.“

Finanziert wird das neue Programm aus Ersatzgeldern, die der Kreis einnimmt, wenn nach Eingriffen in Natur und Landschaft die vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen nicht ausgeführt werden können. Die Anzahl der Biotopbäume soll damit innerhalb des Kreises Coesfeld deutlich gesteigert werden.

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